Edeltraud und Horst Glaub nehmen die Höhen und Tiefen des Lebens seit 50 Jahren gemeinsam mit einem Lachen hin. FOTO: PV
+
Edeltraud und Horst Glaub nehmen die Höhen und Tiefen des Lebens seit 50 Jahren gemeinsam mit einem Lachen hin. FOTO: PV

Sie haben einander seit 50 Jahren im Blick

  • vonMarc Stephan
    schließen

Echzell-Gettenau(arc). "Ach Gott, der schon wieder!", dachte sich Edeltraud Margraf, als sie 1970 im Lokal "Zur Brücke" in Berstadt auf Horst Glaub traf. Sie erinnerte sich noch genau an die Begegnung zwei Jahre zuvor. "Der Kerl hatte mich damals ganz schön in Verlegenheit gebracht", erzählt sie heute, wo sie nun schon 50 Jahre mit Horst Glaub verheiratet ist. Denn es dauerte nach ihrer zweiten Begegnung am 1. Mai 1970 in der "Brücke" kaum länger als ein Vierteljahr, bis die Hochzeitsglocken läuteten.

Kinderbetreuung im Wechsel

Heute sitzen sie gemeinsam an ihrem Küchentisch und erzählen abwechselnd ihre Geschichte. Wenn der eine erzählt, lächelt und grinst der andere still vor sich hin, während sich ihre Blicke unablässig suchen. 1968 bei ihre ersten Begegnung in der "Brücke" saßen sie nicht einmal beisammen. Ihr war plötzlich ein Schnaps ausgegeben worden, von einem Herren, der ihr zuprostete. Sie kippte den Branntwein herunter und bekam einen dicken roten Kopf. "So einen Ballon", sagt sie heute, bläst die Wangen auf und hält ihre Hände weit neben ihre Ohren. Horst Glaub und seine Kumpels lachten, hatten sie doch gewettet, dass das Mädel einen roten Kopf bekäme nach dem Schnaps. Glaub hatte gewonnen, das erfuhr sie aber erst später.

Bei ihrer zweiten Begegnung 1970 erkannte sie ihn sofort wieder, kümmerte sich jedoch nicht weiter um ihn. Plötzlich kam von hinten eine Hand über ihre Schulter und zog ihr das Schnitzel vom Teller. Er entgegnete nur: "Jeder Bundesbürger ist verpflichtet, einen armen Bundeswehrsoldaten zu ernähren!" Bevor sie protestieren konnte, hatte er auch schon das halbe Schnitzel "gefressen", erzählt sie lachend.

Am 28. August 1970 gaben sich Edeltraud Margraf und Horst Glaub dann schon das Jawort. Beide 1950 geboren, er in Gettenau, sie in Ober-Mörlen, begannen sie 1976, in Gettenau ihr Haus zu bauen. Als Maurer zog er das Haus nicht nur selbst hoch, er hatte auch die Pläne alle selbst gefertigt und sie nur von einem Architekten unterzeichnen lassen. Nach seiner Zeit auf dem Bau musste Horst Glaub zum Grundwehrdienst, seit 1974 war er städtischer Arbeiter in Bad Nauheim.

Nach der Schule absolvierte Edeltraud Glaub eine Lehre zur Fotolaborantin und arbeitete bei "Foto Pfarr" auf der Friedberger Kaiserstraße. Der Sprung von der Schwarz-Weiß- zur Farbentwicklung war ihr zu groß, weshalb sie bald darauf bei der Firma Ezetil in Inheiden arbeitete. Da bereits Anfang 1972 ihr erstes Kind geboren wurde und Ende desselben Jahres das zweite, übernahm sie die "Hausfrauenschicht" in der Firma von 17 bis 22 Uhr. Denn so konnte ein fliegender Wechsel mit ihrem Ehemann in der Kinderbetreuung stattfinden, der gegen 17 Uhr nach Hause kam. 1982 wurde schließlich das dritte und letzte Kind der beiden geboren. Mittlerweile zählen auch drei Enkelkinder zur Familie. Bis zur Rente arbeitete Edeltraud Glaub ab 1984 als Briefzustellerin der Post in Echzell.

Als leidenschaftlicher Motorradfahrer war Horst Glaub Gründungsmitglied des MSC Echzell. Auf den Touren begleitete Edeltraud Glaub die Fahrer mit dem Service- und Versorgungsfahrzeug. Außerdem war er Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr und den "Äbbelwoi-Club". Aus beiden Vereinen ist er mittlerweile ausgetreten, seinen Äbbelwoi keltert er aber noch immer. "Eine Kunst für sich", wie er sagt, und die zahlreichen Auszeichnungen beweisen, dass er diese beherrscht.

Gefeiert wird die goldene Hochzeit im etwas kleineren Kreis, coronabedingt. Feiern wollen die beiden unbedingt, gesund bleiben aber auch. Und so nehmen sie auch das, wie scheinbar alles in ihrem Leben, mit einem Lachen und einem liebevollen Blick zueinander hin.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare