Zwischen Borsdorf und der B 457 wollen die beteiligten Kommunen einen gemeinsamen Gewerbepark entwickeln. FOTO: SAX
+
Zwischen Borsdorf und der B 457 wollen die beteiligten Kommunen einen gemeinsamen Gewerbepark entwickeln. FOTO: SAX

Gemeinsam Firmen ansiedeln

  • vonOliver Potengowski
    schließen

Echzell(sax). Die Gemeinde hat die Möglichkeit, sich an dem geplanten interkommunalen Gewerbepark Oberhessen bei Nidda zu beteiligen. Niddas Bürgermeister Hans-Peter Seum, dessen Bauamtsleiter Johann Füller und Bernd-Uwe Domes, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Wetterau, stellten das Konzept in der jüngsten Parlamentssitzung vor. Einstimmig beschloss das Gremium, das Projekt im Ausschuss für Gemeindeentwicklung, Umwelt und Soziales zu diskutieren.

Keine eigenen Flächen mehr

"Sie alle wissen, dass wir seit 22 Jahren keine Gewerbeflächen ausweisen dürfen", beschrieb Bürgermeister Wilfried Mogk, warum Echzell an dem interkommunalen Gewerbepark interessiert sei. Weil die ausgewiesenen Flächen in Grund-Schwalheim jahrelang brachlagen, sahen die Genehmigungsbehörden keinen Bedarf für neue Gewerbeflächen in der Gemeinde. Das Projekt werde kein "08/15-Gewerbepark", betonte Mogk den besonderen Charakter.

Was darunter zu verstehen ist, erläuterten Seum und Domes. "Wir wollen keinen Flächenverbrauch und gutes Land vergeuden", stellte Niddas Bürgermeister einen wesentlichen Unterschied zu anderen Gewerbegebieten heraus. Daher solle der zunächst 19 Hektar große Gewerbepark, der bis auf 30 Hektar erweiterbar sei, in der Nachbarschaft eines ehemaligen Flugfeldes aus dem Zweiten Weltkrieg gegenüber den Stadtteilen Harb und Borsdorf entwickelt werden.

Das Projekt sei in den 90er Jahren als gemeinsames Gewerbegebiet mit Schotten angedacht gewesen und deshalb bereits im Regionalplan festgeschrieben. Auch im Flächennutzungsplan der Stadt sei das Projekt berücksichtigt.

"Ich versuche immer, etwas gemeinsam zu machen. Wenn jede Kommune nur für sich selber agiert, haben wir keinen Erfolg", warb Seum für den Gewerbepark Oberhessen. An dem könnten neben Nidda und Echzell auch Schotten, Gedern, Ortenberg, Hungen, Kefenrod und Ranstadt beteiligt werden. Hirzenhain hat erklärt, kein Interesse zu haben.

Schwerpunkt auf nachhaltigem Bauen

"Dieser Gewerbepark hat einen modellhaften Charakter in Hessen", hob Domes hervor. "Wir wollen keine beliebigen Betriebe ansiedeln." Zielgruppe seien weniger bereits ansässige Unternehmen, die sich erweitern wollten, als technologieorientierte Firmen, die im Rhein-Main-Gebiet keine Erweiterungsflächen mehr finden. Denen soll der Gewerbepark Oberhessen unter anderem durch eine enge Verzahnung mit Hochschulen schmackhaft gemacht werden. So könnten gute Kontakte zu qualifiziertem Mitarbeiternachwuchs entstehen.

Dass der Gewerbepark nicht direkt an der Autobahn liegt, soll laut Domes durch den innovativen Charakter des Projekts mehr als ausgeglichen werden. So solle in dem Areal nachhaltig gebaut werden. Solaranlagen sollen nicht als Fremdkörper auf den Dächern installiert werden, sondern integraler Bestandteil der Gebäude sein. Der Gewerbepark solle zudem ein Stützpunkt für Elektromobilität sein. Auch eine Wasserstofftankstelle, für die das Gas aus regenerativen Energien erzeugt werde, sei denkbar. Ein hoher Anteil von unversiegelten und Grünflächen solle eine hohe Aufenthaltsqualität schaffen.

In der Beschlussvorlage steht, ein Großteil der Grundstückseigentümer sei bereit, ihre Flächen für das Projekt zu verkaufen. Doch seien sie mit dem vorgeschlagenen Quadratmeterpreis von 8,75 Euro nicht einverstanden. Dass der Spielraum nicht allzu groß ist, zeigte der von Füller genannte mögliche Verkaufspreis von 70 Euro je Quadratmeter für die fertig entwickelten Flächen.

Sebastian Tinz (CDU) wollte wissen, ob die Beteiligung an dem Projekt Echzell daran hindere, eigene Flächen zu entwickeln. Eine Sorge, die auch andere Kommunen haben. Seum versicherte, das Regierungspräsidium habe schriftlich bestätigt, dass dem nicht so sei.

Bedenken, dass es eventuell nicht genug Interessenten für die Gewerbeflächen geben könne, kamen von Christa Degkwitz (Grüne) und Gerhard Pioßek (CDU). Er rechne damit, dass nach den Erfahrungen mit Homeoffice während der Pandemie der Bedarf an Büroflächen im Rhein-Main-Gebiet abnehmen werde. Domes räumte dies ein, für Produktionsflächen aber, wie sie im Gewerbepark Oberhessen vorgesehen seien, gelte dies nicht. Mit seiner nachhaltigen Konzeption habe der Gewerbepark ein Herausstellungsmerkmal, das die Unternehmen auch zur Aufwertung ihrer Produkte nutzen könnten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare