Geheimtipp zum Jahreswechsel: Silvestergala in Bingenheim

Echzell-Bingenheim (arc). In neuem Gewand und gewohnter Qualität präsentierte Trude Schmitz-Folkmanis die Silvestergala im nicht ganz ausverkauften Bürgerhaus. Das gestraffte Programm wurde bestritten vom jungen Ensemble "Opera et cetera" aus dem Rheingau, bestehend aus den Sopranistinnen Jessica Fründ und Kara Bishop, den Baritonen Pascal Mehl und Alex Winn sowie Bass Zach Wilson.

Ergänzt wurde die Gruppe von ihrem Mentor Keith Ikaia-Purdy (Tenor) und Mezzo-Sopranistin Estelle Haussner sowie den Lokalmatadorinnen Ursula Enke (Mezzo-Sopran) und Elzbieta Stamm (Sopran).

Gäste aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet waren zusammengekommen. "Solche Sänger in einem so kleinen Bürgerhaus!", hörte man oder "Wo kommt man solchen Künstlern sonst so nah?", und es schien, als sei die Silvestergala in Bingenheim zu einem Geheimtipp geworden.

Das klar strukturierte Programm entwickelte sich stets aus kleinen Spielszenen, sodass komplette Ausschnitte aus Oper und Operette auf der Bühne zu sehen waren. Wo es sich um Filmmelodien handelte, schufen die Künstler flugs ihre eigene passende Szenerie. Dadurch erfuhr der Abend neben dem musikalischen Genuss einen gehörigen Schuss Kurzweil. Das aufeinander eingespielte Ensemble verständigte sich wortlos mit Blicken, und so war es kein Problem, auf diesem Fundament ebenso professionelle Kollegen in das Programm mit einzubinden, wie etwa den Pianisten Sebastian Engel, der die Sänger den ganzen Abend begleitete.

Zur Eröffnung versammelte sich das Ensemble singend zu "Magic to Do" auf der Bühne und erinnerte damit an die farbenfrohen US-Revuefilme vergangener Jahrzehnte. Im folgenden Opernblock starteten Keith Ikaia-Purdy und Zach Wilson ein wortgewaltiges Zwiegespräch aus "Don Carlo". Kara Bishop und Jessica Fründ lockten mit großer Spannung ihre männlichen Kollegen "Salut à la France" aus den "Regimentskindern".

Leichtlebig, italienisch, schwungvoll war das folgende musikalische Zwiegespräch "Suoni la tromba" zwischen Pascal Mehl und Alex Winn. Ihre Rolle als rassige "Carmen" füllte Estelle Haussner mit viel Leben, was dem Publikum und ihrem Gegenpart Keith Ikaia-Purdy sehr gefiel. Gekonnt spielte Jessica Fründ im Vortrag "Quando m’en vo" die Herren auf der Bühne gegeneinander aus.

Den ersten kurzen Operetten-Teil eröffnete Ursula Enke temperamentvoll mit "Die Juliska" aus Budapest aus der "Maske in Blau". Unter großer lachender Anteilnahme beendeten Kara Bishop und Alex Winn den Operetten-Teil dann auch schon mit dem verliebt gesummten "Bienen-Duett" aus "Orpheus in der Unterwelt".

Die gezeigte Lockerheit und der Spaß am Spiel erweckten manchmal den Eindruck, die Künstler hätten das Publikum vor der Bühne vergessen. Doch zogen sie auch das Publikum in ihre Darbietung mit ein. So hoben sich wie von selbst einige Männerarme, als Jessica Fründ zu dem Lied "Ich bin verliebt" die Treppe von der Bühne herabschritt und frech suchend in den Saal blickte.

Zum Ende gibt’s einen Feuersturm

Die Liebe und die Männer waren auch das Thema der zwei spanischen Lieder, die Ursula Enke und Elzbieta Stamm verliebt mit Feuer vortrugen. Wie der Abend begonnen hatte, entließ er die Gäste auch in die Pause: mit dem versammelten Ensemble auf der Bühne und einem amerikanischen Titel.

Der zweite Teil der Silvestergala stand unter den Zeichen "Film, Spaß mit Freunden und Folklore". Mit Stücken der "leichten Unterhaltung" wie "Be My Love", "Bel Ami" oder dem bekannten "Tonight" aus der Westside-Story zeigten die Künstler, dass sich hinter manchem Ohrwurm ein anspruchsvolles Stück verbirgt, das hinter den "ernsten Titeln" nicht zurückstehen muss. Nach Rossinis Katzen-Duett, gesungen oder besser "miaut" von Ursula Enke und Elzbieta Stamm, traten die Herren des Ensembles zu einer gesungenen Fuge "Fugue for Tinhorns" an, um ihrer Liebsten zu imponieren, dieses Ziel verfehlten sie auch beim Publikum nicht.

Zwei spanische Volkslieder waren es, mit denen sich Ursula Enke und Elzbieta Stamm verabschiedeten. Mit einem Lied aus seiner Heimat Hawaii, "E o mai", leitete Keith Ikaia-Purdy, begleitet von Zach Wilson und Alex Winn, in das Finale über. Estelle Haussner betrat noch einmal die Bühne als rabiate Gastgeberin mit "Ich lade gern mir Gäste ein".

Der damit unter Gewaltandrohung angeordneten Feierstimmung folgten die Akteure jedoch gerne und ließen das Konzert mit leichten Liedern aus der "Fledermaus" ausklingen bis zum traditionellen Finale-Lied "Im Feuersturm der Reben".

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