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Thomas Heinze züchtet neue Möhren-, Lauch- und andere Gemüsesorten. (Foto: kai)

Geduld, Geschmack – Thomas Heinze züchtet Bio-Saatgut

Thomas Heinze braucht in seinem Beruf viel Ausdauer. Akribie, Forscherdrang und guter Geschmack sind ebenso Attribute, die ein Züchter für Bio-Gemüsesaatgut benötigt. Mehr als 10 000 Pflänzchen hegen der 58-jährige Agraringenieur und sein Team in Bingenheim.

Agraringenieur Thomas Heinze züchtet mit seinem Team auf einer etwa fußballfeldgroßen Fläche in Bingenheim Möhren, Rote Bete, Lauch, Fenchel, Brokkoli, Schnittlauch und Bohnen. "Bei Äpfeln kennt jeder verschiedene Sorten, bei Möhren sind kaum jemandem unterschiedliche Sorten bekannt", sagt der 58-Jährige.

Sein Ziel: wohlschmeckendes Gemüse für den Öko-Anbau herstellen, das widerstandsfähig und wüchsig ist. Mit Gleichgesinnten gründete Heinze vor mehr als 20 Jahren den Verein Kultursaat, der eng mit der Bingenheimer Saatgut zusammenarbeitet. "Wir von Kultursaat liefern die Sorten, die Bingenheimer Saatgut vermehrt und vertreibt den Samen", berichtet der Biosaatgut-Pionier. Groß war die Freude bei seinen Mitstreitern und ihm, als sie im Verbund mit der Bingenheimer Saatgut im Januar als Preisträger des Bundeswettbewerbs Ökologischer Landbau 2015 ausgezeichnet wurden. Kürzlich wurde das groß gefeiert (die WZ berichtete).

Saatzucht habe es immer gegeben. "Traditionell ist da viel gemacht worden, es gibt Stuttgarter oder Braunschweiger Zwiebeln, jede Gegend hat ihre eigenen Sorten", sagt Heinze. "Das lag früher in den Händen der Menschen, die aussäten und ernteten." Schon damals seien nur die robustesten Pflanzen zum Blühen gebracht worden. Ähnlich geht Heinze vor. Über die Auslese besonderer Pflanzen kommt er zu neuen Sorten. Ein zweiter Weg ist das Kreuzen von zwei unterschiedlichen Sorten miteinander. Das Kultursaat-Credo: kein Hybrid-Saatgut. Aus allen Pflanzen, die aus Bingenheimer Tütchen kommen, können Hobbygärtner selbst Saatgut gewinnen.

16 Jahre für eine neue Möhre

Vor ein paar Tagen hat Heinze seine im Herbst für die Zucht ausgewählten Möhren aus dem Kühlhaus geholt. Die Spitze schnitt er ab, testete den Geschmack: Süß und möhrenartig. "Herb und seifig sollten sie nicht schmecken", erklärt er. Nur die besten Wurzeln pflanzte er. "Möhren blühen im zweiten Jahr." Nun gilt es zu warten, bis Blüten emporschießen, sich Samen bilden. Dabei haben Heinze und sein Vier-Personen-Team die Pflanzen immer im Blick. Protokollieren, beobachten, auswerten.

Entsteht eine neue Sorte, gibt’s Regeln, damit sie als neu vom Bundessortenamt anerkannt wird: Sie muss beständig, homogen und von anderen Sorten zu unterscheiden sein. "Es dauert lange, bis eine neue Sorte entsteht." Bei Gemüse wie Möhren, die erst im zweiten Jahr blühen, können bis zur neuen Sorte 16 Jahre vergehen, bei einjährigen Pflanzen wie Brokkoli ist’s in der halben Zeit geschafft.

Mehr als 10 000 Pflänzchen hegen und pflegen Heinze und sein Team auf von der Lebensgemeinschaft gepachteten Fläche derzeit noch in Gewächshäusern und Folientunneln. Und in wenigen Wochen geht’s für Lauch, Fenchel, Möhren und Co. raus aufs Feld.

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