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Wilfried Mogk stellt sich am Sonntag zur Wiederwahl als Bürgermeister der 5800-Einwohner-Gemeinde Echzell. Im Interview erklärt er, was ihm besonders viel Freude im Amt bereitet - und was eher weniger.

Bürgermeisterwahl Echzell

"Für unsere Rechte vor Gericht"

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In diesem Jahr steht bei der Wahl zum Bürgermeister nur ein Name auf dem Zettel: Wilfried Mogk. Im Interview verrät er, warum er so gerne Bürgermeister von Echzell ist.

Hatten Sie erwartet, dass Sie nächsten Sonntag als einziger Bewerber um das Bürgermeisteramt antreten würden?

Wilfried Mogk:Erwartet wäre zu viel gesagt; erhofft. Ich denke, ich habe gut gearbeitet und war deshalb guter Dinge, dass es wenig Gründe gibt, einen Gegenkandidaten zu stellen. Ich wäre aber niemandem böse gewesen.

Haben Sie trotzdem Wahlkampf gemacht?

Mogk:Ja, ein bisschen. Ich habe Flyer gemacht, die ich mit meiner Familie verteilt habe, und ein paar Plakate, damit auch jeder mitbekommt, dass nicht nur Europawahl ist.

Was steht in den Flyern, was ist Ihnen wichtig, den Bürgern mitzuteilen?

Mogk:Zum einen habe ich einen kurzen Abriss gegeben, was während meiner Amtszeit passiert ist. Natürlich konnte ich das nicht alleine umsetzen, sondern brauchte dazu Mehrheiten. Ich habe darauf hingewiesen, dass ich gut mit den politischen Gremien zusammengearbeitet habe und wir für die Gemeinde vieles umsetzen konnten. Die gute Finanzlage kam uns dabei zugute. Dann habe ich einige Punkte angesprochen, die ich in der nächsten Amtszeit angehen möchte. Etwa die Renovierung und den Umbau der Alten Apotheke, wo wir einen Allgemeinmediziner unterbringen möchten. Ein anderes großes Thema ist das Logistikzentrum an der Grenze zu Echzell. Ich habe meinen Bürgern versprochen, dass wir alles dafür tun werden, was in unserer Macht steht, um das zu verhindern. Uns stört, dass man auf die Sorgen und Ängste, die Echzell umtreiben, nicht eingeht. So sind wir gezwungen zu sagen: Wir müssen für unsere Rechte vor Gericht eintreten.

Beeinträchtigt das die Zusammenarbeit mit Wölfersheim?

Mogk:Nein. Wir sind genug Polit-Profis, um zu sagen: Wir haben hier unterschiedliche Ziele und Auffassungen, da kommen wir auch nicht zusammen. Aber das darf die Arbeit in den anderen Gremien und in den Zweckverbänden nicht belasten, da müssen wir vernünftig und sachlich miteinander umgehen. Das klappt bis jetzt auch gut.

Worauf wird in Ihren Augen bei der Rewe-Planung nicht eingegangen?

Mogk:Es gibt drei Hauptaspekte, die uns interessieren und auf die zu wenig bis gar nicht eingegangen wurde. Das erste: Wir sehen die Anbindung über die K 181 und nicht über die B 455 kritisch. Wir bekommen keine schriftliche Zusage, dass nicht doch ein Teil des zusätzlichen Verkehrs durch Echzell fahren wird. Das zweite ist: Auf den Anlieger aus Echzell, der direkt dort wohnt, auf dem Römerhof, wird nicht eingegangen. Es ist nicht damit getan, ihm eine Schallschutzwand vor die Nase zu bauen. Das dritte sind die wasser- und naturschutzrechtlichen Belange und die Landwirtschaft. Hier sehen wir Probleme, weil die Entwässerung des Industriegebiets über einen Bach erfolgen soll, der noch vor Echzell in die Horloff mündet. Wir haben gerade erst wieder ein Stück renaturiert und wollen weder eine Verschlechterung der Gewässerqualität noch eine Zunahme des Hochwassers bei Starkregen.

Argumentiert wird auch mit der Qualität des Bodens.

Mogk:Zu Recht. Die Diskussion um das Projekt hat bei mir zu der Erkenntnis geführt, dass man sich mit dem Thema Bodenverbrauch viel mehr auseinandersetzen muss. Das war bei mir vorher, das sage ich ehrlich, in diesem Umfang auch nicht der Fall. Da muss ich der Bürgerinitiative "Bürger für Boden" danken, dass sie das angestoßen hat. Die Weltbevölkerung wächst, zugleich werden Wasser und Nahrung knapper. Wir in Deutschland leben in einem gesegneten Land, weil wir tolle Ackerböden haben und die nötigen Niederschläge. Wo soll die Nahrung für die Weltbevölkerung herkommen, wenn nicht von uns? Doch wir nehmen diese Flächen großzügig weg. Wir müssten bei der Planung genauer hinschauen: Wo gibt es Industriebrachen, wo ist der Boden schon im Eimer? Muss man den Logistikern bis ins Kleinste nachkommen, nur weil es der günstigste Standort ist? Kann man ihnen nicht zumuten, fünf Kilometer weiter zu fahren?

Ist Rewe das Thema, mit dem Sie momentan am meisten beschäftigt sind?

Mogk:Ja! Auch wenn ich im Ort unterwegs bin, ist es das Thema, auf das ich am häufigsten angesprochen werde, wobei viele Echzeller sagen: Es wird doch sowieso gebaut, wir haben keine Chance. Aber es gibt auch einige wenige, die sagen: Ich finde das gar nicht so schlimm. Ich glaube, viele werden erst wach, wenn sie die Dimensionen dieses Gebäudes und die Zunahme des Verkehrs mit 3500 Fahrzeugen täglich tatsächlich erleben.

Rouven Kötter, der frühere Bürgermeister von Wölfersheim, erwähnte neulich ein Angebot, dass Echzell ein kleines Gewerbegebiet andocken könnte. Ist das eine Option?

Mogk:Da müssen wir von vorn anfangen. Gesprochen hatten wir von einem interkommunalen Gewerbegebiet, wesentlich kleiner und gedacht für mittelständische Betriebe. Das war knapp zwei Jahre der Stand. Dabei ging es auch um die Frage, ob wir die Fläche ein Stück nach Echzell verschieben, damit wir auch etwas Land einbringen, wenn auch nur einen Streifen von 100 Metern, weil da schon das Vogelschutzgebiet anfängt. Ich hatte dann von Wölfersheim länger nichts gehört - und das Ergebnis in der Zeitung gelesen. Da war ich natürlich schon enttäuscht.

Können Sie nicht an anderer Stelle ein Gewerbegebiet ausweisen?

Mogk:Nein. Weil Echzell die Besonderheit hat, dass wir mit Naturschutzgebieten gesegnet sind und die Römer hier gelebt haben. Das erschwert es uns sehr, noch irgendwo ein Gewerbegebiet auszuweisen. Eine der möglichen Flächen wäre dort in Richtung Berstadt gewesen. Ja, Herr Kötter hat gesagt: Das ist die Chance für Echzell, sich mit einem Gewerbegebiet dranzuhängen. Doch die Auskunft beim Regierungspräsidium lautet, dass bei einem Gewerbegebiet dieses Ausmaßes und mit diesem Ärger an weitere Planungen dort erst mal nicht zu denken ist. Außerdem bin ich mittlerweile der Meinung: Es muss nicht dort sein, auf diesem guten Ackerboden. Wir planen gerade ein Gewerbegebiet mit Nidda zwischen Borsdorf und Harb. Der Standort ist wesentlich schlechter, da weiter von der Autobahn weg. Und bis zur Umsetzung dauert es noch. Ich habe also das Problem, dass ich meinen Gewerbebetrieben nichts anbieten kann.

Gibt es einen Betrieb, der Interesse hätte?

Mogk:Ja, ich nenne mal ein renommiertes Beispiel: Der Metallbauer Repp würde sich gerne vergrößern und hat mir das auch schon vor zwei Jahren gesagt. Es gibt zwar ein Gewerbegebiet in Grund-Schwalheim, aber das gehört einem Privatinvestor. Der RP sagt: Solange es dieses Gebiet gibt, müssen wir erst das entwickeln. Bloß darauf haben wir als Gemeinde keinen Einfluss. Deshalb wird Herr Repp wahrscheinlich abwandern - nach Wölfersheim. Wir werden damit gestraft, dass dieses Logistikzentrum gebaut werden soll, was uns auch die letzte Entwicklungsmöglichkeit nimmt, und jetzt wandern mir auch noch Betriebe ab, weil ich keine Ausweichfläche anbieten kann. Ich habe mich natürlich auf die Aussage von Bürgermeister Kötter verlassen, die über zwei Jahre lautete: Wir machen dort ein interkommunales Gewerbegebiet. Diese Zeit fehlt mir nun.

Wie sieht es mit den Entwicklungsmöglichkeiten von Neubaugebieten aus?

Mogk:Auch das ist ein großes Problem. Wir entwickeln gerade das Gebiet am Ortsausgang von Gettenau. Jetzt habe ich aber gehört, dass dort, wo wir den zweiten Bauabschnitt planen, Knoblauch-, Kreuz- und Wechselkröten vorkommen sollen. Deshalb treffen wir uns nun mit den Naturschutzbehörden. Das ist das einzige Gebiet, das wir noch haben, zusammen mit einem kleinen Gebiet in Bingenheim, mit jeweils 50 Bauplätzen. Um keine Zeit zu verlieren, müssen wir parallel versuchen, weitere Gebiete über den Flächennutzungsplan zu bekommen.

Welche Aufgaben stehen in den kommenden Jahren außerdem an?

Mogk:Was ganz oben auf der Prioritätenliste steht, aber wenig spektakulär ist, das ist die Sanierung von Wasser, Kanal und Straßen. Man sieht selten einen Bürgermeister, wie er einen neuen Kanal einweiht ( lacht), aber da herrscht ein Investitionsstau.

Wie geht es mit dem geplanten Feuerwehrhaus in Bingenheim weiter?

Mogk:Die politische Aussage ist: Wir wollen ein neues Gerätehaus. Wir haben ein passendes Gelände gefunden, aber der Pächter weigert sich, es freizugeben. Das verzögert den Neubau um mindestens ein Jahr. Wir müssen warten, bis der Pachtvertrag 2020 ausläuft.

Was sind die schönen Seiten des Jobs?

Mogk:Als Dorfbürgermeister muss man die Menschen gern haben - so, wie sie sind. Glücklicherweise bin ich jemand, der mit Menschen gut kann. Das spiegeln mir auch die Bürger wider. Die sagen: Wir finden toll, dass du dich nicht verändert hast, dass man noch ganz normal mit dir reden kann. Es klingt pathetisch, aber: Für mich ist das ein Traumjob - auch wenn es mal unangenehme Themen zu besprechen gibt. Die muss man gut vorbereiten und sachlich erklären. Dann nehmen die Bürger das auch an.

Was sind die größten Herausforderungen?

Mogk:Ein kleiner Dorfbürgermeister hat eine Allgemeinzuständigkeit: vom klappernden Kanaldeckel über den Hahn, der beim Nachbarn kräht, über den ruhenden Verkehr, wo die Autos nicht ordentlich parken, über den fließenden Verkehr, wo sie zu schnell fahren, bis hin zu Millionenprojekten wie dem gerade eingeweihten Kindergarten. Für die Bürger sind Sie derjenige, der für alles zuständig ist, das Gesicht nach außen. Das macht es im Tagesgeschäft anstrengend.

Zur Person

Wilfried Mogk (parteilos) ist seit dem 1. November 2013 Bürgermeister der Gemeinde Echzell. Nun stellt er sich zur Wiederwahl - ohne Gegenkandidaten. 4500 der 5800 Einwohner sind wahlberechtigt. Mogk ist gebürtiger Echzeller, 54, verheiratet und Vater von drei Söhnen.

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