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Ersatz fürs gestohlene "Respekt"-Schild (v. l.): Sabine Schubert, Oliver Stoll, Bürgermeister Wilfried Mogk und Manfred Linss.

Ein Fest des Friedens

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Echzell(im). Regenschauer und ein rauher Wind konnten der fünften Echzeller Glühweihnacht nichts anhaben: Bei romantischer Beleuchtung und heißen Getränken kuschelten sich Groß und Klein, Alt und Jung in großer Zahl zu Füßen der von der Initiative "BuntErleben" in vielen Farben illuminierten evangelischen Kirche. Sie deckten sich an den Ständen der Aussteller mit weihnachtlichem Kunsthandwerk, an den Ständen der Vereine mit Gutem für das leibliche Wohl und Informationen rund um das Vereinsleben ein.

Zu Beginn des Nachmittags hatten die Kinder der Grundschule und aller Kindergärten der Kommune den großen Weihnachtsbaum im Heimatmuseumsgarten geschmückt und im Tausch dafür von der Vize-Vorsitzenden des Gewerbevereins Echzell, Christine Penow, leckere Kekse erhalten. Auch das Baumschmücken ist eine Initiative von "BuntERleben".

Ohne Zimt, Vanille und Kaffee

Zur Eröffnung sprachen Bürgermeister Wilfried Mogk sowie Sabine Schubert, Vorsitzende des Gesangvereins "Einheit" Echzell, als Vertreterin der gastgebenden Vereine. Außerdem sangen die Kinder aller Kindergärten. Manfred Linss, Vorsitzender des 2010 gegründeten Vereins "Grätsche gegen Rechtsaußen", überreichte ein neues Schild mit der Aufschrift "Respekt! Kein Platz für Rassismus" an Bürgermeister Mogk - das Schild am Rathaus war von Unbekannten entwendet worden. Ebenso übergab Linss einen Laptop an Oliver Stoll, Vorsitzender des im Mai gegründeten Vereins "EhE - Echzeller helfen Echzellern".

Im Heimatmuseum konnte man in vergangenen Zeiten schwelgen: Museumsleiter Dr. Jochen Degkwitz hatte Dias aus dem Fundus des ehemaligen Gettenauer Kinos digitalisiert, mit denen die heimische Geschäftswelt vor langer Zeit für ihre Angebote warb.

Eindrücklich war auch die Andacht mit dem Motto "Weihnachten und Vielfalt" der Evangelischen Kirchengemeinde. Unter Leitung von Pfarrerin Alrun Kopelke-Sylla gemeinsam mit "BuntERleben" entwarfen Erwachsene und Jugendliche, Kirchenvorsteherinnen und Vereinsvorsitzende ein vielstimmiges Bild von Weihnachten als internationalem Fest des Friedens. Musikalisch begleitet von Dr. Ralf Schäfer an der Orgel, dem Singkreis der Landfrauen Echzell und dem Chor des Gesangvereins "Einheit" Echzell unter Jan Frische ergänzten Texte und Szenen einander eindrucksvoll. Besonders im Gedächtnis blieb der "Auszug" aller gerade an Weihnachten so wichtigen ausländischen Köstlichkeiten wie Kaffee und Kakao, Schokolade und Pfeffernüssen, Zimt und Vanille, Orangen und Bananen, die den Altar geschmückt hatten - gefolgt von Technik-, Handy- und Autobestandteilen, die nicht aus Deutschland stammen. Schließlich blieb nur noch die kleine holzgeschnitzte Heilige Familie unter dem Kreuz zurück. Und diese entschloss sich, zur Rettung des Weihnachtsfestes in Deutschland zu bleiben, obwohl sie aus Israel stammte und jüdischen Glaubens war. Unter dem Beifall aller Anwesenden in der Kirche wurde abschließend ein zuvor im Anspiel entrolltes Transparent mit der Aufschrift "Ausländer raus" wieder entfernt.

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