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Einem möglichen Baugebiet am Welschbach in Bingenheim stimmt das Parlament zwar zu, mahnt aber weiterhin auch die Realisierung des Areals »Südlich der Borngärten« an.

Ein Baugebiet und »fünf Kröten«

  • VonOliver Potengowski
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Echzell (sax). Der Konflikt zwischen Bürgermeister Wilfried Mogk und der Mehrheit der Gemeindevertreter schwelt weiter. Während Mogk fordert, die Erschließung des Baugebiets »Südlich der Borngärten« in Gettenau wegen des Naturschutzes zurückzustellen, drängen SPD und CDU auf die Weiterentwicklung des Projekts. Immerhin stimmten diese einer Prüfung eines Baugebiets am Welschbach in Bingenheim, das Mogk als Alternative angeregt hat, zu.

In der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung hatte Mogk einen erneuten Anlauf unternommen, die Planungen für das Baugebiet in Gettenau zu stoppen. Es lasse »sich nach heutigem Kenntnisstand aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht realisieren«, heißt es in der Beschlussvorlage. Bei ersten Voruntersuchungen waren geschützte Krötenarten, unter anderem die existenziell bedrohte Wechselkröte, gefunden worden.

CDU: Drei Jahre nichts passiert

Mogk schlug vor, statt weiter an dem Baugebiet in Gettenau festzuhalten, zunächst ein Baugebiet in Bingenheim zu entwickeln, um nicht noch mehr Zeit in der Weiterentwicklung der Gemeinde zu verlieren. »In der Zwischenzeit kann man sich in Ruhe überlegen, was aus diesem Neubaugebiet in Gettenau wird.«

Sebastian Tinz (CDU) kritisierte, dass »drei Jahre und fünf gesichtete Kröten« nach dem Vertragsschluss mit Inikom zur Entwicklung des Baugebiets in Gettenau nichts passiert sei. Trotz der zahlreichen Treffen zwischen Gemeindevertretern, Inikom, Naturschutzbehörde sowie dem Büro, das die Daten für den Artenschutz erfasst, seien nur die Fraktionen an einer konstruktiven Lösung interessiert gewesen. Die Fachleute hätten sich »hinter den Schwierigkeiten, die ein solches Vorhaben mit sich bringen würde, versteckt«, statt die notwendigen Voraussetzungen für eine Erschließung des Baugebiets zu benennen.

Obwohl die Gemeindevertreter sich 2019 eindeutig für die vorrangige Entwicklung dieses Baugebiets ausgesprochen habe, sei seitdem nichts mehr unternommen worden, um das Projekt zu realisieren. Dabei sei das Baugebiet Gettenau durch den ebenso, wie Kindergarten und Bushaltestelle, fußläufig zu erreichenden Bahnhof und das geplante Mischgebiet an der Hauptstraße deutlich attraktiver als alle anderen denkbaren Alternativen.

»Dass fünf Kröten die Entwicklung einer ganzen Kommune verhindern können«, sei nicht ansatzweise verhältnismäßig. »Ein Schelm, wer denkt, dass die Kröten ein gern genommenes Argument sind, um nicht weiter mit den wenig verhandlungsbereiten Landbesitzern eine Lösung zu finden.«

Darüber hinaus sei er verärgert, dass die Gemeindevertreter trotz Nachfragen kein Gutachten zu den Naturschutzbedenken bekommen hätten. Nur »ein Protokoll, eine Notiz« hätten sie bekommen. »Das ist vor jedem Gericht der Welt wie ein Stück Klopapier«, bewertete Fabian Schubert (CDU).

Grüne für mehr Innenentwicklung

Deshalb beschlossen SPD und CDU in der Sitzung einen gemeinsamen Antrag, in dem sie forderten, dass das artenschutzrechtliche Fachgutachten mit dem entsprechenden Maßnahmenplan beim Entwickler Inikom eingefordert wird. Außerdem solle eine Durchführungsstudie mit dem verbindlichen Ziel, das Baugebiet Gettenau zu erschließen, in Auftrag gegeben werden.

Dazu solle der Gemeindevorstand ein Konzept zur Entwicklung alternativer Baugebiete in der Gemeinde vorlegen. Diese sollten nach Durchführbarkeit und Potenzial für die Entwicklung der Gemeinde geordnet werden. Dabei sollten auch Hindernisse wie problematische Zuwegung oder Stellungnahmen zu den Gebieten im Rahmen der Erstellung des Flächennutzungsplans berücksichtigt werden. Das Baugebiet in Bingenheim sei dabei vorrangig zu bewerten.

Lars Friedrich (Grüne) regte an, auch das Baugebiet Gettenau in diese Bewertung einzubeziehen. »Wer insbesondere die Stellungnahme des Wetter- aukreises gelesen hat, kommt nicht umhin, festzustellen, dass es nur sehr geringe Chancen gibt, dieses Baugebiet umzusetzen«, mahnte er. »Unser Motto ist neu denken statt neu bauen.« Er warb dafür, Neubaugebiete nur dann zu erschließen, wenn zuvor verstärkt versucht worden sei, durch Ortsinnenentwicklung die Nutzung von Baulücken oder die Umnutzung von Gebäuden Wohnraum zu schaffen.

Sebastian Möller forderte, dass Echzell zusätzlich zur Ortsinnenentwicklung auch Neubaugebiete erschließen müsse. In umliegenden Kommunen würden Bauplätze angeboten. »Wenn wir hier nichts machen, dann bleibt Echzell auf der Strecke.«

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