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Wird sich der Online-Versandhändler Amazon auf der Gewerbefläche bei Grund-Schwalheim ansiedeln? Aus Datenschutzgründen dürfe er sich nicht zu diesem Gerücht äußern, sagt der Echzeller Bürgermeister. Was er aber sagen kann: Es gibt einen Bauantrag. Zudem exisitiert für die Fläche bereits ein Bebauungsplan (kl. Foto), die blau umrandete Fläche (in der grauen) darf bebaut werden.

Amazon-Gerücht

Baut Amazon in Echzell? Nun äußert sich der Bürgermeister

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Ob es stimmt, dass sich Amazon in Echzell ansiedeln will? Wir haben beim Bürgermeister und Amazon nachgefragt.

Baut Amazon in Grund-Schwalheim bei Echzell? Seit einigen Tagen kursiert dieses Gerücht. Es wird viel spekuliert, aber wenig ist bekannt. Nun hat sich der Echzeller Bürgermeister Wilfried Mogk zu dem Thema geäußert. Bei einem Pressegespräch im Rathaus sagte er: Für die Gewerbefläche bei Grund-Schwalheim liegt tatsächlich ein Bauantrag eines Investors vor. Um welchen es sich handelt, könne er aus datenschutzrechtlichen Gründen noch nicht sagen.

Die Fläche ist im Privatbesitz. Es gibt zudem einen Bebauungsplan. Sollte der Bauantrag diesen Vorgaben entsprechen und wird vom Wetteraukreis genehmigt, können die Bauarbeiten losgehen. Mit einem Ergebnis der Prüfung des Antrags rechnet Mogk im Herbst. Erst dann könne er sagen, wer auf das Areal bauen möchte.

Angeheizt worden waren die Gerüchte um die Amazon-Ansiedlung durch eine im Internet aufgetauchte Stellenanzeige des Online-Versandhändlers für den Standort Echzell. Sowohl auf dem Portal "LinkedIn" als auch auf dem Job-Portal auf der Homepage von Amazon war als Standort für eine Manager-Stelle in der Logistik Echzell angegeben.

Nach einer Anfrage der WZ, was es damit auf sich hat, wurde der Standort in der Stellenanzeige geändert. Eine Pressesprecherin von Amazon sagte: Es habe sich um einen Fehler gehandelt. Auf die Frage, ob dennoch ein Bau geplant ist, sagt sie: "Wir haben jetzt leider nichts anzukündigen."

Auch der Eigentümer der Fläche, ein Privatmann aus dem Taunus, sagte gegenüber der WZ, er werde sich nicht äußern, zumal der Bauantrag noch nicht genehmigt sei.

Gerüchte um Amazon: Verteilzentrum wie in Raunheim?

Was die Größe der Fläche angeht: Der bebaubare Bereich ist rund 2,5 Hektar groß (200 Meter lang, 125 Meter breit). Die maximale Höhe für ein Gebäude auf der Fläche ist auf 14 Meter festgelegt. Zum Vergleich: Rewe baut in der Nachbargemeinde Wölfersheim ein Logistikzentrum auf eine Fläche von 30 Hektar (das Lager an sich wird rund 110 000 Quadratmeter groß).

Ist die Grund-Schwalheimer Fläche also zu klein für ein Logistikzentrum? Wenn man das Amazon-Lager in Bad Hersfeld betrachtet, schon. Aber: Der Online-Versandhändler baut nicht nur große Logistikzentren.

Es gibt auch Verteilzentren. In Raunheim bei Frankfurt steht bspw. ein solches. Es ist 13 000 Quadratmeter groß, wurde vergangenes Jahr eröffnet, 200 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Von dort erfolgt die Zustellung im Raum Frankfurt. Päckchen gehen von Bad Hersfeld nach Raunheim und werden von dort an die Haushalte geliefert. So oder so: Bis das Bauvorhaben öffentlich gemacht wird, lässt sich nur über die Pläne spekulieren.

Für Echzell jedenfalls habe eine Ansiedlung auf der Fläche auch Vorteile, sagte der Bürgermeister gestern. Denn: Das Areal liegt seit über 20 Jahren brach, weswegen es - so heiße es bei übergeordneten Behörden - für Echzell keine neuen Gewerbeflächen gebe. Es ist aber auch klar: Die Gemeinde hat keinerlei Einfluss darauf, wer sich in Grund-Schwalheim ansiedelt. Denn einen Bebauungsplan gibt es bereits seit 1998. "Und solange sich ein Investor an diesen Plan hält, können wir nichts machen." Damals, berichtet Mogk, wollte die Firma Flaschen-Kröll dort bauen. Die Firma meldete Insolvenz an, das Vorhaben wurde nicht umgesetzt. In den 2000ern klopfte der nächste Interessent an: Diesmal wollte die Firma Prologis ein Logistikzentrum bauen. Der Bebauungsplan wurde entsprechend angepasst – und, wie Mogk sagt, 2008 von den Gemeindevertretern einstimmig beschlossen. Aus dem Vorhaben ist aber auch nichts geworden. Etwa 2016 sei die Fläche versteigert worden, zwar habe die Gemeinde Interesse daran gehabt, die Fläche zu kaufen, "finanziell waren wir aber nicht in der Lage, mitzuhalten".

Mit dem Bebauungsplan allerdings waren die Voraussetzungen für eine Ansiedlung geschaffen. Denn, wie Mogk erklärt, handelt es sich um keinen vorhabenbezogenen Bebauungsplan. Das bedeutet, jeder, der die darin festgeschriebenen Auflagen erfüllt, kann mit einem genehmigten Bauantrag bauen - weitere Genehmigungsverfahren sind nicht mehr notwendig.

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