Retter in der Not: Falkner Walter Reinhart mit zweien der insgesamt drei bei ihm untergebrachten Turmfalken aus Echzell.	FOTOS: IM
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Retter in der Not: Falkner Walter Reinhart mit zweien der insgesamt drei bei ihm untergebrachten Turmfalken aus Echzell. FOTOS: IM

Tiere in Not

Echzeller Familie passt auf und rettt junge Turmfalken

  • vonInge Schneider
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Aufregung in Echzell: Drei junge Turmfalken sind aus dem Nest am Dach der VR-Bank gepurzelt. Dank Familie Drullmann - und auch ein bisschen dank der WZ - haben alle überlebt.

Gerda Drullmann und ihre Schwiegertochter Elfriede, deren Haus und Garten direkt ans Grundstück der VR-Bank in Echzell angrenzen, hatten das Nest mit den insgesamt fünf jungen Turmfalken schon seit Tagen beobachtet. Sie hatten den Altvögeln beim Füttern zugesehen und festgestellt, dass es mit zunehmendem Wachstum der Kleinen allmählich eng im Nest wurde.

»Die Vögelchen fingen an, mit den Flügeln zu schlagen - möglicherweise ist bei diesen Flugübungen der erste Mini-Turmfalke aus dem Nest gefallen«, erzählt Drullmann. Zur Rettung des Tiers holte sie auch ihre Tochter Dagmar und eine Nachbarsfamilie ins Boot.

Besorgt beobachtete man den flaumigen Nestling, der sich aufrappelte und in Richtung Straße zu tippeln begann. Da schien es doch sicherer, den Kleinen in einem Pappkarton ins Haus zu holen und dort übernachten zu lassen. Am nächsten Morgen gab Dagmar Drullmann den jungen Turmfalken im Tierheim Wetterau in Rödgen ab. Von dort aus nahm er seinen Weg zur Falknerei Ronneburg und ihrem Leiter Walter Reinhart.

Aufgetaute Mäuse zum Mittagessen

Zehn Tage später fuhr die Familie den nächsten Nestling dorthin - diesmal schon mit braunen Federchen, aber immer noch flugunfähig. Beim dritten schließlich erinnerte sich Gerda Drullmann daran, Anfang Juni in der WZ von Tanja Schnell aus Ranstadt, ihrem artenreichen Naturgarten und ihren Kontakten zu Wildvogelpäpplern in ganz Deutschland gelesen zu haben. Man nahm Kontakt auf und fütterte den Jungvogel nach Schnells Anleitung mit rasch besorgtem rohen Hackfleisch, das der kleine Turmfalke mit gutem Appetit zu sich nahm. Im Anschluss holte Familie Schnell das Jungtier ab und ließ es bei sich zu Hause in Ranstadt übernachten, wo es zum Mittag- und Abendessen Hühnerherzen und aufgetaute Mäuse zum Futtern gab. Am nächsten Tag brachte man auch diesen Nestling auf die Ronneburg zu Reinhart.

Die beiden letzten im Nest verbliebenen Vögelchen schafften unter den wachsamen Augen von Familie Drullmann ohne Zwischenfälle den Abflug ins Erwachsenenleben. »Man lebt richtig mit den Vogeleltern und ihren Kleinen mit«, sagt Gerda Drullmann. »Es ist fast so, als ob man den eigenen Kindern beim Flüggewerden mit all seinen Gefahren zuschaut.«

Schnell und Reinhart unterstreichen, wie wichtig es ist, in ähnlichen Fällen genau darauf zu achten, wie die Altvögel reagieren, und sich zunächst fernzuhalten, um ihnen eine Chance zu geben, sich selbst um ihr Junges zu kümmern. Erfolgt aber über längere Zeit kein Eingreifen oder drohen Gefahren wie Autos oder Katzen, heißt es rasch handeln, den Nestling behutsam einfangen und so schnell wie möglich in fachkundige Hände übergeben.

»Wir haben 2020 ein ausgesprochenes Turmfalken-Jahr«, sagt der Falkner. »Möglicherweise konnten viele Gelege ausgebrütet werden, weil wir bisher einigermaßen angenehme Temperaturen hatten und große Unwetter, zumindest in unserer Region, ausgeblieben sind.«

Die Falknerei Ronneburg betreibt eine staatlich anerkannte Pflege- und Auffangstation für Greifvögel und Eulen, in der flugunfähige Nestlinge sowie verletzte und verunglückte, halb verhungerte oder von Parasiten befallene Vögel behandelt und gepflegt werden. »Jährlich kommen circa 80 Vögel zu uns, die medizinisch versorgt, gefüttert und je nach Zustand nach einigen Tagen oder auch Wochen wieder in die Natur entlassen werden«, berichtet Reinhart, der eng mit spezialisierten Tierärzten und Wildvogelpäpplerinnen wie Tanja Schnell zusammenarbeitet.

Was er nicht sagt, ergänzt Schnell: »Die Aufzucht der drei kleinen Echzeller Turmfalken wird bis zur Auswilderung mehrere Hundert Euro kosten. Als Laie macht man sich von den Kosten für adäquates Futter oft keine Vorstellung. Tatsächlich sind Spenden an die Falknerei sehr willkommen. Da die Einrichtung kein Verein ist, können aber keine Spendenquittungen ausgestellt werden.«

Spendenkonto: Pflege- und Auffangstation Eichenfürst und Ronneburg, Walter Reinhart, Sparkasse Oberhessen, DE98 5185 0079 1246 3431 59

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