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Echzell wehrt sich: Musiker, Politiker und 500 Gäste gegen Rechts

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Echzell-Gettenau (arc). Die vier »Fräulein Wunder« hatten gerade mit ihrer Show begonnen, als einer der Vereinsvertreter vor dem Zelt Bilanz zog: »Wir haben uns auch mit einem Stand beteiligt, was daraus geworden ist, ist allerhand.« Eine Meinung, die man am Samstag oft hörte auf dem Gettenauer Sportplatz beim »1. Echzell Festival« gegen Rechts.

Viele Vereine hatten mit Unterstützung durch Landessportbund, Sportkreis und Kommune einen kleinen Beitrag geleistet und waren später beeindruckt, was daraus geworden war.

Insgesamt blieb es ruhig, auch die vorsorglich stark vertretene Polizei meldete einen ruhigen Verlauf - obwohl es an der Absperrung vereinzelt zu Diskussionen mit Männern und Frauen aus der rechten Szene gab. Auch eine kleine Kundgebung der »Jungen Nationaldemokraten« verlief nach Auskunft der Friedberger Polizei ohne besondere Vorkommnisse.

Kurz zur Vorgeschichte: Nachdem es in Gettenau zu Auseinandersetzungen mit Zugezogenen gekommen war, die man der rechten Szene zuordnet, hatte sich die Bürgerinitiative »Grätsche gegen Rechtsaußen« gegründet, die nun zum ersten Höhepunkt ihrer bisherigen Aktivitäten, dem Festival, eingeladen hatte.

Viel Aufklärungsarbeit wurde geleistet, die von der Gemeindevertretung verabschiedete Resolution lag zum Unterzeichnen aus. Neben vielen Kreis- und Lokalpolitikern machten auch die Landesvorsitzenden von SPD und Grünen, Thorsten Schäfer-Gümbel und Tarek Al-Wazir, so ihre Solidarität deutlich. Zuvor hatten sich die Politiker an die Gäste gewandt.

Landrat Joachim Arnold begann seine Rede mit der Feststellung: »Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!« Er bedauerte, dass es solche Veranstaltungen geben müsse, weil einige Ewiggestrige sie nötig machten. Man müsse sich den Rechtsradikalen jedoch an jedem Ort gemeinsam entgegenstellen, forderte er die Bürger auf.

Schäfer-Gümbel mahnte, solche Veranstaltungen dürften kein Einzelfall bleiben, »so lange der braune Spuk in Echzell tobt«. Er ermunterte die BI, das Echzell Festival zu wiederholen und sagte noch mehr Unterstützung für die Arbeit der »Grätsche« zu. Im Osten schickten sich die Rechten an, Kindergärten zu gründen, um ihre Ideologie schon an die Jüngsten weiterzugeben zu können - die Rechten nisteten sich überall dort ein, wo sich der Staat zurückziehe. Wegsehen sei der falsche Weg, betonte er, das habe die Vergangenheit gezeigt.

Vom Landesparteitag der Linken war Hermann Schaus gekommen und überreichte eine Resolution gegen Rechts, die von allen Delegierten des Parteitags in Gelnhausen am selben Tage unterzeichnet worden war.

Auch Bürgermeister Dieter Müller erklärte, eine wehrhafte Demokratie könne nur funktionieren, wenn man sich auch wehre. Eine Resolution sei nur der Anfang, danach müssten auch Taten folgen. In diesem Zusammenhang dankte er der Bürgerinitiative.

Abschließend forderte auch Bezhad Borhani von der Sportjugend Hessen dazu auf, Gesicht gegen Rechts zu zeigen und rief auf zur regen Teilnahme am Sponsorenlauf. Am Ende des Laufes waren 3260 Euro für die Jugendarbeit der »Grätsche« zusammenkommen.

Für die BI dankte Olivia Bickerle allen Teilnehmern und Rednern für die große Unterstützung. Trotz des trüben Wetters hatten 500 Menschen den Weg nach Gettenau auf das Festival gefunden, damit war Bickerle sehr zufrieden.

Am Abend sorgten die Bands »Fräulein Wunder« und »Hartmann« noch einmal für rockige Stimmung und einen erneuten Zuschauerzustrom.

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