Das Nest ist bei Mäharbeiten entdeckt worden. Foto: Rica Wittich
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Das Nest ist bei Mäharbeiten entdeckt worden. Foto: Rica Wittich

Tierschutz

Drei seltene Greifvögel bei Gettenau gerettet

  • vonInge Schneider
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Fast wären drei seltene Greifvögel beim Mähen getötet worden. Der Umsicht des Landwirts und der Hilfe von Tierschützern ist es zu verdanken, dass die Rohrweihen noch leben. Nun haben sich die drei Vögel in ein Leben in Freiheit aufgemacht.

Wildvogelexpertin Tanja Schnell hatte im Sommer einen Anruf der Landwirtin Rica Wittich erhalten. Bei Mäharbeiten in der Nähe von Gettenau war vor einem Mähdrescher der Familie ein Greifvogel aus dem Korn aufgeflogen. Der rücksichtsvolle Landwirt stieg ab und fand am Boden ein Nest mit drei jungen Vögeln. Er wandte sich an die NABU-Gruppe Bingenheim und erhielt dort die Telefonnummer von Tanja Schnell. Der Ranstädterin war sofort klar, dass es sich bei den Jungtieren um seltene Greifvögel handeln musste, womöglich Rohr- oder Kornweihen.

Schnelles Handeln nötig

Der Landwirt hatte eine Kornfläche von etwa vier Quadratmetern rund um das Nest stehenlassen, war aber selbst mit seinem Mähdrescher nicht mehr vor Ort. "Aufgrund dieser Informationen geriet ich in Hektik", erinnert sich Schnell. Denn die kleine Kornfläche stand auf freiem Feld - die jungen Vögel waren potenziell leichte Beute für viele Tiere, bevor der Muttervogel hätte zurückkehren können. "Ich erklärte Rica Wittich deshalb in aller Eile, wie sie die Vögel sichern und nach Echzell in die auch auf Wildvögel spezialisierte Tierarztpraxis Linda Geske bringen sollte." Gesagt, getan: In weniger als 15 Minuten waren die Jungtiere sicher auf dem Weg in die Praxis.

"Man muss dazu sagen, dass man die jungen Vögel auch vor Ort hätte lassen können", erläutert Schnell. Bedingung hierfür wäre allerdings eine wesentlich größere Fläche an stehengelassenem Korn gewesen, die man dann mit einem Elektrozaun hätte sichern müssen. "Nur dann hätte das Unterfangen eine kleine Aussicht auf Erfolg gehabt. Da diese Voraussetzung nicht mehr bestand, war die Sicherstellung die einzig richtige Entscheidung."

Noch am selben Tag brachte Schnell die drei jungen Vögel, die inzwischen als Rohrweihen identifiziert worden waren, in die Falknerei Ronneburg und zu deren Leiter Walter Reinhart. "Das kleinste Küken war gerade einmal zwei Tage alt. Alle drei waren zum Glück gut genährt und in guten Zustand", sagt Schnell. "Die Aufzucht der Jungtiere verlief reibungslos, war aber, wie in diesem Aufgabengebiet durchaus üblich, sehr kostspielig." Rohrweihen ernähren ihre Jungen mit kleinen Säugetieren bis hin zu großen Insekten - diese Art der Ernährung musste ihnen auch in der Falknerei nahegebracht werden. Später lernten sie dann, ihr Beute selbst zu erjagen und sich zu versorgen.

Unruhe macht sich breit

Mit Beginn des Vogelzuges wurden die jungen Rohrweihen naturgemäß unruhig. In Abstimmung mit Udo Seum vom NABU Bingenheim traf man sich und beringte die Rohrweihen genau dort, wo die Landwirte sie gefunden hatten. Im direkten Anschluss wurden die Tiere freigelassen, stiegen hoch in die Luft und durften sich endlich auf die Reise in den Süden begeben.

"Es war ein tolles Erlebnis, diesen wunderbaren Vögeln bei ihrem Flug in die Freiheit zusehen zu dürfen", sagt Schnell. "Alle Beteiligten bedanken sich bei den umsichtigen Landwirten Frank, Niklas und Rica Wittich, bei der NABU-Gruppe Bingenheim, welche die Hälfte der Futterkosten übernahm, bei Tierärztin Linda Geske, die ein Herz für Wildvögel hat, und bei der Pflege- und Auffangstation Eichenfürst und Ronneburg."

Wer die Arbeit dieser privaten Auffangstation unterstützen möchte, kann dies unter dieser Bankverbindung tun: IBAN: DE 98 5185 0079 1246 3431 59, Sparkasse Oberhessen. Schnell: "Da sich die Falknerei in Privatbesitz befindet, können keine Spendenquittungen ausgestellt werden."

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