dab_geo_lieblingsplatz_1_4c
+
Hier hält sich Georg Renner gerne auf: Die Jupitersäule vor dem Museum Echzell erinnert an die römische Vergangenheit des Ortes.

Lieblingsplatz

Den Atem der Geschichte spüren

  • VonGeorgia Lori
    schließen

Georg Renner muss nicht lange überlegen, wo sich sein Lieblingsplatz in der Wetterau befindet. Er besucht ihn oft, um dort zu verweilen, den Atem der Geschichte zu spüren und Erinnerungen wach werden zu lassen.

Der Platz vor dem Echzeller Heimatmuseum gab ihm oft Kraft für seine anspruchsvolle berufliche Tätigkeit in Frankfurt.

Georg Renner arbeitete 43 Jahre in der hessischen Finanzverwaltung in Frankfurt. Vor Antritt seiner Pension als Regierungsdirektor 2003 war er die letzten 15 Jahre seiner Berufstätigkeit für die Besteuerung der Kreditinstitute in Frankfurt zuständig. Nebenbei übte er eine Dozententätigkeit an verschiedenen Institutionen aus. Nach der Pensionierung arbeitete Renner als selbstständiger Steuerberater für eine englische, international tätige Wirtschaftskanzlei bis zu seinem 79. Lebensjahr. Ruhe und Kraft tankte er schon damals oft an seinem Lieblingsplatz vor dem Echzeller Heimatmuseum.

Mitbegründer des Geschichtsvereins

Der heute 83-Jährige wurde in Echzell geboren und ist seiner Heimatgemeinde eng verbunden. So überlegte er auch nicht lange und wurde 1982 Mitbegründer des Heimat- und Geschichtsvereins Echzell. Bis 2018 übte Renner die ehrenamtliche Tätigkeit des Vorsitzenden aus.

Er erinnert sich, dass früher um den Platz vor dem Heimatmuseum eine Bruchsteinmauer stand, die in Teilen, wie an dem wieder aufgebauten Eingangsbogen, noch zu erkennen ist. Wie die Jahreszahl auf dem Bogen dokumentiert, war die Mauer 1585 errichtet worden. »Es war früher ein kleiner Adelshof der Herren von Rabenau«, sagt Renner.

Es sei auch deshalb sein Lieblingsplatz, weil es gelungen sei, den damaligen Bürgermeister Karl-Heinz Müller zu überreden, in der ehemaligen Zehntscheune ein Museum einzurichten. 1986 bekam der Verein das Gebäude zur Nutzung, 1987 wurde das Museum eröffnet.

»Den zweiten besonderen Bezug habe ich zur Jupitersäule«, sagt Renner und verweist damit auch auf das 5,2 Hektar große Echzeller Römerkastell. Zwei Einheiten - Infanterie und eine Reitereinheit - à 100 Mann waren in Echzell stationiert. Bestätigt wurde dies durch den Fund von Resten der Jupitersäule. Die Säule wurde im ersten Drittel des dritten Jahrhunderts nach Christus gesetzt. Sie stand im Hofareal einer Villa rustica, einem römischen Gutshof. Die vor dem Museum aufgestellte Säule ist eine Rekonstruktion. 2001 wurde der Grundstein gelegt, 2002 die über fünf Meter hohe Säule eingeweiht. Ingenieur Klaus-Jürgen Rau aus Münster hat die Nachbildung entworfen und gestaltet. »Die Jupitersäule bildet den absoluten Höhepunkt für diesen römischen Platz mit dem Museumshof«, schwärmt Renner.

Über den Platz schauend, zeigt er auf die nachträglich gepflanzten Platanen, die das Areal zusätzlich aufwerten, sowie ein Rankgitter für Rosen.

Der von Echzellern und auch historisch Interessierten aus umliegenden Kommunen gut frequentierte Platz lädt zum Verweilen und Beschäftigen mit Echzells Geschichte ein. Die nur wenige Schritte entfernte, aus der Karolingerzeit stammende Kirche ist auf dem Fundament des römischen Kastellbades errichtet. Anfang der 1960er Jahre, als die Kirche eine Heizung erhielt, stieß man auf festes Mauerwerk, als Teil des Kastellbades.

Seinen Lieblingsplatz besucht Renner als Echzeller Bürger mindestens einmal pro Woche. Wenn er Erledigungen im Zentrum der Kerngemeinde zu Fuß absolviert, führt ihn sein Weg dorthin.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare