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Christine Penow glasiert süße Teilchen. Die Arbeit in der Backstube ist für die Chefin der Bäckerei Löber in Echzell die Ausnahme. Sie organisiert den Handwerksbetrieb mit inzwischen 52 Angestellten und sechs Verkaufsstellen neben dem Hauptgeschäft, das seit mehr als 90 Jahren besteht.

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Chefin zwischen Brot und Brötchen: So führt Christine Penow die Bäckerei Löber in Echzell

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Vater: Bäcker, Großvater: Bäcker, was lag für Christine Penow näher, denn als erste Frau in der Familie die Tradition fortzusetzen? Nun ist sie Chefin der Bäckerei Löber in Echzell mit sechs Filialen.

Es wird gekratzt und geschrubbt. Bleche zum Spülen gestellt. Einige süße Teilchen sind noch zu glasieren. Um kurz nach halb neun ist das Tagwerk in der Backstube Löber in Echzell fast geschafft. Ist es anders, hier eine Frau als Chefin zu haben? Ein mehrstimmiges "Ja" ertönt. Warum das so ist, lasse sich schwer in Worte fassen, erklärt einer der Männer. "Ich bin diplomatischer, denke ich", sagt Christine Penow. "Männer schimpfen erst und fragen dann, wie es zu dem Problem gekommen ist. Ich hinterfrage, was passiert ist."

Die 45-Jährige ist in ihren Job hineingewachsen. Nach der Ausbildung vor fast drei Jahrzehnten kehrte sie in den Familienbetrieb zurück. Bildete sich zur Bäckermeisterin fort. Seit sechs Jahren ist sie die Chefin. "Meine Aufgaben haben sich gewandelt, es ist viel mehr im Hintergrund zu tun", erklärt sie. "Das Geld wird im Büro verdient, das muss in Ordnung sein." Das weiß auch ihr Team in der Backstube. "Papa war immer der erste, der da war, und der letzte, der ging." Das habe sie geändert. Wenn die ersten Teige nachts um zwei gerührt, die ersten Brötchen in den Ofen geschoben werden, schläft Penow noch. "Zwischen vier und halb fünf fange ich an", erzählt sie.

Kochen, putzen, waschen? Zuhause kein Thema

Ihre Aufgabe am Morgen: Kommissionieren, das Wechselgeld zuteilen, ansprechbar sein, blitzschnell reagieren, wenn kurzfristig in einem der sieben Läden jemand im Verkauf ausfällt. "Wenn niemand gefunden wird, bin ich als Back-up im Einsatz." Meist bleibe sie bis gegen 14 Uhr in der Bäckerei. An zwei Nachmittagen ist sie ab halb fünf wieder da. "Diese Zeit teile ich mir mit meiner Mutter und Dominik Roos, unserem Mann im Büro." Mittags schläft sie eine Weile. Was sie an ihrem Beruf besonders schätzt: "Die Flexibilität." Zum Frisör, Arzt oder auch zur Nagelpflege könne sie dann gehen, wann es ihr passe. "Aber manchmal nutze ich meinen Job auch als Ausrede", gibt sie zu. "Beim Sport oder so."

Sie komme auf mehr als 40 Stunden im Betrieb, zumal inzwischen an sieben Tagen die Woche gebacken und verkauft wird. "Mein Beruf ist mein Hobby, das macht mir nicht viel aus." Ganz wichtig sei, dass ihr Lebensgefährte ihr den Rücken frei halte. Kochen, putzen, waschen, damit habe sie zu Hause nicht viel zu tun. Ein weiteres Plus: die Familie. "Sie trägt das." Als ihre Kinder klein waren, kümmerten sich die Großeltern mit um den Nachwuchs. In dieser Zeit arbeitete Penow dann, wenn die beiden im Kindergarten waren.

Ihre Begeisterung für die Arbeit mit Brot, Brötchen, Gebäck, Snacks, Kuchen und Torten und allem Drumherum teilen ihre Kinder nicht. "Sie haben andere Berufe. Christoph ist Fliesenleger, Asja Optikerin." Inzwischen ist die Tochter ihres Lebensgefährten als Aushilfe mit im Team.

Kreativer Beruf

Christine Penow wirbt für die Vorteile ihres Berufs: Bäcker ist ein kreativer Beruf. "Ich probiere gern etwas Neues aus." Dazu komme das Dekorieren. "Das ist mir wichtig, die Schaufenster müssen ordentlich aussehen." Das sei etwas, was ihre Bäckerei von anderen unterscheide. Klar gebe es auch Schattenseiten. Erst vor ein paar Wochen habe sie einer Verkäuferin fristlos kündigen müssen, weil sie sich an der Kasse bedient habe. "Das geht gar nicht, das ist fremdes Eigentum."

Auf noch etwas legt die agile Bäckermeisterin wert: das Engagement in Innung und Vereinen. Sie ist Vize-Vorsitzende des Echzeller Gewerbevereins und Vize-Obermeisterin der Bäckerinnung im Wetteraukreis. "Es ist wichtig, dass man als Handwerker präsent ist." Die Innung wandle sich, von einst 40 Innungsbäckern im Wetteraukreis sind noch knapp über 20 geblieben.

Ein Betrieb dürfe nicht stehen bleiben, müsse sich weiterentwickeln. Das gelte auch für ihre Bäckerei. Nach und nach vergrößere sich ihr Betrieb. Vor fast zwei Jahren hat sie das Café Bienenkorb in Bad Nauheim übernommen. Für den Jahreswechsel steht die nächste Änderung an: Dann werde die Filiale in Ilbenstadt geschlossen. Dafür übernehme sie die Bäckerei im Rewe in Assenheim.

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