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Ausprobieren und mitmachen: Praxisbezug gibt’s am Internat Lucius nicht nur bei Chemielehrerin Dr. Daphne Strauß. FOTO: BF

Botschaft lautet: Schule kann schön sein

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Echzell(bf). Eine große Zahl an Eltern hat sich mit ihren Kindern am Samstag über die Privatschule Internat Lucius informiert. Mit dem Slogan "Schule kann schön sein" hatte Lucius für den Tag der offenen Tür geworben - erstmals auch im Radio. "Eine Bildungseinrichtung in einen Werbespot zu packen, ist unheimlich schwer, gerade bei den Vorurteilen, die es gegen Privatschulen und Internate gibt", erklärte Michael Weber, der die Schule bei der Werbung unterstützt. Mit dem Slogan ist es ihm offenbar gelungen, viele potenzielle Schüler und ihre Eltern anzusprechen.

Rund 200 Besucher sahen sich am Samstag das weitläufige Internatsgelände um das alte Forsthaus am Waldrand von Echzell an. Schon beim Rundgang mit Internatsschülern, die über ihre Erfahrungen berichteten, fiel die entspannte Atmosphäre und das gesunde Selbstbewusstsein der Kinder und Jugendlichen auf. Ohne dass dies betont wurde, wurden schnell die vielfältigen Angebote des Internats und die besseren Lernbedingungen, allein durch die kleineren Klassen, deutlich.

Die Fachlehrer hatten Präsentationen vorbereitet, bei denen ihre hohe Motivation zutage trat. Im Biologieraum etwa werden Stabheuschrecken, eine Schlange und Hamster von den Schülern versorgt. Es ist nicht der einzige Praxisbezug. "Wir sind hier an Wald und Feld, das kann man alles nutzen", freute sich der Biologie- und Erdkundelehrer Torsten Sawalies über die Möglichkeiten, die die Lage der Schule bietet.

Die kleinen Klassen seien nicht nur für die Schüler gut; auch als Lehrer mache der Unterricht mehr Spaß. Kunstlehrer Axel Willisch räumte im Gespräch mit einer Besucherfamilie ein, dass ein Internat nicht für jeden Schüler passe. Vor allem der sehr strukturierte Tagesablauf sei für diese Schulform kennzeichnend.

Dazu gehört auch die Betreuung durch Erzieher als Bezugspersonen außerhalb der Unterrichtszeiten. Diese begleiten die Schüler auch bei den Hausaufgaben, die zu festgelegten Zeiten gemacht werden. Ricardo van der Meer, seit zweieinhalb Jahren Erzieher bei Lucius, erläuterte, dass seit drei Halbjahren in diesem Bereich mehr Selbstständigkeit praktiziert werde. Abhängig von den Noten würden die Schüler unterschiedlich intensiv bei den Hausaufgaben betreut. Wer gute Noten habe, dürfe die Hausaufgaben eigenständig auf dem Zimmer erledigen.

"Es kommen immer mehr Eltern, die bewusst nach einem Internat und der stärkeren Förderung suchen", hat Vera Kissner beobachtet, die das Internat mit ihren Cousinen Laura Lucius und Luise Schüssler leitet. Die Eltern finden dort auch besondere Unterrichtsinhalte wie Nachhaltigkeit und Verantwortung. Letzteres ist sogar ein eigenes Unterrichtsfach, in denen den Schülern unter anderem in Praktika soziales Engagement beigebracht wird.

Kennzeichnend für Lucius ist dieser Praxisbezug. Seit Oktober unterrichtet hier der 30-jährige Benjamin Haas. Obwohl Politikwissenschaft als eher theoretisches Fach gilt, arbeitet auch er gern mit praktischen Übungen. So hat er die Schüler in Rollenspielen Marketingstrategien für fiktive Getränke entwickeln lassen, um Marktwirtschaft zu vermitteln. Daraus sei zudem eine Diskussion über das eigene Konsumverhalten entstanden.

Haas sprach auch die Grenzen an, mit denen nicht nur staatliche Schulen konfrontiert sind. "In der 8. Klasse ist der Lehrplan so eng gestrickt, dass selbst kleine Projekte, die den Plan nicht komplett abdecken, Kopfzerbrechen bereiten." Dennoch sei er froh, dass seine Bewerbung Erfolg hatte. "Ich habe jetzt, nach vier anderen Schulen, das erste Mal das Gefühl, dass Unterrichten Spaß macht."

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