März 2009: Der 95-jährige Karl Seifried (l.) mit Bürgermeister Gerhard Schultheiß bei der Einweihung des nach ihm benannten Platzes in seinem Geburtsort Heldenbergen. FOTO: JWN
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März 2009: Der 95-jährige Karl Seifried (l.) mit Bürgermeister Gerhard Schultheiß bei der Einweihung des nach ihm benannten Platzes in seinem Geburtsort Heldenbergen. FOTO: JWN

Dieser Platz erinnert an gute Taten

  • vonJürgen W. Niehoff
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Nidderau(jwn). Welchen Namen soll eine Straße oder ein Platz tragen? Darüber gehen die Meinungen in den Ortsbeiräten oftmals auseinander. Ganz anders spielte sich dieser Vorgang 2009 im Ortsbeirat Heldenbergen ab, als dort über den Namen eines Platzes abgestimmt werden musste, der lange Zeit ein namenloses Dasein fristete. Der Name des damals 95-jährigen Karl Seifried und dessen Ehefrau Else wurde gewählt - als Dank für deren gute Taten für die Stadt Nidderau.

Das Ehepaar Seifried gründete im Jahr 2000 eine Stiftung, die von den Seifrieds zunächst mit 300 000 Euro und vier Jahr später mit weiteren 50 000 Euro ausgestattet wurde. Aufgabe der Stiftung ist es, kranken, misshandelten oder missbrauchten Kindern sowie alten und schwer kranken Leuten, die infolge ihres körperlichen, geistigen oder seelischen Zustandes dringender Unterstützung bedürfen und ihren Wohnsitz in Nidderau haben, Hilfe zukommen zu lassen.

Das kinderlose Ehepaar hat mit finanzieller Unterstützung dazu beigetragen, dass der Deutsche Kinderschutzbund ein Kinderhaus bauen konnte. Das Clementine Kinderhospital, das Neugeborene sowie kranke Kinder und Jugendlichen ärztlich betreut, unterstützten die Seifrieds, damit es umgestaltet werden konnte.

Installateur wird Reiseunternehmer

Karl Seifried wurde am 15. Oktober 1914 in Heldenbergen geboren. Er hatte eine harte Kindheit, da sein Vater kurz nach seiner Geburt starb. Nach einer Lehre zum Installateur ging er freiwillig zum Militär. Die Kriegszeit prägte ihn, denn er sah viele Kameraden sterben und wusste, dass deren Familien anschließend Not leiden mussten. Schon damals nahm er sich vor, wenn er jemals die Möglichkeit haben sollte, Gutes zu tun, so wollte er dies ausgiebig tun.

Nach dem Krieg gründete er 1948 ein Reisebüro, das er über viele Jahre führte und mit dem er ein kleines Vermögen verdiente. "Heldenbergen war mir zu klein geworden", begründete der Tourismus-Pionier Seifried seinen Umzug nach Frankfurt im Jahr 1948. Den Grundstein für sein Reise-Imperium legte er dort, als er mit einem zusammengeflickten Omnibus zunächst Bauarbeiter aus Oberhessen zur Rhein-Main-Air-Base fuhr. 1952 nannte er seine Firma "Ameropa" nach dem Motto "Amerikaner besucht Europa". Sehr schnell erkannte er nach dem Krieg die Chancen der aufblühenden Reisebranche.

Nach dem Abschied aus seinem Berufsleben Ende der 1990er Jahre hat er sein Versprechen aus der Kriegszeit wahr machen können. Seifried, der für sein soziales Engagement auch zum Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde, starb am 5. Januar 2010.

Um dem Platz mehr Aufmerksamkeit zukommen und ihn darüber hinaus auch zu einer Art sozialem Treffpunkt werden zu lassen, hat der Ortsbeirat Heldenbergen vor Kurzem beschlossen, ihn teilweise neu zu bepflanzen und Bänke aufstellen zu lassen. Dabei hatte sich Seifried bei der kleinen Einweihungsfeier im Jahr 2009 gegen so viel Aufhebens gewehrt. Er sagte: "Wissen Sie, ich habe in meinem Leben so viel Glück gehabt, da muss man einfach dankbar sein und auch etwas zurückgeben."

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