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Der Bernhardiner Barry III kann im Hospizmuseum auf dem Großen Sankt-Bernhard-Pass als Präparat betrachtet werden. Seit 1800 gibt es im Hospiz immer einen Hund Namens Barry.

Die Hunde vom Sankt-Bernhard-Pass

Hunde sind nicht nur Haustiere. Die verschiedenen Rassen übernehmen auch wichtige Aufgaben im Alltag. So gibt es Blindenhunde, Therapiehunde, Polizeihunde und auch Lawinenhunde wie die Bernhardiner. Doch durch spezielle Züchtungen sind manche Bernhardiner zu groß und zu schwer, um als Lawinenhunde eingesetzt zu werden.

Seit jeher haben Menschen die Alpen überquert. Sie sind auch im Winter über die Pässe gezogen und haben sich dabei häufig in größte Gefahr begeben. Einer der bekanntesten Übergänge ist der Große Sankt-Bernhard-Pass zwischen Italien und der Schweiz. Dieser wurde schon zu Zeiten des Römischen Reiches benutzt. Im Jahre 1050 nach Christus wurde auf der Passhöhe ein Hospiz gegründet, um den Menschen Schutz und Hilfe auf ihrem schwierigen Weg zu bieten. Zur Legende wurde dieser Ort erst später durch seine weltberühmten Hunde - die Bernhardiner.

Im 17. Jahrhundert wurden die Hunde erstmals erwähnt, als Wächter und als Zug- und Tragtier, um Käse und Milch zu transportieren. Die Verpflegung vieler Menschen in so großer Höhe war schwierig. Fleisch wurde auf einem riesigen Bratspieß gebraten, der von einem Hund in einem Laufrad gedreht wurde. Neben Bewirtung und Unterkunft waren aber auch immer Hospizhelfer, sogenannte Marronniers, im Einsatz, um verschüttete oder verirrte Wanderer zu retten, insbesondere nach Lawinenabgängen.

40 Menschen von Barry gerettet

Um 1750 begann man die Hunde als Helfer einzusetzen, auch um Wege durch den tiefen Schnee zu bahnen. Dabei spürten die Vierbeiner mit ihrer Nase verlässlich vermisste Menschen auf, und die Zahl der Todesfälle am Pass ging drastisch zurück. Im Mai des Jahres 1800 zog Napoleon mit einem Heer von 46 000 Soldaten über den immer noch verschneiten Pass. Dank der Hunde kam dabei kein Mensch zu Schaden. Nun wurden die Hospizhunde mehr und mehr berühmt, denn die Heimkehrenden verbreiteten die Wundertaten ihrer Lebensretter nur zu gerne.

Der berühmteste Bernhardiner wurde der im Jahr 1800 geborene Barry. Ein französischer General wollte den Welpen unbedingt mitnehmen. Sein Hundeführer Julius Genoud konnte das verhindern, und so rettete Barry 40 Menschen das Leben. Julius wurde später von einer so schweren Lawine verschüttet, dass Barry ihn nur noch tot auffinden konnte. Julius Tod versetzte seinen treuen Hundefreund wochenlang in tiefste Trauer.

Um diesen vierbeinigen Helden ranken sich viele Legenden. So soll er bei seiner letzten Rettung von einem Söldner, der ihn für einen Wolf hielt, fast erstochen worden sein. Das ist nicht belegt, wohl aber, dass er im Jahre 1814 in Bern verstorben ist. Zu Ehren von Barry trägt seitdem immer einer der Hospizhunde diesen Namen.

Das weltberühmte Schnapsfässchen, das auf vielen Darstellungen zu sehen ist, haben die Hunde damals übrigens nicht getragen. Es wäre auch bei der ohnehin sehr schweren Arbeit im Tiefschnee nur hinderlich gewesen.

Bernhardiner als Mode-Hund

Auch heute kann man auf dem Großen Sankt Bernhard in den Sommermonaten noch Hospizhunde live erleben und das Hospizmuseum besuchen. Seit 2005 wird die älteste Bernhardinerzucht der Welt von einer Stiftung betreut, die die Zuchtstätte selbst und ein weiteres Museum im Tal im Städtchen Martigny betreibt. Neben der Aufzucht der Welpen werden die erwachsenen Hunde ganz vielseitig eingesetzt, als Therapiehunde in Pflegeheimen und an verschiedenen Orten als Streichel- und Sozialhunde. Zudem besteht die Möglichkeit - nach Überwinden der Corona-Pandemie -, mit den Hunden auch Wanderungen zu buchen. Das ist im Sommer in hochalpinem Gelände ein besonderes Erlebnis.

Schon im 19. Jahrhundert kam der Bernhardiner weltweit in Mode. Engländer und Amerikaner zahlten hohe Preise, vornehmlich wenn die Hunde besonders riesig und mit sehr schweren Köpfen ausgestattet waren.

Dies führte nicht nur zu schweren Gesundheitsproblemen, sondern auch dazu, dass Bernhardiner für ihre ursprüngliche Aufgabe als Lawinenhunde mittlerweile zu groß und zu schwer geworden sind. Das Feld mussten sie daher anderen, beweglicheren, leichteren Rassen überlassen. Woran man auch wieder sehen kann, dass es nicht immer sinnvoll ist, einem Modetrend hinterherzurennen, auch wenn er momentan lukrativ ist. Die Fondation Barry versucht, wieder leichtere und gesündere Bernhardiner zu züchten.

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