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»Ich bin unglaublich gerne Maschinistin«, sagt Katharina Zimmer. Seit ihrer Kindheit macht sie bei der Feuerwehr mit.

Die Drehleiter-Expertin

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Rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr steht die Bad Nauheimer Freiwillige Feuerwehr für Menschen in Not bereit. Aktuell gehören den Einsatzabteilungen 150 Frauen und Männer an. In diesen Wochen stellt die Feuerwehr einige von ihnen in der WZ vor, um deren Motivation und Engagement zu zeigen. Und um deutlich zu machen, dass die Feuerwehr für jede und jeden offen ist.

In der Feuerwehr packen Frauen und Männer, neue Kräfte und »alte Hasen« gemeinsam mit an, um Menschen in Not zu helfen. Eine dieser Engagierten ist Katharina Zimmer.

Die 30-Jährige arbeitet als Erzieherin in Wölfersheim, wohnt in Bad Nauheim, kommt ursprünglich aus Nieder-Mörlen und ist dort mit zehn Jahren in die Jugendfeuerwehr eingetreten. Mit 17 kam dann der Wechsel in die Einsatzabteilung. Seit ihrem Umzug in die Kernstadt vor sechs Jahren ist Katharina Zimmer dort aktiv und leitet seit 2018 die Jugendfeuerwehr als Jugendwartin.

Wie bist du zur Feuerwehr gekommen?

Mein großer Bruder war in Nieder-Mörlen selbst in der Feuerwehr und auch Jugendbetreuer. Als ich dann mit 10 Jahren alt genug war, hat er mich mitgenommen. Da waren viele, die ich schon von wo anders her kannte, Nachbarskinder oder Klassenkameraden. Also bin ich dabei geblieben.

Was ist deine liebste Position im Einsatz?

Ich bin unglaublich gerne Maschinistin, also das Fahren der Fahrzeuge und die Bedienung der Pumpen und Aggregate. Bei meiner ersten Lkw-Fahrstunde damals hatte ich noch richtig Bammel davor, mit so großen Fahrzeugen zu fahren. Das hat sich aber ganz schnell in Spaß gewandelt. In der Kernstadt war ich dann auch die erste Frau, die den Lehrgang für Drehleitermaschinisten absolviert hat, was ja so gar nicht mädchenhaft ist (lacht). Seitdem darf ich die Drehleiter fahren und bedienen, auch das mache ich sehr gerne. Es ist eine schöne Abwechslung zu meinem Beruf als Erzieherin.

Was nimmst du aus den Einsätzen für dich mit? Gab es Situationen, die dir im Gedächtnis geblieben sind?

Die Arbeit in der Feuerwehr gibt einem sehr viel zurück. Natürlich haben wir auch mit Not und Leid zu tun, oft können wir aber Schlimmeres verhindern und Leben retten. Dafür bin ich dabei, und es gibt einem selbst einfach ein gutes Gefühl. Ein prägender Einsatz war ein Auffahrunfall auf der A 5, da habe ich einen kleinen Jungen betreut, dessen Schwester bei dem Unfall verletzt wurde. Der hat das so super weggesteckt und wollte alles wissen, was die Rettungssanitäter da mit seiner Schwester machen. Da denke ich heute noch gerne dran.

Du bist Jugendwartin in der Jugendfeuerwehr. Wie kam es dazu?

Ich arbeite einfach gerne mit Kindern und war schon in Nieder-Mörlen bei der Gründung der Bambini-Feuerwehr (Anmerkung: für Kinder zwischen 6 und 10 Jahren) im Jahr 2009 beteiligt. Nach meinem Umzug in die Kernstadt habe ich dann dort 2018 die Jugendfeuerwehr übernommen, weil der Posten frei wurde.

Kannst du die Erfahrungen aus der Feuerwehr auch in deinem Beruf als Erzieherin einbringen?

Auf jeden Fall! Ich mache in den Kindergärten in Wölfersheim die Brandschutzerziehung und bringe so den Kindern bei, wie sie sich bei einem Brand zu verhalten haben und wie man richtig die 112 anruft. Viele der Kinder wissen, dass ich bei der Feuerwehr bin, und fragen mich deshalb auch viel zu dem Thema. Besonders der vierjährige Sohn meiner Arbeitskollegin ist »Feuer und Flamme« und möchte immer alles ganz genau erklärt bekommen. Auch für meine Aufgabe als Leitung der Kita habe ich viel mitgenommen. Wenn sich mal ein Kind verletzt, weiß ich, was zu tun ist, und kann Erste Hilfe leisten. Da zahlt sich dann die Ausbildung in der Feuerwehr aus.

Was würdest du jemandem sagen, der glaubt, er oder sie sei nicht für die Feuerwehr geeignet?

Jeder kann bei der Freiwilligen Feuerwehr mitmachen und helfen. Wer es nicht ausprobiert hat, kann auch nicht behaupten, man sei dafür nicht gemacht. Ich bin im Laufe der Zeit auch immer wieder über mich hinausgewachsen. Mit dem Posten der Jugendwartin musste ich den Gruppenführerlehrgang machen, was ich eigentlich immer abgelehnt hatte. Das waren zwei anstrengende und anspruchsvolle Wochen an der Landesfeuerwehrschule in Kassel, aber ich habe es geschafft und bin da sehr stolz drauf. Ich persönlich freue mich immer über neue Gesichter bei der Feuerwehr.

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