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»Rosenzüchtung hat sich immer nach der Mode gerichtet«, erzählt Ralf Berster. Deswegen lassen sich an vielen Sorten und ihren Namen Geschichten ablesen.

Rosenhang Karben

Der Mann vom Rosenhang

  • Sabrina Dämon
    VonSabrina Dämon
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Von außen wirkt es recht unscheinbar. Gebüsche und Bäume säumen den Rand des Klein-Karbener Friedhofsparkplatzes. Doch wer den Durchgang passiert, steht mittendrin - zwischen unzähligen weißen, rosa- und lilafarbenen Rosen.

Mit den ersten Spatenstichen kamen die Zweifel Der Boden war voller Bauschutt. Ziegel, Steine. »Und die guten Lössböden haben die Eigenschaft, knüppelhart zu sein. Da verbiegt man sich den Spaten«, erzählt Ralf Berster. Er hat trotzdem gegraben. »Jetzt«, hat er sich gesagt, »kannst du nicht mehr aufgeben.« Zumal die ersten vorbeikommenden Spaziergänger schon gefragt hatten: »Warum gräbt da einer Löcher?«

1993 war das. Was damals mit ein paar jungen Rosensträuchern begann, hat sich zu einem kleinen Paradies am Ortsrand von Karben entwickelt. Dort, auf dem Rosenhang neben dem Friedhof, blühen im Frühsommer unzählige Strauchrosen - an die 500 Sorten. Dazwischen schlängeln sich schmale Graswege. Die Bäume werfen Schatten auf die Bänke, die zwischen all den Rosen stehen. Ralf Berster sitzt auf einer der Bänke. Er erzählt davon, wie alles angefangen hat und wie aus dem ehemaligen Steinbruch ein Rosenhang geworden ist.

Es war kurz nach der Wende. Freunde aus der ehemaligen DDR kamen zu Besuch und wollten an den Rhein. Der Karbener organisierte einen Ausflug. Rüdesheim war geplant, »aber wir sind in Eltville hängen geblieben. Dort gibt es einen wunderschönen Rosengarten. Der hat mich echt umgehauen.«

Es ist eine Floskel, sagt Ralf Berster, aber es ist wahr: Die Rose ist die Königin der Blumen. »Alle Blumen sind schön, aber die Rose ist schon besonders.« Der Duft, die Vielfältigkeit, ihre Rolle in der Symbolik. »Manche Leute sagen, Rosen haben eine Seele.«

Es dauerte nicht lange, bis Ralf Berster die ersten Sträucher kaufte und in seinen Garten pflanzte. »Aber der wurde mit der Zeit immer kleiner.«

Ein kühner Brief

Bei einem Spaziergang entdeckte er die Fläche am Friedhof. »Ich bin erst recht spät dahintergekommen, dass es diesen Ort gibt. Damals dachte ich: So viel Platz müsste man für Rosen haben. Da könnte man sich richtig austoben.«

Und wie es mit scheinbar fixen Ideen oft ist: Sind sie erst einmal da, gehen sie einem nicht mehr so schnell aus dem Kopf. Ralf Berster schrieb an die Stadt - »einen recht kühnen Brief« - mit dem Vorschlag, Rosen am Hang zu pflanzen und sich sowohl um die Pflege als auch um die Kosten zu kümmern. Die Antwort: Schöne Idee; fangen Sie doch mal an.

Bei der Sortenwahl hat er sich stets auf historische Rosen konzentriert. Solche, die bis 1900 gezüchtet worden sind. Auf dem Rosenhang blühen heute Sorten aus vier Familien: Gallica-, Alba- und Damascena-Rosen sowie Zentifolien. Typisch für diese alten, meist einmalblühenden Sorten sind die dicht gefüllten, duftenden Blüten und der wilde Wuchs. Ihre Farben sind Rosa, Weiß, Lila - in vielen Abstufungen und Mischungen.

Doch Ralf Berster hat nicht nur gepflanzt. Er hat sich immer mehr Wissen angelesen - vor allem über die Namen der Rosen. Zum Beispiel über die vielen Sorten, die für Napoleons erste Frau Josephine gezüchtet worden sind. Oder über die englischen, die namensgebend für die Rosenkriege im 15. Jahrhundert waren.

In den vergangenen fast 30 Jahren haben sich die Rosen am Hang ihren Platz erobert. Aus den einst kleinen Jungpflanzen sind große Büsche geworden. »Hier hat sich ein intaktes Biotop entwickelt«, sagt Ralf Berster.

Doch auch wenn der Rosenhang so naturbelassen wie möglich ist, die Pflege ist aufwendig. Gerade im Mai, »wenn es in der Natur munter losgeht«. Brennnesseln und Brombeeren müssen in Zaum gehalten werden, ebenso die Rosenbüsche, damit die Wege nicht überwuchert werden. »Es ist ein ambitioniertes Unterfangen.« Einen Verein wollte Ralf Berster dennoch nie gründen. Das, sagt er, wäre ein zu enges Korsett gewesen. Stattdessen haben sich die »Freunde des Rosenhangs« als lose Gemeinschaft um die Pflege gekümmert. »Aber wir sind nicht jünger geworden, und manche sind nicht mehr da.«

Die Lieblingsrosen

Seit vergangenem Jahr ist die Stadt für die Pflege verantwortlich, eine Firma übernimmt die Arbeiten. Zudem hilft die Diakonische Tagesstätte seit einigen Jahren.

Jetzt, wenn es auf dem Rosenhang blüht, kommt Ralf Berster oft zu »seinen« Rosen. Manchmal mit Besuchern, die etwas über die vielen Sorten erfahren möchten, manchmal alleine. Welche seine Lieblingsrose ist? Er schmunzelt. »Ich habe mindestens 100.« Sie alle blühen im Frühsommer am Rosenhang. Ein kleines Paradies, an dessen Anfang so viele Spatenstiche wie Zweifel gestanden haben .Doch die sind zum Glück unter den ersten Rosen begraben worden.

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Ralf Berster hat 1993 den ersten Strauche am Hang gepflanzt.

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