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Pflege, Betreuung und Hospizarbeit sollten nach Ansicht von (v. l.) Klaus Edzard, Stephan Murrar, Helmut Diehl und Susanne Genusso noch mehr vernetzt werden.

Denen helfen, die nicht mehr können

  • VonHarald Schuchardt
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An der Spitze des Betreuungsvereins Friedberg bahnt sich ein Wechsel an. Ein guter Zeitpunkt, um mit bisherigen und künftigen Machern im Verein über die Herausforderungen für Betreuer, frischen Wind und den Paragrafendschungel zu reden. Und darüber, dass ein Mensch, der betreut wird, nicht entmündigt ist.

Das gesetzlich verankerte Betreuungsrecht soll erwachsene Menschen schützen und unterstützen, die wegen einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung ihre Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht mehr selbst regeln können. Etwa zu der Zeit, als dieses Recht im Betreuungsgesetz seinen Niederschlag fand - vor 30 Jahren - gründeten Mitglieder der heutigen Lebenshilfe Wetterau den Betreuungsverein Lebenshilfe. Seit Oktober 2010 führt Helmut Diehl den Verein, dessen Name aus organisatorischen Gründen im Jahre 2012 in »Betreuungsverein Friedberg« geändert wurde. In zwei Wochen beendet der 72-Jährige seine Tätigkeit, denn »es wird Zeit, dass Jüngere das machen«, wie es Diehl im Gespräch mit dieser Zeitung formulierte.

Dazukamen auch der designierte Vorsitzende Klaus Edzard und der künftige zweite Vorsitzende Stephan Murrar sowie Altenpflegerin Susanne Genusso, die in der Pflegedienstleitung einer Einrichtung in Bad Nauheim tätig ist.

»Wenn wir gewählt werden, wollen wir etwas frischen Wind in den Verein bringen«, kündigt Murrar an. Aktuell sind dem Betreuungsverein mit Sitz in der Kleinen Klostergasse in Friedberg 118 ehrenamtlich tätige und vom Gericht bestellte gesetzliche Betreuer mit 154 Betreuungen angeschlossen. Die beiden fest angestellten Betreuer des Vereins kümmern sich derzeit um 55 Betreuungen.

»Wir wollen vor allem transparenter und bekannter werden und mehr Menschen für dieses Ehrenamt begeistern«, sagt Edzard. Eine Herzensangelegenheit für Murrar ist es, Betreuung, Pflege und Hospizarbeit miteinander mehr zu vernetzen: »Für mich gehören diese drei Bereiche zusammen.« So fand das Gespräch denn auch im Haus der Hospizhilfe Wetterau in der Friedberger Fichtenstraße statt. Die beiden künftigen Vorsitzenden sind auch in der Sterbe- und Trauerbegleitung tätig.

»Gerade für uns Hauptamtliche in den Pflegeheimen ist die Unterstützung durch Ehrenamtler unglaublich wichtig und eine große Hilfe«, erklärt Susanne Genusso, die seit 1995 in der Pflege tätig ist. Helmut Diehl unterstützt die Ideen seiner Nachfolger, denn »es ist schwer, Menschen dazu zu begeistern, als gesetzlich bestellte Betreuer ehrenamtlich tätig zu werden«. Eines ist Diehl in letzter Zeit aufgefallen: »Wir bekommen von den Gerichten zunehmend komplizierte Fälle wie beispielsweise Alkoholabhängige oder Wohnsitzlose.«

Diehl bemängelt, dass der Verein nicht erfahre, wer als Betreuer bestellt worden sei. Oft sind es Angehörige, die eher zufällig erfahren, dass der Verein Betreuer berät und unterstützt, auch wenn diese nicht Vereinsmitglieder sind. Betreuer, die sich an den Verein wenden, werden beraten und können an Schulungen - derzeit online - teilnehmen. Helmut Diehl sagt: »Der Paragrafendschungel ist schon ein Hammer und alleine kaum zu bewältigen.« Dem stimmen Murrar und Edzard ohne Einschränkungen zu. Der Betreuungsverein Friedberg arbeitet eng mit den beiden Wetterauer Betreuungsvereinen der Caritas, die im Raum Büdingen tätig ist, und der Diakonie, deren Arbeitsschwerpunkt rund um Nidda liegt, zusammen.

»Wichtig ist es, zu verstehen, dass eine Betreuung heute nichts mehr mit der früheren Entmündigung zu tun hat. Vielmehr soll der Betreute unterstützt und begleitet sowie dessen Wille berücksichtigt werden«, erklärt Genusso, der noch eines wichtig ist: »Für viele Betreute, gerade in Pflegeheimen, ist der Betreuer oft der einzige Kontakt nach ›draußen‹ und daher besonders wichtig.«

»Wir beide wollen, dass der Betreuungsverein weiterbesteht, und hoffen, neue Betreuer zu gewinnen«, sagt Murrar. Edzard ergänzt: »Auch passive Mitglieder und Sponsoren sind jederzeit willkommen.«

Wer Fragen zum Thema Betreuung hat, der kann sich direkt an den Betreuungsverein wenden - unter Tel. 0 60 31/1 86 33 oder per E-Mail an info@betreuungsverein-friedberg.de. Infos gibt es auch unter https://www.betreuungsverein-friedberg.de.

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