Das Paradies direkt vor der Haustür

  • vonInge Schneider
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Naturgärten liegen im Trend - als Refugien für Pflanzen, Tiere und Menschen, als wichtiger Beitrag zur Artenvielfalt, als Wasser-Reservoir inmitten versiegelten Erdbodens. Frank Uwe Pfuhl hat ein solches “Paradies„ in Assenheim.

Die Natur ist ihm ebenso wichtig wie die Menschen aller Generationen, die darin leben: Frank Uwe Pfuhl - Agrarwissenschaftler, Regional- und Umweltentwickler, Naturpädagoge, Bildungsreferent, Autor und Fotograf, Begründer und Leiter der Nabu-Umweltwerkstatt Wetterau. Er hat es niemals bereut, als Kind mit seinen Eltern von Frankfurt nach Assenheim gezogen zu sein, sagt er. Seit acht Jahren pflegen, bereichern, beobachten und genießen er und seine Familie nun einen 300 Quadratmeter großen Naturgarten am Haus der Schwiegereltern. Ursprünglich ein bäuerlicher Nutzgarten, finden sich heute neben dem Apfelbaum als “Ureinwohner„ jede Menge Pflanzen, Tiere und Kleinstlebewesen, die sich durch das einladende, vielfach gegliederte Terrain angezogen fühlen.

Zitronen- und Aurorafalter kreuzen den Raum zwischen den Sitzgelegenheiten. Unter den Bänken selbst zählt man auf etwa 1,20 Metern gleich fünf Blühpflanzen, auch zwischen den Gesteinsritzen und erst recht zwischen den Natursteineinfassungen der Hochbeete grünt und blüht, kreucht und fleucht es. Frank Uwe Pfuhl benennt jede Art und vermittelt Zusatzinformationen. “Einen Naturgarten zu pflegen heißt: viel zuzulassen, kaum etwas wegzuräumen oder gar zu entsorgen, um es dann wieder mühsam von außen erneut einbringen zu müssen„, sagt er. “Es bedeutet aber auch: Als Mensch lenkend einzugreifen - in dem Sinne, dass man bewusst Angebote für Pflanzen und Tiere schafft, sich selbst ihren Platz zu suchen, statt den Garten zu vereinheitlichen, zu veröden und zu versiegeln.„

Der Garten, der die Natur durchaus mit Erholungs- und Spielecken für den Menschen kombiniert, baut auf dem Konzept der möglichst geschlossenen Kreisläufe sowie der vertikalen, in Stockwerken angelegten Nahrungs-, Wohn-, Nist- und Brutangebote für die Pflanzen- und Tierwelt auf. “Dies bedeutet zum einen: Das, was der Garten gibt, zu nutzen und nutzen zu lassen, organische Abfälle und Schnitt dem Gelände wiederum zuzuführen, sei es als Komposterde, Häckselgut, Totholzstämme. In solchen intakten Kreisläufen regelt sich vieles selbst, ohne weiteren menschlichen Eingriff„, erklärt Pfuhl, der auf chemischen Dünger, Insektizide und Unkrautvernichtungsmittel verzichtet. “Mit dem vertikalen Nahrungs- und Besiedlungsangebot meine ich die Pflege des Bodens, des Gesteins mit einer Vielzahl von Löchern und Höhlen, das Zulassen einer lebendigen Wiese, den Anbau dichter Hecken, wie sie hier wachsen dürfen - mit Kornelkirsche, Heckenkirsche, Schneeball und Haselnuss, Eberesche, Schwarzem Holunder, Feldahorn und Weißdorn, um nur einige Pflanzen zu nennen, die Mensch und Tier Heimat, Heilkraft und/oder Nahrung geben.„ Auch in den weiteren “Stockwerken„, wie Baumrinden und -ästen finden sich viele Gäste, sichtbar und hörbar vor allem die gefiederten wie Kohl- und Blaumeise, Bunt- und Grünspecht, Grünfink, Stieglitz, Zaunkönig, Haussperling, Amsel und Mönchsgrasmücke, Rotkehlchen, Hausrotschwanz, Zilpzalp, gelegentlich sogar ein Eisvogel vom nahen Lauf der Nidda.

Teich mit vielen Bewohnern

Neustes Projekt im Naturgarten ist der Teich. Pfuhl setzt auch hier auf die Vergrößerung der Oberfläche durch die Einbringung von Kies und ansonsten auf das “Lassen„ der Natur, die bereits mit der Besiedlung, unter anderem durch Köcherfliegenlarven, Wasserläufer, Bergmolch, Erdkröte und Heidelibelle begonnen hat. “Die eingesetzten Moderlieschen werden die Stechmückenlarven im Zaum halten, die Artenvielfalt sorgt für eine natürliche Klärung des Wassers„, sagt Pfuhl. Sein Refugium nutzt Pfuhl gerne zum Kräftetanken. Schätzen seine drei Kinder den Naturgarten? “Ja, sicher„, sagt Pfuhl, der es in punkto Naturpädagogik mit dem Arzt und Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich hält. “Aber den wahren Wert der Natur werden sie wohl erst als Erwachsene erkennen - und dann diesen Garten, der in beständiger Veränderung ist, schätzen und pflegen.„

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