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Dr. Kling (l.), Basak Bollmann, und Dr. Klang, Julia Meiß, entdecken selbst immer wieder Abenteuerliches beim Tauchgang in ihrem neuen Buch.

Das klingende Buch zum Mitsingen

  • vonHanna von Prosch
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Bücherwürmer gibt es - und Ohrwürmer auch. Ob beide zusammenpassen? Julia Meiß und Basak Bollmann finden: absolut. Sie sind Lehrerinnen an der Musikschule Bad Nauheim und haben ein interaktives Kinderbuch mit Musik kreiert. Alle Klänge gibt es passenderweise im Download. Wer dazu die Geschichten liest, kann buchstäblich abtauchen.

Die Titelmelodie ist ein Ohrwurm. Die beiden Lehrerinnen an der Musikschule Bad Nauheim, Julia Meiß und Basak Bollmann, haben ein Kinderbuch geschrieben. Sie entführen in ihrer interaktiven Bildergeschichte Kinder und Eltern in eine bunte Erlebniswelt.

Die vierjährige Lisa kniet mit Taucherbrille vor ihrem neuen Buch und taucht ab. Wie die beiden Doktorinnen im weißen Kittel »Dr. Kling und Dr. Klang«, die auf dem Meeresgrund eine musikalische Schatzkiste entdecken. Lisa spielt die Geschichte mit Seifenblasen und Kastagnetten nach. Dazu hört sie das Wellenrauschen, bewegt sich zum Strandmarsch, legt einen Stopptanz ein und ahmt den fleißigen Krebs nach.

Cellistin wird zur Illustratorin

»Kinder sind ehrlich, man sieht es an ihren Augen, wenn ihnen etwas gefällt. Und diese Geschichte kommt richtig gut an«, weiß Basak Bollmann alias Dr. Kling, Mutter von zwei ein und sieben Jahre alten Söhnen. Mit ihrer Kollegin Julia Meiß - Dr. Klang, die einen dreijährigen Jungen hat, hat sie die ursprüngliche Bühnen-idee in eine klingendes Buch umgesetzt. Beide sind Elementar-Musikpädagoginnen und wissen, was Kinder fesselt. Die direkten Rückmeldungen auf die Konzerte, die sie bis zum ersten Lockdown als Dr. Kling und Dr. Klang in Kindergärten und Schulen gaben, haben sie ermutigt. »Wir sind zwei Doktorinnen, die meinen, sich mit Musik besonders gut auszukennen. Aber wir kommen mit unserem Wissen an Grenzen und brauchen deshalb die Hilfe der Kinder«, erzählt Dr. Klang.

Bei ihren vorhergehenden Bühnenabenteuern, bei denen sie um die Welt reisten, den Ohrwurm suchten und keine Ruhe fanden, setzten sie unterschiedliche Instrumente ein. Auf ihrer Urlaubsreise an den Strand, wo es zu dem entdeckungsreichen Tauchgang kommt, gibt es nur Schlagwerk. Dabei merkt man, wie facettenreich es in seiner Klangvielfalt von der Trommel bis zum Vibrafon ist. Die Titelmelodie, also der Ohrwurm, stammt aus Griegs Peer-Gynt-Suite »In der Halle des Bergkönigs«.

Den Titel »At Home« hat ihr Kollege Tobias Mehner komponiert, der nach den Vorstellungen der Autorinnen auch am Schlagwerk und Klavier improvisiert hat.

Nach einem Jahr Vorbereitung mussten Meiß und Bollmann das Projekt auf Eis legen, weil das Geld für die Produktion fehlte.

Im Sommer 2020 machten sie sich wieder dran, dank einer Förderung der hessischen Kulturstiftung. Bollmann nahm Kontakt zu ihrer früheren Kommilitonin Tansu Sonat in Istanbul auf, die als Cellistin auch eine hervorragende Zeichnerin ist. Nach einem Treffen und zahlreicher Online-Korrespondenz in Englisch, bei der alle ihre Gedanken und Wünsche einbrachten und ausfeilten, stand das Gesamtwerk.

Bewusst gegen CDs entschieden

Auf 28 Seiten mit wohldosiertem Text, den ganzseitigen detailreichen Bildern in bunten Farben und kindgerechten Motiven, versteckten Noten und Instrumenten können Eltern und Kinder viel entdecken und nachspielen. Die Musik gibt es zum Download. »Wir haben uns bewusst gegen eine CD entschieden, denn die ist nicht mehr zeitgemäß«, sagt Bollmann. »Man kann die Musik auch auf eine »Tonie-Box« aufspielen, dann kann sie das Kind, wenn es das Notenzeichen im Buch sieht, selbst anstellen.«

Inzwischen gibt es auch eine musikalische Kurzversion: »Für Ungeduldige und Vielbeschäftigte, denn um das Buch in Ruhe vorzulesen und die Musik dazu ganz zu hören, braucht man etwa 20 Minuten«, ergänzt Meiß.

Sobald die beiden Autorinnen durch den Verkauf wieder einen finanziellen Grundstock haben, soll Buch Nummer zwei folgen. Denn sie haben mit ihren eigenen Kindern ein perfektes 24-Stunden-Experimentierfeld und kreativen Spielraum in der Musikschule. Dafür sind sie dankbar: »Nur so konnten wir uns diesen Traum erfüllen.«

So wie Lisa könne Kinder die Erlebnisse von Dr. Kling und Dr. Klang nachspielen und die Melodien mitsingen.

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