Michael Kopf neben den Messeinrichtungen für die Wetterprognose auf dem Firmengelände in Heldenbergen. 	FOTO: JÜRGEN W. NIEHOFF
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Michael Kopf neben den Messeinrichtungen für die Wetterprognose auf dem Firmengelände in Heldenbergen. FOTO: JÜRGEN W. NIEHOFF

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Dank Messstation im Wetterbericht

  • vonJürgen W. Niehoff
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Verwöhnt von der Sonne: In den vergangenen 15 Jahren wurde Nidderau neunmal mit dem Titel »Kommune mit den meisten Sonnenstunden in Hessen« ausgezeichnet. Dass diese Stadt und nicht eine der Nachbarkommunen so oft im Wetterbericht auftaucht, verdankt sie einem Mitbürger, dem Unternehmer Michael Kopf.

Der ausgebildete Starkstromelektriker und kaufmännische Angestellte mit den abgeschlossenen Studiengängen Elektrotechnik und Betriebswirtschaftslehre war ursprünglich beschäftigt in der Frankfurter Controlmatic Gesellschaft für Automatisierung und Elektrotechnik. 2010 trennten sich dann die Wege und Michael Kopf übernahm mit drei weiteren Geschäftspartnern die Zweigniederlassung in Heldenbergen im Zuge eines sogenannten Management-Buy-outs. Heute hat Control Mechatronics rund 100 Mitarbeiter und beschäftigt darüber hinaus weitere 150 Subunternehmen. Damit sollte eigentlich das Arbeitspensum des 71-Jährigen ausgelastet sein.

Doch Kopf, durch und durch Unternehmer, liebt die Herausforderung. So kam ihm beispielsweise im Jahr 2001, damals noch als Angestellter, bei einer Präsentation eines Lieferanten, bei dem der zu dieser Zeit allseits als Wetterfrosch bekannte Jörg Kachelmann eine seiner Wettermessstationen vorstellte, die Idee, selbst so eine Messstation auf dem Firmengelände errichten zu lassen. Denn die Wettersendungen von Kachelmann wurden täglich mehrfach im Fernsehen gezeigt, inklusive der Städtenamen, in denen die Messstationen standen.

Kachelmann kam doch nicht

»Und da Nidderau oder Heldenbergen kaum jemand kennt, bin ich nach der Präsentation zu Kachelmann gegangen und habe ihn gefragt, was er für so einen Vortrag in meiner Firma in Heldenbergen verlangen würde«, erinnert sich Kopf. Die Antwort Kachelmanns sei kurz und eindeutig gewesen: »Eine weitere Messstation.« Dafür würde er auch zur Inbetriebnahme mit einem Fernsehteam nach Heldenbergen kommen.

Kopf kaufte für 15 000 Euro eine Wettermessstation und ließ sie auf dem Firmengelände errichten. Auf den Besuch von Kachelmann wartet er jedoch heute noch, legt allerdings wegen dessen Affären auch keinen Wert mehr darauf.

»Doch das, was ich wollte, nämlich dass Nidderau immer mal wieder in der Städteleiste bei den Wettersendungen im Fernsehen auftaucht, das habe ich erreicht«, sagt Kopf und kann sich ein breites Grinsen nicht verkneifen. Dass Nidderau dann auch noch so gut bei der Sonnenstundenstatistik abschneiden würde, damit hat zum damaligen Zeitpunkt wohl keiner rechnen können.

Fünf Jahre später modernisierte er die Anlage noch einmal für einen namhaften Betrag. Seither stehen auf dem Betriebsgrundstück ein circa 12 Meter hoher Mast zur Messung der Sonnenscheindauer, der Windgeschwindigkeit und der Windrichtung.

Hinzu kommen zwei weitere Geräte zur Messung der Luftfeuchtigkeit, der Niederschlagsmenge und der Lufttemperatur. All diese Geräte sind mit einem kleinen Haus verbunden, von dem aus die Daten im Fünf-Minuten-Takt zur Zentrale in der Schweiz übertragen werden. Dass die Auswertung dort immer sorgfältig und zeitnah geschieht, dies konnte Kopf persönlich erfahren. Eines Tages klingelt bei ihm das Telefon im Büro. Am Apparat war die Zentrale der Wetterstation in der Schweiz.

Sprinkleranlage statt Unwetter

Die wollte wissen, ob tatsächlich ein Unwetter über Nidderau niedergehe, obwohl die allgemeine Wetterlage dies ansonsten nicht anzeige. Die Ursache für das vermeintliche Unwetter war schnell gefunden: Der Gärtner hatte die Sprinkleranlage zu nah an die Messstation gestellt, sodass die Messbecher sich schnell mit Wasser auffüllten. Für Kopf war dies aber ein Beweis, dass die Anlage nicht umsonst bei ihm auf dem Gelände steht, sondern dass ihre Daten wirklich sorgfältig ausgewertet werden.

Deshalb bleibt er weiterhin am Ball und lässt sich die Wartung der Anlage jährlich um die 2000 Euro kosten. Michael Kopf sieht dies als weiteren Beitrag für sein Bürgerengagement an, zudem er auch sein Mitwirken im Lions Club und in der Bürgerstiftung Nidderau zählt.

Der Schweizer Wetterdienst »MeteoGroup« gehört zum US-Wetterdienst DTN, der weltweit zu den größten Unternehmen in diesem Bereich zählt. Allein in Deutschland betreibt DTN 530 Wetterstationen. 17 davon befinden sich in Hessen. Es gibt je eine Station in Heldenbergen und Bad Nauheim. Zu den Dienstleistungen von DTN gehören neben Wettervorhersagen für Privatpersonen auch diverse Prognosen und sonstige Angebote für die Bauwirtschaft, Versicherungen, Landwirtschaft, Freizeit, Wassermanagement, Straßenverkehr, Bahn, Luftfahrt, Seeschifffahrt, Energiehandel und Netzbetreiber. jwn

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