Im August 2019 hat es im "Adlerhorst" in Ziegenberg gebrannt, vermutlich hat jemand Feuer gelegt. Das Dach ist teilweise eingestürzt, berichtet Lokalhistoriker Bernd Vorlaeufer-Germer. Er sieht das gesamte Haus VII des Komplexes in Gefahr.	FOTO: PIEREN
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Im August 2019 hat es im »Adlerhorst« in Ziegenberg gebrannt, vermutlich hat jemand Feuer gelegt. Das Dach ist teilweise eingestürzt, berichtet Lokalhistoriker Bernd Vorlaeufer-Germer. Er sieht das gesamte Haus VII des Komplexes in Gefahr. FOTO: PIEREN

Dachschaden weitet sich aus

  • vonMatthias Pieren
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Im Sommer vergangenen Jahres brannte der Dachstuhl des Hauses VII vom Führerhauptquartier »Adlerhorst« in Ziegenberg, das zuletzt von der Bundeswehr genutzt wurde. Weil das Holzgerippe nicht gesichert wurde, stürzt das Dach derzeit ein. Wer ist zuständig?

Die Feuerwehren aus Butzbach, Ober-Mörlen und Bad Nauheim hatten am 26. August 2019 einen Großeinsatz. Um 4.37 Uhr an diesem Montagmorgen ging bei der Leitstelle Wetterau der Notruf eines Autofahrers ein, der im Vorbeifahren den Brand im Areal des ehemaligen Führerbunkers »Adlerhorst« bemerkt hatte.

Bei dem Brand des zuletzt von der Bundeswehr als Depot genutzten Gebäudes brannten der Dachstuhl und die Fassade. »Das Dach des Hauses VII ist nun teilweise eingestürzt, weil es nach dem Brand nie gesichert wurde«, berichtet jetzt Lokalhistoriker Bernd Vorlaeufer-Germer.

Polizei geht von Brandstiftung aus

Seit Jahrzehnten erforscht der in Bad Homburg lebende Geschichtskenner die Zeit und Wirkungsstätten des Nationalsozialismus in der westlichen Wetterau und dem Hochtaunuskreis. Nun befürchtet er, dass das von der Straße nach Wiesental einzusehende Haus VII des Komplexes ganz einstürzen könnte.

Weil sich offensichtlich niemand für die Bewahrung und Sicherung des seit dem Abzug der Bundeswehr leer stehenden Areals kümmert, bat er die WZ um Hilfe. Die Liegenschaft als solche gehört der in Bonn ansässigen zentralen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA).

»Eine Absicherung konnte bis zum Abschluss der polizeilichen Ermittlungen zur Brandursache nicht durchgeführt werden. Eine wirksame Sicherung der Brandstelle ist darüber hinaus aus statischen Gründen nicht möglich«, teilt BImA-Pressesprecher Thorsten Grützner auf Anfrage mit.

Sämtliche Gebäude der Liegenschaft stehen demnach derzeit leer und werden nicht genutzt. Nach den polizeilichen Ermittlungen ist der Dachstuhlbrand vom August 2019 auf Brandstiftung zurückzuführen. Ein Täter wurde bislang nicht ermittelt.

Die Zukunft des Bunkersystems mitsamt den oberirdischen Gebäuden ist ungewiss. »Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ist bestrebt, die Liegenschaft zu veräußern«, sagt Grützner. Ein Käufer ist freilich noch nicht gefunden.

Zur Erinnerung: Von 1939 bis 1940 erbauten die Nationalsozialisten in Ziegenberg das Führerhauptquartier »Adlerhorst« unter strengster Geheimhaltung. Das Bauvorhaben führte die Organisation Todt unter dem Decknamen »Bauvorhaben Mühle« durch mit dem Ziel, ein gut befestigtes und getarntes Hauptquartier für die Oberste Heeresleitung für den geplanten Überfall auf die westlichen Nachbarländer zu errichten.

Mehrere Hundertschaften von Arbeitern der Firmen Hochtief, Ph. Holzmann AG und der Neuen Baugesellschaft Wayss & Freytag AG wurden zum Bau dienstverpflichtet.

Der Krieg entwickelte sich bekanntlich anders als erwartet. Nach der Eroberung Frankreichs und der Evakuierung der britischen Truppen aus Dünkirchen sollte der Krieg zunächst in der Luftschlacht um England weitergehen.

Zur Invasion Großbritanniens kam es nie. Damit verlor der »Adlerhorst« seine Bedeutung. Schloss Ziegenberg und die anderen Anlagen des »Adlerhorsts« wurden als Lazarett und Erholungsheim für verwundete Offiziere verwendet.

Gegen Ende des Krieges wurde das Hauptquartier reaktiviert. »Am 11. Dezember 1944 wollte Hitler das Führerhauptquartier ›Adlerhorst‹ beziehen, musste aber nach Wiesental ausweichen, weil der Oberbefehlshaber West Generalfeldmarschall von Rundstedt seit Mitte Oktober 1944 die Bunkeranlage als Hauptquartier nutzte, um von dort aus die Ardennenoffensive zu führen«, berichtet Vorlaeufer-Germer.

Die Anlage sollte absolut geheim bleiben, weshalb man sie durch künstliche Bäume und Tarnnetze gegen eine Luftaufklärung »versteckte«. »Sogar Hitlers Gefolgsleute mussten zur Anreise in einen abgedunkelten Bus steigen und wurden auf komplizierten Routen dorthin befördert«, sagt Vorlaeufer-Germer.

Vor 75 Jahren fallen Bomben

»Nachdem klar wurde, dass die Ardennenoffensive gescheitert war, zog Hitler sich am 15. Januar 1945 endgültig in seinen Führerbunker in Berlin zurück, um dort die letzten drei Monate des Dritten Reiches zu verbringen.«

Die Position des Hauptquartiers blieb bis zum März 1945 geheim. Vor 75 Jahren dann, am 19. März, bombardierten amerikanische Kampfbomber Schloss Ziegenberg und setzten es in Brand, die getarnten Anlagen bei Wiesental blieben aber unbehelligt. General Kesselring hielt sich bis zum 28. März im »Adlerhorst« auf. Als die Alliierten nur noch wenige Kilometer entfernt waren, befahl er die Evakuierung und zugleich auch die Zerstörung des Komplexes mit Dynamit.

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