Landrat Jan Weckler (l.) rechnet jeden Tag mit einem ersten bestätigten Corona-Fall in der Wetterau. Doch Gesundheitsamtsleiter Dr. Reinhold Merbs (r.) und Stellvertreter Jürgen Nickel sehen den Kreis gut vorbereitet.
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Landrat Jan Weckler (l.) rechnet jeden Tag mit einem ersten bestätigten Corona-Fall in der Wetterau. Doch Gesundheitsamtsleiter Dr. Reinhold Merbs (r.) und Stellvertreter Jürgen Nickel sehen den Kreis gut vorbereitet.

Kreis sieht sich gut vorbereitet

Coronavirus Wetterau: Ohne Symptome kein Test

  • Anna-Luisa Hortien
    vonAnna-Luisa Hortien
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Täglich erhöht sich die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten in Hessen. In der Wetterau gibt es bisher rund 60 Verdachtsfälle. Nur in Einzelfällen wird ein Test gemacht.

Landrat Jan Weckler verzichtet nicht aufs Händeschütteln. Auch wenn ihm das in diesen Tagen vermutlich niemand übelnehmen würde. Denn auch wenn es aktuell noch keinen bestätigten Coronavirus-Fall in der Wetterau gibt, ergreift der Kreis Vorsichtsmaßnahmen.

Rund 60 Wetterauer befinden sich laut Landrat derzeit in »häuslicher Isolation«, weil sie sich in einem Gebiet aufgehalten haben, in dem bereits Fälle aufgetreten sind oder weil sie Kontakt mit jemandem hatten, bei dem das Virus nachgewiesen worden ist. Die Betroffenen hätten sich selbst beim Gesundheitsamt gemeldet oder seien als Kontaktpersonen von bereits Erkrankten identifiziert worden, sagt der Amtsarzt und Leiter des gesundheitsamtes Dr. Reinhold Merbs.

Die Mitarbeiter hätten mit den Betroffenen persönlich Kontakt aufgenommen, an ihre Vernunft appeliert und sie gebeten, 14 Tage zu Hause bleiben und ihre Kontakte einzuschränken. Während dieser Zeit würden sie, wenn nötig, krankgeschrieben, es sei aber auch möglich, von zu Hause aus weiterzuarbeiten. »Treten innerhalb von 14 Tagen keine Krankheitssymptome auf, gehen wir davon aus, dass die Personen nicht mit dem Virus infiziert sind, und die Isolierung ist aufgehoben«, sagt Merbs. Das sei ein Erfahrungswert.

Coronavirus Wetterau: Virus nicht sofort nachweisbar

Wenn ein Isolierter Symptome entwickele, entscheide das Gesundheitsamt individuell über das weitere Vorgehen. Getestet werde in der Regel aber nur, wer aufgrund seiner Symptome, zum Beispiel einer Lungenentzündung, ins Krankenhaus müsse. »Dann müssen wir wissen, ob der Patient das Corona-Virus in sich trägt, um ihn gegebenenfalls auf eine Isolierstation zu bringen und andere Patient wie auch Mitarbeiter zu schützen«, sagt Merbs. Den Abstrich nehme das Gesundheitsamt selbst vor. Auf Verdacht werde niemand getestet, diese Anweisung hätten auch die Hausärzte. »Das wäre nicht zielführend«, sagt Weckler. Das Virus sei in der Inkubationszeit nicht sofort nachweisbar. »Der Test kann schon zwei Tage nach dem Erstkontakt positiv ausfallen, aber auch erst nach acht oder zehn Tagen.« Die Labore seien schon jetzt ausgelastet. »Wir brauchen die Kapazitäten für Ernstfälle.«

Zurzeit stünden die Telefone im Gesundheitsamt kaum still. »Wir prüfen jeden Verdachtsfall intensiv und versuchen, ihn nachzuvollziehen«, sagt Merbs. Man halte sich dabei streng an die Vorgaben des Robert-Koch-Institutes. Viele Fälle würden sich als unbegründet herausstellen. Neun Mitarbeiter kümmerten sich derzeit um die Anrufe. Auch Mitarbeiter der Leitstelle habe man miteinbezogen.

Coronavirus Wetterau: Betroffene verhalten sich kooperativ

Mit den bereits häuslich Isolierten stehe man in engem Kontakt, betont Merbs. »Wir sind Tag und Nacht für sie erreichbar.« Sie alle würden freiwillig zu Hause bleiben. Verhalte sich ein Betroffener beim Telefonat unkooperativ oder provoziere eine weitere Ansteckung, könnte die Polizei ihn aber unter Quarantäne stellen. Das regele etwa das Infektionsschutzgesetz. »Bisher war das aber noch nicht notwendig«, sagt Merbs.

Sorgen machen Weckler hingegen die Engpässe bei Desinfektionsmitteln und Atemschutzmasken. »Die Ressourcen fehlen etwa in der Notfallversorgung im Krankenhaus oder in der Altenpflege.« Er rät deshalb von privaten Käufen ab. »Gründliches und regelmäßiges Händewaschen reicht im Normalfall aus, um sich zu schützen«, sagt Weckler.

Dass Veranstaltungen wie der Faselmarkt in Butzbach am Wochenende abgesagt oder Kindergärten und Schulen geschlossen werden müssten, hält Weckler zum jetzigen Zeitpunkt für unwahrscheinlich. »Aber das hängt immer vom Einzelfall ab und wird gemeinsam mit dem Land und den Behörden vor Ort entschieden.« Butzbachs Bürgermeister Michael Merle hatte bereits den Freibier-Ausschank während der Faselmarkt-Eröffnung am Samstag abgesagt.

»Jeden Morgen besprechen wir die aktuelle Entwicklung«, sagt Weckler. Man stehe täglich im Kontakt mit dem staatlichen Schulamt, mit Bürgermeistern, Betrieben, Schulen, Krankenhäusern und Ärzten. »Wir beobachten die Lage sehr genau, und das schon seit einigen Wochen«, sagt Weckler. »Wir müssen täglich mit einem ersten bestätigten Fall in der Wetterau rechnen. Trotzdem gibt es keinen Grund zur Panik.«

Coronavirus Wetterau: Hotlines eingerichtet

Der Wetteraukreis hat Informationen und Empfehlungen zum Thema Coronavirus auf seiner Internetseite unter www.wetteraukreis.de bereitgestellt.

Das Gesundheitsamt des Landkreises ist unter Telefon 0 60 31/83 23 00 tagsüber zu erreichen.

Darüber hinaus existiert eine hessenweite Hotline zum Coronavirus unter Telefon 08 00/5 55 46 66 (montags bis freitags von 8 bis 20 Uhr).

Auch Hausarztpraxen sind Ansprechpartner für Betroffene. Aufgrund der erhöhten Ansteckungsgefahr sollte zunächst telefonisch Kontakt aufgenommen werden. Außerhalb der Sprechzeiten ist der Ärztliche Bereitschaftsdienst unter der zentralen Rufnummer 11 61 17 zu erreichen.

Aus Angst vor dem Coronavirus legen sich viele Wetterauer einen Vorrat an. Durch die sogenannten Hamsterkäufe sind viele Regal in den Supermärkten leer.

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