Ein Abstand von zwei Metern ist an vielen Trainingsplätzen ohnehin gegeben: Für ihre Fitnessstudios haben die 

"OptiMum"-Chefs ein Hygienekonzept vorgelegt.	FOTOS: JK/PM
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Ein Abstand von zwei Metern ist an vielen Trainingsplätzen ohnehin gegeben: Für ihre Fitnessstudios haben die »OptiMum«-Chefs ein Hygienekonzept vorgelegt. FOTOS: JK/PM

Corona verlangt »Ausdauer«

Seit mehr als sieben Wochen sind wegen der Corona-Pandemie auch Fitnessstudios geschlossen. Heute soll über mögliche Öffnungen gesprochen werden. Für ihre Studios in Bad Nauheim, Rosbach und Oberursel haben die »OptiMum«-Betreiber Anja und Torsten Gubitzer bereits ein Hygienekonzept entwickelt - und sich damit direkt an die Politik gewandt. Das Ergebnis war ernüchternd.

Fitnessgeräte, so weit das Auge reicht: Auf rund 400 Quadratmetern stehen die Kraftmaschinen in Reih und Glied - unbewegt. »Die Einzigen, die aktuell trainieren dürfen, sind wir selbst«, sagt Torsten Gubitzer und lächelt für einen Moment. Eigentlich ein Privileg, doch Grund zur Freude ist das für den Geschäftsführer der »OptiMum«-Fitnessstudios nicht.

Seit dem 18. März sind die Studios in Bad Nauheim, Rosbach und Oberursel geschlossen. Für Gubitzer und seine Frau Anja ist das - wie für viele Unternehmer - katastrophal: »Von einem Tag auf den anderen brach der bis dato stabile Umsatz auf null ein.« Miet- und Raumkosten aber liefen weiter, ebenso Ausgaben für das insgesamt 25-köpfige Team, das sofort in Kurzarbeit gehen musste.

Doch nicht nur für die Unternehmer und ihre Angestellten bedeutet Corona einen Einschnitt. Auch die Kunden spüren das fehlende Training mittlerweile deutlich, wissen Anja und Torsten Gubitzer. Dabei geht es nicht nur um den positiven Effekt von Bewegung auf die Gesundheit. Vielmehr vermissen die Kunden ihr gezieltes Krafttraining, erklären die Eheleute. Denn bei einem Großteil von ihnen gehe es um »therapeutisches Training«. Sprich: Sie kommen nicht für ein Sixpack, sondern für Schmerzfreiheit, etwa nach einer Verletzung, oder weil bei Büroangestellten sonst der Rücken plagt.

Dass Fitnessstudio nicht gleich Fitnessstudio ist, habe die Politik aber verkannt, kritisieren Gubitzers. »Wir wurden alle in einen Topf geworfen.« Dabei verfolgten die rund 9000 Betreiber in Deutschland teils völlig unterschiedliche Konzepte: von »Bauchläden«, die Sauna, Solarium und Wellness ebenso anbieten wie Aerobic-Kurse, bis hin zu spezialisierten, gesundheitsorientierten Konzepten wie »OptiMum«. Weil die Sparte aber eine vergleichsweise schlechte Lobby habe, sei das bislang eher untergegangen.

Also sind die Eheleute selbst tätig geworden und haben ein Hygienekonzept in zehn Punkten verfasst. Die großen Flächen - jedes Studio hat etwa 400 Quadratmeter - sind dabei der entscheidende Vorteil, um den Sicherheitsabstand zu wahren. Notfalls könne dies durch ein Freilassen einzelner Plätze geschehen. »Duschen und Umkleiden bleiben geschlossen«, heißt es im Konzept. »Der Kunde kommt schon in Trainingskleidung ins Studio.« Durch Öffnen der Fenster, eine erhöhte Verwirbelung durch Ventilatoren und Belüftungsanlagen »auf voller Stufe« sei eine ausreichende Belüftung der Räume gewährleistet. »Für Hochrisikogruppen bieten wir auf Wunsch gesonderte Zeiten an.«

»Wir könnten locker mit anderen Branchen mithalten«, unterstreicht Torsten Gubitzer. In ihren Studios sei es beispielsweise seit Jahren Standard, dass Desinfektionsmittel in Spendern bereitstehen. Zusätzlich würden aktuell Einmalhandschuhe angeboten.

Um für die Branche eine Wiedereröffnung zu erwirken, haben sich die Gubitzers mit ihrem Konzept auch an die Politik gewandt - mit Briefen ans Innenministerium sowie Abgeordnete sämtlicher Parteien. Das Ergebnis war ernüchternd. Allein die FDP habe mit einem individuellen Schreiben geantwortet. Von allen anderen Parteien sei höchstens ein standardisierter Dreizeiler oder gar keine Antwort eingetroffen. »Da war ich sehr enttäuscht«, sagt Anja Gubitzer. Ein »Armutszeugnis« nennt ihr Mann die ausbleibenden Reaktionen: »Wir hätten keine sofortige Lösung erwartet, aber zumindest ein offenes Ohr.«

Die Ungleichbehandlung zwischen den Branchen wirke teils willkürlich, sagt Anja Gubitzer. »Wir gönnen es jedem, der aktuell wieder öffnen darf.« Aber Sport sei für manche sicher systemrelevanter als der Gang zum Friseur.

Auf die mögliche Öffnung ihrer Studios, über die heute in Wiesbaden gesprochen werden soll, sind die »OptiMum«-Betreiber jedenfalls vorbereitet: Gesichtsschilder für Mitarbeiter wurden bestellt, Desinfektionsmittel sind vorrätig, Piktogramme mit Sicherheitshinweisen angebracht - damit sich die leeren Hallen bald wieder mit Leben füllen.

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