Auch junge Menschen können von Rheuma betroffen sein. Eine der typischen Schmerzstellen sind die Kniegelenke.
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Rheuma ist weit verbreitet in Deutschland und der Welt. Haben Rheuma-Patienten, deren Immunsystem geschwächt ist, ein erhöhtes Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren?

Rheuma und Corona

Corona und Rheuma: Erhöhtes Risiko?

  • vonAnnette Hausmanns
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Haben Rheuma-Patienten, deren Immunsystem geschwächt ist, ein erhöhtes Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren? Ist das Risiko eines schweren Verlaufs erhöht? Die bundesweite Patienten-Datenbank www.covid19-rheuma.de soll helfen, Antworten zu finden. Gelenkt wird sie von der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim. Am Steuer sitzt Dr. Rebecca Hasseli-Fräbel.

Hunderte verschiedene Rheuma-Erkrankungen sind bislang bekannt. Die Ursachen sind nach wie vor ungeklärt, führen aber zu chronischen Entzündungen nicht nur an Gelenken, sondern auch an Bindegeweben und Gefäßen aller Organe im Körper. Genetische Disposition, Stress oder Infekte scheinen die schmerzhafte Erkrankung auslösen zu können.

»Wir hatten aber keine Daten, wie sich Virusinfekte auf eine Rheuma-Erkrankung auswirken und welche Rolle Rheumamedikamente hier spielen«, erläutert Dr. Rebecca Hasseli-Fräbel, Ärztin der Abteilung Rheumatologie und Klinische Immunologie der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik. »Durch die aktuelle Corona-Pandemie waren wir gezwungen, der Frage auf den Grund zu gehen.«

Corona und Rheuma: Bisher über 660 Datensätze erfasst

Zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) rief Hasseli-Fräbel gemeinsam mit Prof. Dr. Ulf Müller-Ladner, dem ärztlichen Leiter der Abteilung für Rheumatologie und Klinische Immunologie der Kerckhoff-Klinik, ein bundesweites Covid-19-Register für Rheumapatienten ins Leben. »Am 30. März sind wir online gegangen.« Dank der Unterstützung durch die Universität Gießen sei ein derartiges Tempo möglich gewesen. Rheumatologen aus ganz Deutschland wurden aufgerufen, auf dem neuen Online-Portal Daten von Rheumapatienten einzugeben, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatten. Über 660 Datensätze wurden bis heute erfasst.

Wie Hasseli-Fräbel erläutert, sollen die Daten dabei helfen, Erkenntnisse über eventuelle Risiken beim Zusammentreffen von Rheuma und dem Coronavirus zu gewinnen, um die Behandlung zu verbessern. Die Verunsicherung sei auf allen Seiten groß gewesen, noch lange seien nicht alle Fragen geklärt. Bei genauer Beobachtung der Dynamik können Empfehlungen an Ärzte und Patienten aber kontinuierlich weiterentwickelt werden.

»Ein direkter Zusammenhang zwischen Rheuma und Covid-19 ist bisher nicht nachzuweisen«, sagt die Ärztin und appelliert an ihre Kollegen, das Register weiter zu füllen. »Wir brauchen weitere Fallzahlen.« Den bisher zusammengetragenen Daten zufolge haben Rheumapatienten kein erhöhtes Risiko, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren. Auch das Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 scheint nach derzeitigem Erkenntnisstand nicht erhöht zu sein.

Corona und Rheuma: Welche Rolle die Dosis spielt

Eine größere Rolle für einen schwereren Covid-19-Verlauf werde allgemeinen Risikofaktoren wie einem höheren Lebensalter, dem männlichen Geschlecht oder dem Rauchen zugeschrieben, aber ebenso Begleiterkrankungen wie Diabetes, Übergewicht, Lungen-, Herz- oder Nierenerkrankungen, an denen viele Rheumapatienten leiden. Durch die entzündlich-rheumatische Erkrankung selbst scheint das Corona-Risiko nur dann erhöht zu sein, wenn Patienten höher dosierte Rheumamedikamente (beispielsweise Cortison) erhalten oder die Rheumaerkrankung gerade besonders aktiv ist.

Gefährlich werde es immer, wenn ein Patient selbstständig eine medikamentöse Therapie absetze, warnt Hasseli-Fräbel. In jedem Fall solle mit dem behandelnden Arzt Rücksprache gehalten werden. Entsprechende (Be-)Handlungsempfehlungen könnten mit Hilfe der wachsenden Datenbank präzisiert und die Vertrauensbasis gestärkt werden. Die Situation mit dem neuen Erreger sei derart dynamisch, dass gemeinsames Handeln umso wichtiger sei. Auch international rücke man über die Datenbank gerade enger zusammen.

Patienten, die nicht zum Rheumatologen gehen können, aber Corona haben, können sich zudem über eine Hotline im Register aufnehmen lassen. Hasseli-Fräbel macht sich mit weiteren Mitstreitern über ihr Arbeitspensum in einem der größten Rheumazentren Deutschlands hinaus ehrenamtlich für die neuartige Datenbank stark und forscht zudem im Rahmen ihrer Studie »Psychosoziale Einflüsse der Corona-Pandemie auf Rheumapatienten«. Dadurch steht sie mit Hunderten Patienten in Kontakt.

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