Bereits jetzt bietet die Stadt Bad Nauheim einen Test-Service am Parkdeck des Sprudelhofs an. (Archiv)
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Bereits jetzt bietet die Stadt Bad Nauheim einen Test-Service am Parkdeck des Sprudelhofs an. (Archiv)

Corona-Krise

Corona: Bad Nauheim will mit „Tübinger Modell“ nach Ostern wieder Innenstadt öffnen

  • Florian Dörr
    vonFlorian Dörr
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Bei den meisten Menschen dürfte in Zeiten der Pandemie die Sehnsucht nach einer Rückkehr in ein normales Leben groß sein. Die Stadt Bad Nauheim will mit konkreten Schritten mehr Normalität wagen. 

Bad Nauheim - „Hessisches Ministerium für Soziales und Integration Herrn Minister Kai Klose« ist der Empfänger, der Bad Nauheimer Bürgermeister Klaus Kreß der Absender - in einem Brief an den Minister in Wiesbaden setzt sich Kreß dafür ein, dass Bad Nauheim »als Modellkommune für eine sichere Öffnungsstrategie« durchstarten kann. 

Seit Beginn der Pandemie setze die Stadt zahlreiche, über die Verordnungen hinausgehende Projekte und Maßnahmen um, um als Gesundheitsstadt größtmögliche Sicherheit zu bieten und Perspektiven aufzuzeigen, heißt es in dem Schreiben. Kreß geht ins Detail: »So stellte die Stadt beispielsweise den Gastronomiebetrieben kostenfrei Pavillons zur Außenbewirtung zur Verfügung, richtete die Online-Verkaufsplattform BadNauheimLiebe.de und einen Warenlieferdienst ein, um ›Click&Collect‹ für Kunden noch angenehmer zu machen, oder baute zusammen mit dem Regionalverband Rhein-Main des Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. ein Covid-Testzentrum an zentraler Stelle in Bad Nauheim auf.«

Corona in Bad Nauheim: „Tübinger Modell“ soll kommen - Strategie aus fünf Säulen

Um die Innenstadt nach Ostern wieder öffnen zu können, habe man in Kooperation mit dem Verein »Erlebnis Bad Nauheim« eine Strategie erarbeitet. »Wir möchten uns damit - gemeinsam mit Erlebnis Bad Nauheim - als hessische Modellkommune (nach Tübinger Vorbild) bewerben.« Die Bad Nauheimer Strategie besteht aus fünf Säulen.

  • Tests - Im Covid-Testzentrum der Stadt in Kooperation mit den Johannitern auf dem Parkdeck des Sprudelhofs sind seit Anfang März Schnelltests für Bad Nauheimer, Arbeitnehmer der Stadt und für Menschen aus den umliegenden Städten und Gemeinden möglich. In den ersten sechs Tagen seien rund 3000 Tests abgenommen worden. Um Besuchern der Innenstadt ein gesundheitlich unbedenkliches Einkaufen oder den Besuch eines Restaurants zu ermöglichen, sollen laut Kreß negative Testergebnisse als Zugangsberechtigung dienen. »Fälschungssicher nachgewiesen wird das durch einen Online-Pass per App, E-Mail oder auf Wunsch auch in Papierform. Hierzu werden wir die Kapazitäten unseres Testzentrums erhöhen. Weitere Schnelltestmöglichkeiten, die ebenfalls ausgebaut werden, gibt es in Bad Nauheimer Arztpraxen und Apotheken.« Zudem stellen die Einzelhändler und Gastronom Selbsttests für ihre Angestellten zur Verfügung.
  • Impfen - Impfwillige Personen werden durch städtisch finanzierte Taxifahrten zum Impfzentrum transportiert. Zudem übernimmt das Familienbüro die Terminvereinbarung für Menschen, die Unterstützung wünschen. Kreß weiter: »Gemeinsam mit der Zeppelin Universität Friedrichshafen und der Georgetown University Washington D.C. haben wir einen flächendeckenden Impfaufruf für die Bevölkerung vorbereitet, der entsprechend des zu erwartenden Impffortschritts im Mai an alle Bad Nauheimer*innen gehen wird.«
  • Steuerung - Im Sommer 2020 haben Stadt und »Erlebnis Bad Nauheim« die Kampagne »Sicher einkaufen in Bad Nauheim« gestartet. Dabei wird über verschiedene Kanäle und Medien auf die Abstands- und Hygieneregeln sowie die Maskenpflicht hingewiesen. Zudem tragen die Einzelhändler und Gastronomen Sorge, dass die Regeln eingehalten werden. Gemeinsam mit dem städtischen Ordnungsdienst werde dafür gesorgt, dass alle Vorgaben eingehalten werden, schreibt Kreß.
  • Nachverfolgung - Gemeinsam mit »Erlebnis Bad Nauheim« habe die Stadt für eine einheitlich und datenschutzkonform gestaltete Kontaktnachverfolgung in den Läden und Restaurants gesorgt, erläutert der Bürgermeister. »Erlebnis Bad Nauheim« stehe in ständigem Kontakt mit den Einzelhändlern und Gastronomen. Kreß: »Derzeit arbeiten wir an einer IT-gestützten Lösung, die die Datennachverfolgung für alle Beteiligten vereinfachen wird. Denkbar ist hier auch der Einsatz der Luca-App.«
  • Wissenschaft - Kreß erläutert: »Hier dürften wir im interkommunalen Vergleich über ein Alleinstellungsmerkmal verfügen.« Denn die wissenschaftliche Begleitung würde mit Unterstützung von Prof. Thomas Braun vom Max-Planck-Institut erfolgen und von der Kerckhoff-Klinik flankiert werden können. »Durch unsere wissenschaftlichen Partner mit hervorragender Expertise können die erhobenen Daten zeitnah und professionell ausgewertet und bewertet werden.«

Motivation hinter dem Brief

»Um die hohe Aufenthalts- und Lebensqualität unserer Stadt langfristig zu sichern, ist die Entwicklung dieser Öffnungsstrategie und das Aufzeigen einer Perspektive für die Menschen, die hier leben, existenziell«, begründet der Bad Nauheimer Bürgermeister Klaus Kreß die Motivation für sein Schreiben an Minister Kai Klose. »Selbstverständlich sind wir offen für weitere, auch interkommunale Kooperationen und stünden für umfassenden Erfahrungsaustausch zur Verfügung.« Weiter heißt es, er, Kreß, hoffe sehr, dass Klose das Angebot Modellkommune für eine sichere Öffnungsstrategie positiv aufnehme und mit der Stadt über die nächsten Schritte spreche, »sobald es an der Zeit ist bzw. die Inzidenzzahlen dies zulassen«.​

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