Auch am Nieder-Weiseler Stand der "Wetterauer Früchtchen" kommen "#mitabstandhelfen"-Produkte zum Einsatz - sehr zur Freude der Unternehmer Pierre R. Favreau (l.) und Bastian Schütz und der Verkäuferin Kim Rolshausen.
+
Auch am Nieder-Weiseler Stand der »Wetterauer Früchtchen« kommen »#mitabstandhelfen«-Produkte zum Einsatz - sehr zur Freude der Unternehmer Pierre R. Favreau (l.) und Bastian Schütz und der Verkäuferin Kim Rolshausen.

Abstand halten!

Clevere Idee aus Butzbach in Corona-Zeiten

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
    schließen

Anderthalb Meter soll man Abstand halten, um sich und andere vor dem Coronavirus möglichst zu schützen. Zwei Butzbacher haben Produkte entwickelt, dank derer man das nie vergisst.

Bastian Schütz könnte sich ärgern, tut es aber nicht. Der 39-Jährige ist Chef der hype.media Marketing Gruppe, einer Werbeagentur mit Hauptsitz in Siegen und Niederlassungen in Aachen und Butzbach. Der ganze Messe-Zweig ist ihm im Zuge der Corona-Krise weggebrochen. Aber Schütz ist ein kreativer Mensch, und einer, der anpackt.

Abgesehen davon, dass der vierfache Vater derzeit zahllosen Geschäften und Unternehmen dabei hilft, die Corona-Krise wenigstens teilweise durch cleveres Online-Marketing auszugleichen, hat er gemeinsam mit Pierre R. Favreau eine zündende Idee gehabt. Auch die hat mit Corona zu tun. Favreau leitet die ebenfalls in Butzbach ansässige Werbeagentur cp-Konzept. Seit zwei Jahren kooperieren die beiden Unternehmen - was nicht zuletzt in der Corona-Krise einiges bringt.

Was ist die zündende Idee der beiden? »Abstand halten« lautet das Gebot der Stunde. Auch in Arztpraxen, Supermärkten, Apotheken, Tankstellen, an Eingängen zu Kliniken oder in Betrieben. Um die Menschen zu schützen und einheitlich auf die wichtigen anderthalb Meter hinzuweisen, haben die beiden Freunde Schütz und Favreau die Produktreihe »#mitabstandhelfen« entwickelt. Und weil die beiden Firmen in der Branche etabliert sind, war die Idee schnell in die Tat umgesetzt: Rollups, Schilder, Plakate, Aufkleber, Bodenbeschriftungen, Warnwesten und verschiedene Textilien wurden hergestellt.

Für Arztpraxen, Security und mehr

»Den aktuellen Schilder-Wirrwarr kennt man von den teils ›notdürftig‹ hergestellten Beschriftungen aus den Supermärkten, Baumärkten und Apotheken zu Genüge«, begründen die beiden Unternehmer ihren Schritt. Doch warum muss man überhaupt auf die eineinhalb Meter hinweisen? So schwer kann das ja nicht sein. Schütz ist anderer Meinung: »Ich habe Situationen in Supermärkten mitbekommen, die waren absolut abartig.« Es gebe Menschen, die verstünden es nicht, wenn sie kein »Stoppschild vor der Nase« hätten. Ist der Abstand zu gering, kann es gefährlich werden. »Die Leute spucken und husten andere Leute an. Das machen sie nicht mit Absicht.«

Gute Gründe also, um in einheitlichem Layout und mit klarer Botschaft auf die Situation hinzuweisen: Ob T-Shirt, Warnweste, Plakat oder Gehwegaufsteller - auf allen steht klar und deutlich »Mindestens 1,50 m Abstand halten«. Zu den weiteren Produkten zählen Aufkleber mit dem Slogan »Bleib vor dem Mitarbeiterschutz stehen«. Ein weiteres Thema, das Schütz am Herzen liegt. Die Scheiben an Kassen oder am Schalter sieht man derzeit immer öfter. Dennoch komme es vor, dass sich der Kunde einfach neben der Scheibe aufhalte und damit etwa die Kassiererin gefährde, sagt Schütz. Um das zu verhindern, gibt es die Aufkleber.

Alles in allem ist die neue Produktlinie ein voller Erfolg, wie der Agentur-Chef mitteilt: Unter anderem Arztpraxen im gesamten Bundesgebiet, ein großes Sicherheitsunternehmen, eine Deponie, mehrere Krankenhäuser und eine Uniklinik hätten bereits »#mitabstandhelfen«-Produkte bestellt sagt Schütz. Diese kämen beispielsweise jenen Menschen zugute, die am Eingang einer Klinik Patienten einwiesen.

Bei alledem geht es den beiden Butzbacher Unternehmern nicht ums große Geld, sondern um den dreifach guten Zweck. Erstens sollen die 1,50 Meter eingehalten werden, zweitens fließt der Gewinn - rund 20 Prozent der Einnahmen - an die Aktion Mensch und an die Tafeln in Deutschland.

Gewinn für gute Zwecke bestimmt

Schütz rechnet mit mindestens 10 000 Euro, die dafür zusammenkommen werden. Um das zu ermöglichen, verzichten die Macher aus Butzbach auf die Bezahlung der Arbeitsstunden. Lediglich Material und Verwaltungsaufwand stelle man in Rechnung.

Zu den heimischen Kunden gehören auch die »Wetterauer Früchtchen«. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Münzenberg und verkauft an Ständen in der Wetterau und in den Kreisen Gießen und Lahn-Dill Erdbeeren, Spargel und Kirschen. Die »#mitabstandhelfen«-Produkte haben es Geschäftsführer Maximilian Reuhl angetan. Zumal sie mit guten Zwecken verbunden sind, Jeder Früchtchen-Stand verfüge über einen Plexiglasschutz, sagt Reuhl. Die Waren würden sicher gelagert, die Verkäuferinnen befolgten die Hygieneanweisungen. Und da die Produkte aus der Region kämen, sei auch dies gut nachvollziehbar.

Die Warnhinweise fallen also auch in der Wetterau auf fruchtbaren Boden. Das passt zur Einstellung von Bastian Schütz: »Ich bin Feuer und Flamme für diese Region.«

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare