Gernot Heydecker
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Gernot Heydecker

Der Chronist mit Kamera

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Ober-Mörlen (bk). Wer ihn »Scherno« nennen durfte, mit dem war Gernot Heydecker wirklich vertraut. 30 Jahre lang bildete der Mann aus Ober-Mörlen das »fotografische Rückgrat« der WZ-Redaktion. Kein Wochenende verging ohne den Einsatz dieses Mitarbeiters, der im Hauptberuf Grundschullehrer war. Kürzlich ist »Scherno« im Alter von 83 Jahren verstorben.

Vor allem in Sportlerkreisen der Wetterau war »Scherno« eine bekannte Größe. Unvergessen sind seine Einsätze im Bad Nauheimer Eisstadion, wo er die Bundesliga-Glanzzeiten des VfL miterlebte. Gernot Heydecker platzierte sich samt Kamera stets schräg hinter dem Tor, mehr schlecht als recht geschützt durch die Bande. Wurde der Puck abgefeuert, ging der WZ-Fotograf blitzschnell dahinter in Deckung.

Der Sonntag war immer vollgepackt mit Terminen, doch eine Übermittlung digitaler Bilder - etwa per Laptop - war Zukunftsmusik. Nachdem »Scherno« auf mehreren Fußballplätzen seine Bilder »geschossen« hatte, hetzte er nach Hause in die Dunkelkammer, um dann mit den Abzügen in die Redaktion zu eilen.

Auch als Lehrer sehr beliebt

Gernot Heydecker besuchte bis 2001 auch unzählige Kultur- oder Volksfest-Termine. Ältere Redakteure haben noch seine Bilderkonstruktionen von der Bad Nauheimer Kerb vor Auge: Mehrere Abzüge mit unterschiedlichen Motiven aneinandergeklebt, das »Gesamtkunstwerk« wurde als ein großes Ensemble abgedruckt.

Trotz aller Hektik, die der Beruf mit sich bringt, verbreitete »Scherno« stets gute Laune. Sehr beliebt war Gernot Heydecker auch bei Generationen von Grundschülern, die er zunächst in Steinfurth und später in Ober-Mörlen unterrichtete. Bei angenehmen Temperaturen ließ der sportbegeisterte Lehrer den Lehrplan schon mal beiseite und spielte mit seiner Klasse Fußball. Einige Eltern überzeugte er davon, ihrem Kind eine bessere Bildung zu ermöglichen.

Als »liebenswerten Menschen«, der Bemerkenswertes für die WZ und ihre Leserschaft geleistet habe, beschreibt der frühere Redaktionsleiter Knut W. Cherubim seinen ehemaligen Kollegen und Freund. Wo »Scherno« mit der Kamera auftauchte, sei er freudig begrüßt worden, weil er dem Leben trotz aller Professionalität vor allem die positiven Seiten abgewonnen habe. »Er war ein Aushängeschild unserer Zeitung, als fotografierender Chronist unverzichtbar«, schreibt Cherubim.

Trauerfeier in Corona-Zeiten

Die letzten Jahre seines Lebens widmete Gernot Heydecker vor allem seiner großen Familie, zu der neben Ehefrau Gerda, mit der er mehr als 60 Jahre verheiratet war, drei Kinder, zehn Enkel und sechs Urenkel gehörten. Die Trauerfeier war von der Corona-Krise überschattet. Nur ein kleiner Kreis durfte »Scherno« das letzte Geleit geben. FOTO: PV

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