Fabian Goedert und Sophia Reiter arbeiten gerade daran, ihr System zu präsentieren, das u. a. durch Haushaltsgeräte verursachte Brände verhindern soll.
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Fabian Goedert und Sophia Reiter arbeiten gerade daran, ihr System zu präsentieren, das u. a. durch Haushaltsgeräte verursachte Brände verhindern soll.

Patent angemeldet

Wie zwei THM-Studenten Brände verhindern wollen

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Nicht selten sind Mehrfachsteckdosen die Auslöser für ein Feuer. Fabian Goedert und Sophia Reiter haben ein System erfunden, das diese Brände verhindern kann. Die Prototypen sind fertig.

Die Idee kam durch den Kellerbrand. Damals, Fabian Goedert war gerade sechs Monate Mitglied der Einsatzabteilung, musste die Butzbacher Feuerwehr ausrücken. "Der Keller meines besten Freundes ist komplett ausgebrannt", erzählt Fabian Goedert. Die Ursache: eine defekte Waschmaschine und eine Mehrfachsteckdose.

Fünf Jahre ist das nun her. "Dadurch, dass es mein bester Freund war, habe ich mitbekommen, welche psychischen Folgen ein solcher Brand hat", sagt der heute 24-Jährige. Fabian Goedert, zu dieser Zeit noch in der Ausbildung zum Elektriker, dachte deswegen damals schon: Es muss doch eine technische Lösung geben, um derartige Brände zu verhindern. "Elektrogeräte sind generell eine unterschätzte Gefahr. In Deutschland brennt es jährlich im Durchschnitt 205 000-mal. An 50 Prozent dieser Brände ist Elektrizität direkt oder indirekt beteiligt." Vor allem Mehrfachsteckdosen seien gefährlich - weil sie oft wegen zu vieler angeschlossener Geräte überlastet seien. Die Idee war also da, nur das Know-how und das Geld für eine Umsetzung fehlten noch.

Nun allerdings ist das Problem mit der Umsetzung gelöst: Fabian Goedert hat mit seiner Partnerin Sophia Reiter ein System entwickelt, um Brände in elektrischen Geräten zu verhindern. Die Prototypen sind fertig. Und: Die beiden haben ein Patent auf ihre Erfindung angemeldet.

Wie genau das System funktioniert, dürfen sie aus patentrechtlichen Gründen nicht sagen. Was es macht, aber schon: "Das System ist in der Lage, Brände, zum Beispiel Schmorbrände, in elektrischen Klein- und Großgeräten, zu erkennen, etwa in Waschmaschinen, sie zu lokalisieren und ohne das Eingreifen eines Menschen zu löschen" - bevor das Feuer aus dem Gerät austritt und übergreifen kann, erklärt Fabian Goedert. Das ist wichtig, ergänzt Sophia Reiter: "Denn gerade Geräte wie Waschmaschine, Trockner oder Spülmaschine sind auch mal eingeschaltet, wenn keiner zu Hause ist." Das System sei in der Größe variabel und passe in fast alle Geräte hinein - ob in einen Toaster oder in eine Waschmaschine.

Dass die beiden ihr System entwickeln konnten, verdanken sie zu einem großen Teil der Technischen Hochschule Mittelhessen, sagt Fabian Goedert. "Es ist unglaublich, wie sehr wir unterstützt werden." Dort studieren die beiden - er Bauingenieurwesen, sie Elektrotechnik. Unabhängig von ihren jeweiligen Studiengängen haben sie 2018 ("nachdem wir die Idee immer weitergesponnen haben") ihre Pläne vorgestellt. "Man hat uns mit Kusshand empfangen."

2019 sei das System bereits komplett fertig gewesen, dieses Jahr folgte die Patentanmeldung, bei der die THM unterstützt hat.

Für die Entwicklung jedoch waren die beiden komplett alleine zuständig. Seine Wohnung ist mittlerweile halb Labor und Werkstatt, halb Büro. Das Studium laufe nebenbei. Es funktioniere, die Klausuren liefen gut. Aber an seinem eigenen Projekt zu arbeiten, sei schon etwas anderes: "Selbst die unschönen Aufgaben machen Spaß, weil es die eigene Sache voranbringt."

Zwar seien auch Investoren an die beiden herangetreten, derartige finanzielle Unterstützung hätten sie aber kategorisch abgelehnt: "Wir wollen unabhängig sein." Zudem wollen sie an Wettbewerben auf Hochschulebene teilnehmen. Schon deswegen, damit sie lernen, ihr Projekt zu präsentieren. "Und damit wir bekannt werden."

Denn ihr System, davon sind sie überzeugt, hat viel Potenzial. Sie planen eine Firmengründung auf der Grundlage des Patents, wollen das aber sorgfältig und nicht überstürzt angehen. "Qualität ist uns sehr wichtig." Sie haben sich vorgenommen, einerseits ihr System an große Firmen zu verkaufen und andererseits eigene Mehrfachsteckdosen herzustellen - in denen ihr Brandschutzsystem verbaut ist. "Viele Mehrfachsteckdosen werden oft falsch benutzt", sagt Sophia Reiter - das liege auch daran, dass die Deklarierung schlecht sei: 3500 Watt maximal steht drauf, die Angabe an den Elektrogeräten ist allerdings meistens in Ampere oder Volt. "Wer rechnet das schon nach?"

Aber, sagen die beiden: muss dann auch keiner mehr. Genauso wenig müsse man sich unterwegs den Kopf darüber zerbrechen, ob die Waschmaschine ein- oder ausgeschaltet ist.

Online abstimmen

Mit ihrem Brandschutzsystem werden Fabian Goedert und Sophia Reiter beim Hessen-Ideen-Wettbewerb antreten. Der Teamname der beiden lautet "FISEGO". Auf der Web-Seite des Wettbewerbs heißt es: "Beim Hessen-Ideen-Wettbewerb treten die besten unternehmerischen Gründungsideen aus hessischen Hochschulen gegeneinander an. Das Ziel des Wettbewerbs ist es, die Gründungskultur an hessischen Hochschulen auszubauen, die Hochschulen stärker miteinander zu vernetzen und die Ideen der Hochschulmitglieder zu unterstützen sowie über die Grenzen Hessens hinaus bekannt zu machen. Auf der Ebene der gründungsinteressierten Ideengeber/innen verfolgt der Wettbewerb das Ziel, den Teilnehmer/innen einen Impuls zur Weiterentwicklung ihrer Idee zu geben." Die Gewinner werden u. a. über ein Online-Voting ermittelt, an dem jeder teilnehmen kann. Die zwei haben eine Homepage, auf der auch ein Link zu finden ist, über den man zur Projektabstimmung kommt: www.fisego-brandschutztechnik.com

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