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Christian Deiters

"Zukunftsfähig und innovationsstark"

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Butzbach(pm/sda). Vor sieben Jahren hatte der Butzbacher Christian Deiters eine Geschäftsidee. Sein Ziel war es, soziales Unternehmertum zu fördern - sogenannte Social Start-ups. Mit diesem Plan startete der Butzbacher sein Projekt und rief die Internetplattform social-startups.de ins Leben. Dort werden soziale Start-ups vorgestellt - von Ideen, die sich mit Fotovoltaikprojekten in Afrika beschäftigen, bis hin zu einem Start-up, das ein Konzept entwickelt hat, um Geflüchteten unkompliziert einen Arbeitsplatz zu vermitteln.

Lob für hohe Innovationskraft

Nun berichtet Deiters in einer Pressemitteilung von dem zweiten "Deutschen Social Entrepreneurship Monitor" (DSEM), den das "Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland" (SEND) gemeinsam mit der Universität Magdeburg und SAP in Berlin vorstellte. Es handelt sich dabei um eine Studie, bei der das Sozialunternehmertum unter die Lupe genommen worden ist.

Das Fazit der Studie, wie Deiters berichtet: Der Sektor ist innovationsstark und zukunftsfähig. Doch die Start-ups bräuchten weiter Förderung - auch in Hessen.

In den kommenden Jahren seien große gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen: der Klimawandel, gesellschaftliche Spaltung, die Umbrüche der digitalen Transformation oder die alternde Gesellschaft. Dass Social Entrepreneurs (Sozialunternehmer) diese Herausforderungen ins Zentrum ihres Handelns stellten, zeige die Studie, für die Sozialunternehmer zum Status ihrer Organisation befragt worden seien. Das Ergebnis: Unter den Wirkungsbereichen dominierten Bildung, nachhaltiger Konsum oder Gesundheit. Neun von zehn Social Entrepreneurs entwickelten eine deutschlandweite Marktneuheit und zeigten damit die hohe Innovationskraft des Sektors. Fast die Hälfte der Gründer sind weiblich.

"Immer mehr Menschen in Deutschland gründen Unternehmen für eine sozial-nachhaltige Zukunft. Im DSEM zeigen wir, was diese Unternehmen so besonders macht und welchen Herausforderungen sie gegenüberstehen", sagt Katrin Elsemann, Geschäftsführerin von SEND.

"Diese Studie zeigt, dass Social Entrepreneurship sich noch einigen Herausforderungen stellen muss. Insbesondere die Start- und Anschlussfinanzierung, die fehlende passende Rechtsform sowie die noch fehlende, auch politische, Unterstützung fällt hier ins Auge. Gerade, da immer mehr solcher Start-ups gegründet werden, ist das fatal", sagt der Gründer und CEO der Plattform social-startups.de, Christian Deiters.

"New Work" sei für den Bereich auch wichtig. Themen wie transparente Gehälter, Einbindung der Mitarbeitenden in Entscheidungen oder Homeoffice-Konzepte spielten eine große Rolle.

Auch für Hessen und die Rhein-Main-Region spiele das Thema Social Entrepreneurship eine immer größere Rolle. Zwar gebe es hier bereits nachhaltig-soziale Konzepte wie "Original Unverpackt", Hubs wie das "Social Impact Lab Frankfurt" oder innovative Start-ups wie "Africa GreenTec" - dennoch gebe es auch dort noch zu wenig Unterstützung. "Dabei ist das Potenzial enorm: Würden die Lösungen der Sozialunternehmer in Deutschland systematisch genutzt und besser in bestehende Systeme integriert, ergäbe sich ein wirtschaftlicher Nutzen mit Milliardenpotenzial."

Die größten Hürden für Sozialunternehmer seien eine schwache Lobby, zu wenig gezielte Anschlussfinanzierung für erfolgreiche Projekte sowie eine schwer nachvollziehbare Vergabe von öffentlichen Finanzmitteln.

Kritik: Politische Unterstützung fehlt

Die Unterstützung durch die Politik wird in der Studie schlecht benotet. SEND-Vorstand Markus Sauerhammer sagt: "Nachdem im Koalitionsvertrag die zunehmende Relevanz von Social Entrepreneurship für die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen hervorgehoben und eine bessere Förderung vonseiten der Regierung zugesagt wurde, ist es an der Zeit, endlich die Rahmenbedingungen für Sozialunternehmen zu verbessern." Deiters sagt: "Mit dem Technologie- und Innovationszentrum Gießen sowie der ›WeAreGroup‹ haben wir zwei starke Gießener Förderpartner, um das Thema in Mittelhessen besser zu platzieren."

Der DSEM ermögliche Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft einen tieferen Einblick in den Sektor. FOTO: ARCHIV

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