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Wer hat zuerst zugeschlagen?

Butzbach/Friedberg (jwn). War es Eifersucht oder sollte nur eine alte Beziehungsgeschichte abgewickelt werden – das versucht derzeit das Friedberger Schöffengericht in einem Verfahren wegen schwerer Körperverletzung gegen zwei junge Butzbacher herauszufinden.

Angeklagt sind die beiden 27-Jährigen, weil sie Ende Oktober 2013 in der Wohnung der Ex des Angeklagten B. deren neuen Freund nach allen Regeln der Kunst krankenhausreif geschlagen haben sollen. Drei Tage lang lag das 22-jährige Opfer nach den Hieben und Tritten des Duos gegen seinen Kopf, seine Brust und seine Beine in der Klinik.

»Die beiden haben mich richtig fertig gemacht. Und als ich aus dem Fenster um Hilfe gerufen habe, haben sie mich an den Beinen gepackt und wollten mich aus dem Fenster stoßen. Und das aus dem ersten Stock«, konnte sich das Opfer auch jetzt in seiner Aussage vor Gericht kaum beruhigen.

Angefangen hatte alles in der Disco »Bastard«. Dort traf der Angeklagte B. an jenem Oktoberabend zufällig auf seine Ex-Freundin. Weil die angeblich noch Schulden bei ihm hatte, bat er sie um Rückzahlung. Es wurde ein Treffen bei ihr zu Hause noch in derselben Nacht vereinbart. Ihr neuer Freund hatte das Gespräch in der Disco aus der Ferne beobachtet, war aber hinzugekommen. Gegen 4 Uhr habe B. vor der Tür seiner Ex gestanden. Nach seiner Version, um seine Schulden, zumindest eine Rate davon, einzutreiben. Nach der Version des neuen Freundes, um jämmerlich vor der verschlossenen Tür seine Liebe zu beteuern.

Fünf Minuten sei das so gegangen – bis der Angeklagte die Wohnungstür seiner Ex kurzerhand zu Kleinholz machte. »Ich wollte nur mit ihr über die Rückzahlung reden«, beteuerte B. vor Gericht. Von Eifersucht oder ähnlichem könne keine Rede sein. Dafür seien sie schon viel zu lang auseinander gewesen. Auch sein Begleiter will von Liebesbeteuerungen nichts vernommen haben. »Meinem Bekannten ging es nur um das Geld«, versicherte der Mitangeklagte S.

Friedlich habe man dann im Flur gestanden, behaupteten die beiden Angeklagten – laut dem späteren Opfer waren sie aggressiv und B. hatte die Hände am Hals seiner früheren Freundin. Der 22-Jährige sei dann wie eine Furie die Treppe herauf geeilt und habe sofort mit der Schlägerei angefangen, erinnerten sich die Angeklagten. Als erstes habe er S mit einem Fußtritt die Treppe hinuntergestoßen und sich dann auf B. geworfen. Erst gemeinsam hätten die beiden Angeklagten den Rasenden zu Boden ringen können. Von 40 Schlägen auf den Kopf oder sogar von dem Versuch, S aus dem Fenster werfen zu wollen, könne dagegen keine Rede sein. »Das stimmt hinten und vorne nicht.«

Zwei Parteien, zwei Versionen

Im Übrigen sei die Polizei ja nur wenige Augenblicke nach dem Beginn der Handgreiflichkeiten schon in der Wohnung eingetroffen. Die junge Dame hatte sie bereits alarmiert, als B. sich anschickte, die Wohnungstür zu demolieren.

Nachdem nach den Aussagen der drei Betroffenen Aussage gegen Aussage stand, weil jede Partei die andere beschuldigte, mit der Schlägerei angefangen zu haben, sollte die Hauptperson – nämlich die aktuelle bzw. Ex-Freundin vernommen werden. Doch die war zur Gerichtsverhandlung nicht erschienen. Und zwar ohne Entschuldigung. Sie sei krank und könne deshalb nicht kommen, ließ sie dem Gericht auf telefonische Nachfrage ausrichten. Der Prozess wurde vertagt.

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