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Birgit Wetzel und Bernd Menningen überprüfen, wie die Instandsetzung der Waldwege vorankommt.

Konflikt im Wald

Wetterauer Forstwege mit Spurrillen und Schlaglöchern

  • VonMatthias Pieren
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Trockenheit und Borkenkäfer machen dem Wald zu schaffen. Der erhöhte Holzeinschlag führt nicht nur zu Preisverfall - durch den verstärkten Maschineneinsatz sind die Forstwege stark beschädigt.

Das Leben zeigt: Nicht immer ist man zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Aber zum Glück ergeben sich manchmal solche Zufallsmomente. Goldrichtig war zumindest der Zeitpunkt, als Joe Heinisch und Armin Schütrumpf neulich auf ihren Rädern, irgendwo im Butzbacher Wald, Birgit Wetzel und Bernd Menningen begegneten.

Kurz zuvor hatten die Radfahrer auf einem Forstweg schlimmen Schlaglöchern ausweichen müssen. Auf einem anderen Abschnitt passierten sie extrem tiefe Spurrillen. Eine eigentlich als Erholung gedachte Radtour wird durch massive Wegeschäden zur Tortur. Na gut, ganz so schlimm ist es nicht - aber auf alle Fälle ziemlich ärgerlich.

Die beiden Radler nutzten die Gunst des Moments und wiesen die Forstleute auf die Schäden des schwer malträtierten Weges hin. In jüngster Zeit sei der Zustand der Waldwege - ganz egal wo - bescheiden. »Derzeit kollidieren die Interessen der unterschiedlichen Waldnutzer stärker als je zuvor«, antwortete Maibachs Revierförsterin Birgit Wetzel und erläuterte den Pedaleuren die Hintergründe für die zunehmenden Schäden.

Wetzel ist für den Staatswald auf Butzbacher Gemarkung verantwortlich. In dieser Verantwortlichkeit inspizierte sie mit Bernd Menningen, dem stellvertretenden Dienstleiter von »Hessen Forst Technik«, die aktuellen Arbeiten bei der Wege-Instandsetzung nach dem Holzeinschlag, der wegen der Borkenkäfer-Invasion nötig war.

Einschlag fünfmal so hoch wie geplant

»Wegen der massiven Schäden in dem von mir betreuten Staatswald musste zuletzt die fünffache Menge an Holz eingeschlagen werden, als wir im Waldwirtschaftsplan eigentlich eingeplant hatten«, erklärte die Forstingenieurin. »Alleine im vergangenen Jahr wurde in meinem Staatswaldbezirk 44 000 Festmeter Schadholz gefällt - geplant war ein Hiebsatz von 9000 Festmetern.«

Mehr Holzeinschlag, das bedeutet zwangsläufig mehr Maschineneinsätze und Fahrzeugbewegungen zum Abtransport der endlos erscheinenden Holzpoller an den Wegesrändern. Dabei queren unentwegt PS-strotzende Holz-Vollerntemaschinen, die sogenannten Harvester, die Forstwege.

Auch andere Forst-Spezialmaschinen wie Rücker und Tragschlepper befördern tagein und tagaus die gefällten und bereits entasteten Stämme über die Waldgassen hin zur Einmündung an die Hauptwege. »Die Maschineneinsätze und entsprechend auch die Schäden an den Waldwegen waren in den Vorjahren nicht so massiv«, sagte die 49-Jährige.

In den drei zurückliegenden trockenen Jahren fielen Massen an Kalamitäten, die nicht alle an einer einzigen Holzstelle zentral gesammelt werden können. Deshalb seien überall auf den Wegen die Spuren der schweren Maschinen zu sehen. Nicht zuletzt haben auch die schweren Holzlaster beim Abtransport die - vom Regen zusätzlich aufgeweichten - Wege zermalmt.

Mangel an Maschinen

»Deshalb müssen derzeit deutlich mehr Forstwege als in den Jahren zuvor saniert werden - und das überall gleichzeitig: in der Wetterau, in Hessen, in Deutschland. Wir haben bei ›Hessen Forst Technik‹ zum Glück auch einen eigenen Maschinenpark«, erläuterte Einsatzleiter Menningen.

Zusammen war er mit einem Maschinenführer nun im Wetteraukreis unterwegs. Weil aber auch andernorts in Hessen alle Waldwege wieder in einen manierlichen Zustand versetzt werden müssen, herrscht derzeit bei den Dienstleistungsunternehmen mit entsprechenden Maschinen absoluter Mangel.

»Leider ist unser Budget für die zunehmende Instandhaltung deutlich zu gering«, stellte Wetzel ernüchtert fest. »Wir haben nicht genügend Geld, um alle Wege wieder sofort mit den entsprechenden Spezialmaschinen in einen guten Zustand zu versetzen.«

Das Konfliktpotential im Wald nimmt mit dem beginnenden Frühjahr weiter zu. Durch die abermals verlängerten Corona-Einschränkungen werden noch mehr Ausflügler in die heimischen Wälder strömen. Bisweilen wird von Ausflüglern allerdings auch vergessen, dass die Waldwege ja eigentlich Wirtschaftswege sind - und keine für Radfahrer oder Ausflügler gebauten Rad- oder Wanderwege.

Sorge um den Wald

Laut einer neuen Umfrage in Corona-Zeiten verbringen fast alle Erwachsenen in Deutschland (87 Prozent) gerne Zeit im Wald. Fast drei Viertel (72 Prozent) sind mindestens alle drei Monate im Wald. Drei von zehn (29 Prozent) gehen sogar mindestens wöchentlich in den Wald, ähnlich viele (28 Prozent) immerhin monatlich. Das zeigt eine repräsentative Online-Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov mit dem Sinus-Institut.

Die beliebteste Aktivität der regelmäßigen Waldgänger ist das Spazieren und Wandern (81 Prozent). Weit dahinter liegen Tiere beobachten (28 Prozent) und Fahrrad fahren (15 Prozent).

Drei Viertel der Befragten (75 Prozent) sorgen sich um den Zustand der deutschen Wälder, am häufigsten die Menschen über 60 Jahre (81 Prozent). Bei den Jüngeren (18 bis 29 Jahre) sind es nur 65 Prozent. Dürre und Trockenheit betrachten 50 Prozent als die größte Herausforderung. Mit großem Abstand folgen die Bebauung von Waldflächen (38 Prozent) und Müll von Waldbesuchern (36 Prozent). dpa

Joe Heinisch und Armin Schütrumpf berichten von ihren Erfahrungen als Radfahrer: Spurrillen und Schlaglöcher verleiden ihnen die Tour.

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