Der Fall aus Butzbach wurde am Landgericht Gießen verhandelt.
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Der Fall aus Butzbach wurde am Landgericht Gießen verhandelt.

Keine Zweifel an Aussagen des Opfers

Besonders schwere Vergewaltigung - Ex-Freund muss für Jahre hinter Gitter

  • vonConstantin Hoppe
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Mit den Worten »Ich hole mir jetzt was ich will!« hat ein 34-Jähriger seine Ex-Freundin überfallen und vergewaltigt. Das Gericht sieht seine Schuld als erwiesen an und verurteilt ihn zu vier Jahren Haft.

Butzbach - Vier Jahre Haft wegen einer besonders schweren Vergewaltigung: Am Dienstag fiel vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Gießen das Urteil gegen einen 34-Jährigen Afghanen A., der am 26. Dezember des vergangenen Jahres seine Ex-Freundin in deren Wohnung vergewaltigt haben soll.

Der Verteidiger des Mannes, Rechtsanwalt Roj Khalaf, hatte kurz vor der Urteilsverkündung noch den Freispruch für seinen Mandanten gefordert, da in dem Verfahren letztlich Aussage gegen Aussage stehen würde.

Vergewaltigung in Butzbach: Konstante Aussagen des Opfers

Das sah der Vorsitzende Richter Dr. Johann Lessing jedoch anders: »Die Gewichtung von Beweismitteln ist und bleibt Aufgabe der Kammer - und wir hatten zu keinem Zeitpunkt einen Grund an den Aussagen der Geschädigten zu Zweifeln.«

Anhand der Konstanz der Aussagen der Geschädigten - auch gegenüber ihren Freunden und der Polizei - gebe es keinen Zweifel an deren Wahrheitsgehalt zu zweifeln. Auch habe die Angeklagte keinen Belastungseifer an den Tag gelegt.

Damit sah es das Gericht als erwiesen an, dass A. am Abend des 26. Dezember 2020 seine Ex-Freundin gegen deren Wunsch in ihrer Wohnung besuchte. Die Geschädigte hatte an diesem Tag Geburtstag, und da sie nicht wollte, dass ihr Ex-Freund wegen der damals geltenden Corona-Ausgangsbeschränkungen Ärger bekam, ließ sie ihn in ihrer Wohnung übernachten.

Vergewaltigung in Butzbach: Ex-Freundin mit Messer bedroht

In der Nacht auf den 27. Dezember betrat der Angeklagte alkoholisiert das Zimmer der jungen Frau, sagte zu ihr »Ich hole mir jetzt was ich will!«, bedrohte sie mit einem Messer und zwang sie zu sexuellen Handlungen. Das Verfahren wurde auch dadurch erschwert, dass es letztlich nur wenige Beweismittel gab, die mit der Tat in Zusammenhang standen und somit Aussage gegen Aussage stand.

Doch mit vier Jahren Freiheitsstrafe liegt die Strafe auch deutlich unter dem Ansatz von sechs Jahren und acht Monaten Freiheitsstrafe, die Staatsanwältin Jessica Schröder gefordert hatte.

Vergewaltigung in Butzbach: Fall weicht von der Schwere nach unten ab

Das liegt gleich an mehreren Punkten, die in der Urteilsfindung eine Rolle spielten: »So schlimm der Fall auch ist - und das er es ist steht außer jeder Debatte - der Fall weicht von der Schwere nach unten ab«, erklärte der Vorsitzende Richter. »Es gab nur den minimalen Einsatz des Messers als Drohwerkzeug, es gab die Alkoholisierung des Angeklagten und zeitlich kurz vor der Tat noch intimen Kontakt zwischen dem Angeklagten und der Geschädigten.«

Zudem ist A. in keinster Weise vorbestraft: »Er ist strafrechtlich gesehen ein unbeschriebenes Blatt«, so Lessing. Mit dem Urteil wird die bisherige Untersuchungshaft in der sich A. befindet aufrechterhalten.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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