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Handwerk

Traumberuf Zimmerer: Robin Dämon aus Butzbach zieht seinen Job jedem Studium vor

  • vonKatharina Gerung
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Der frischgebackene Geselle Robin Dämon ist Innungsbester. Er erzählt, was ihn an seinem Beruf begeistert, wo die Herausforderungen liegen und was junge Menschen über das Handwerk denken.

Sie sind immer schmutzig, unpünktlich, und manchmal trinken sie bei der Arbeit sogar: Immer noch gibt es gegenüber Handwerkern und speziell denen, die auf dem Bau arbeiten, viele Vorurteile. Auch Robin Dämon aus Butzbach kennt sie. Der 19-Jährige ist Zimmerer, hat eben seine dreijährige Ausbildung abgeschlossen und kann über die Klischees vom faulen Handwerker nur lachen: "Was soll man darauf auch erwidern", sagt er, "es stimmt einfach überhaupt nicht."

Dämon ist das genaue Gegenteil dieses Typus. Er ist diszipliniert. Sehr sogar. Bei der kürzlich erfolgten Freisprechungsfeier von drei Innungen in Karben brachte ihm dies eine Auszeichnung für die beste Prüfungsleistung innerhalb seiner Innung ein. "Dafür habe ich mich auch richtig reingehängt", sagt er. Denn lernen, so gesteht er verschmitzt, falle ihm eigentlich nicht so leicht. "Das war schon immer so", sagt er. Obwohl er als Grundschüler eine Empfehlung fürs Gymnasium hatte, ging er auf die Realschule und nach seiner Mittleren Reife direkt in die Lehre. Abitur oder Studium haben ihn nie wirklich gereizt. "Ich habe bei meiner älteren Schwester gesehen, mit wie viel Lernaufwand das verbunden ist", sagt er, "das war nichts für mich."

Butzbach: Ausbildung beim eigenen Vater

Diese Entscheidung bereut er nicht. "Seit ich denken kann, will ich Zimmerer werden", sagt Dämon. Der Grund dafür liegt nahe. Zimmerer- und Dachdeckermeister Reiner Dämon ist nicht nur sein Vater, sondern auch sein Vorbild und darüber hinaus sein Chef. "Schon als Kind hat er mich immer mit auf Baustellen genommen", sagt Dämon, "für mich war immer klar, dass ich irgendwann das Gleiche machen will."

Nicht viele junge Menschen streben so entschlossen einen Handwerksberuf an. Zumindest lassen das verschiedene Statistiken vermuten. Laut des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks gibt es seit einigen Jahren zwar einen Anstieg bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen, dennoch bleiben jährlich rund 15 000 bis 20 000 der Lehrstellen im Handwerk unbesetzt. Grund sei immer noch der Trend hin zu einer akademischen Ausbildung. Die würden gut 60 Prozent der Schulabgänger eines Jahrgangs anstreben. Vor zehn Jahren sei dieses Verhältnis noch umgekehrt gewesen.

Wetterau: Nur vier Zimmerer in diesem Abschlussjahrgang

Besonders unter Zimmerern fehlt der Nachwuchs. Obwohl es über 130 verschiedene Ausbildungsberufe gibt, sehen die Top Ten Jahr für Jahr verdächtig ähnlich aus. Im vergangenen Jahr tauchte der Zimmerer dort bei den Neuabschlüssen nicht auf. Selbst in der Kategorie "Handwerksberufe" nicht. Nur bei der Sortierung "nach Geschlecht" war er bei den Männern schließlich auf Platz zehn zu finden. In der Wetterau zeigt sich ein ähnliches Bild. Allein in diesem Jahr haben 32 Friseure ihre Gesellenprüfung bestanden. Bei den Dachdeckern waren es acht, bei den Zimmeren vier.

Ackern ohne Ende, kaputte Knie, staubige Kleidung und wenig Geld. Dazu Auftraggeber, die immer etwas zu meckern haben: Dämon kann sich vorstellen, dass diese Vorurteile für ein schlechtes Image des Handwerks und speziell Berufen wie seinem sorgen. "Manchmal habe ich das Gefühl, junge Leute wollen sich die Hände nicht mehr schmutzig machen", sagt er. "Dabei ist es wirklich gar nicht mehr so schlimm." In seinem Beruf gebe es wie überall auch viele Maschinen, die die Arbeit erleichtern. Darüber hinaus sei vor allem der Teil mit dem wenigen Geld ein großer Trugschluss. Dämon lacht wissend: "Man muss ja nur einmal im Internet den Vergleich machen."

Butzbach: Schönster Arbeitsplatz der Welt

Dämon würde seinen Job nicht tauschen wollen. "Mir gefällt die Arbeit mit Holz, und ich liebe es, jeden Tag an der frischen Luft zu sein", sagt er. Fragt man ihn, so hat er den besten Arbeitsplatz der Welt: "Hoch oben und irgendwie über allem anderen. Dort, wo niemand so schnell hinkommt." Dafür müsse ein guter Zimmerer schwindelfrei sein, sagt er, und vor allem wetterfest: "Im Winter kann es schon einmal unangenehm werden." Doch darüber kann Dämon leicht hinwegsehen, denn am Ende des Tages sehe er, was er geschafft hat: "Es ist schon schön, wenn zum Schluss aus einzelnen Balken ein komplettes Dach entsteht." Und das überall in der Wetterau.

Im Februar will der Butzbacher auf die Meisterschule und danach an seine jetzige Ausbildung auch noch die des Dachdeckers dranhängen. Das Ziel ist es, nach und nach mehr Verantwortung im Familienbetrieb zu übernehmen und ihn irgendwann schließlich ganz zu führen. Dämon: "Ich will meinen Vater einfach so gut es geht unterstützen."

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