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In Sorge um die Zukunft des Tierheims

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Hanne Kolb
Hanne Kolb © Red

Butzbach (sda). Um die Zukunft des Tierheims geht es – mit diesem Wissen sind einige Mitglieder des Tierschutzvereins kürzlich zur außerordentlichen Versammlung gegangen. Dort erfuhren sie: Der Verein hat einen Insolvenzantrag gestellt. Für das Tierheim gehen damit erhebliche Einschränkungen einher. Doch noch ist nicht alles verloren.

Wir haben einen Insolvenzantrag gestellt«, sagt Hanne Kolb. Seit Januar ist sie Vorsitzende des Butzbacher Tierschutzvereins, zu dem das Tierheim gehört. Vergangene Woche, wenige Monate nach ihrer Einführung, folgte eine nicht öffentliche außerordentliche Mitgliederversammlung. »Zukunft des Tierheims« stand auf der Tagesordnung. Doch auch wenn der Tierschutzverein zurzeit seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann: »Das Tierheim wird nicht geschlossen. Und es muss auch nicht das Ende des Vereins bedeuten.«

Im Moment stellt es sich so dar, dass die sogenannte Insolvenzantragsphase läuft, das Insolvenzverfahren jedoch noch nicht eröffnet worden ist, wie die zwei mittlerweile einzigen Vorstandsmitglieder Hanne Kolb und Nicole Kegel erklären. Das heißt: Es gibt noch eine Chance, die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. »Wir tun alles dafür, um aus dieser Situation herauszukommen«, sagt Kolb.

Wie dem Verein von einem Sachverständigen mitgeteilt worden sei, habe es schon vor drei Jahren Probleme beim Begleichen der Rechnungen, wie Tierarztkosten, Instandhaltungskosten oder Futterkosten, gegeben. Damals sei eine Zahlungsunfähigkeit jedoch durch eine »außergewöhnliche Spende« sowie zwei Erbschaften abgewendet worden. Doch auf solche Einnahmen kann ein Verein nicht bauen. Im Tierheim fehlt es an allen Ecken. Der Verein finanziere sich ausschließlich durch Spenden, staatliche Unterstützung gibt es nicht, 1000 Euro kommen monatlich von der Stadt – die sogenannte Fundtierpauschale. Dafür geht der Verein die Verpflichtung ein, Fundtiere im Bereich der Stadt aufzunehmen und für mindestens ein halbes Jahr zu beherbergen, wenn sich kein Besitzer meldet.

Um den Verein und das Tierheim zu retten, werden Spenden gebraucht. Der Verein hat etwa 450 Mitglieder, der Mindestbeitrag beträgt 24 Euro im Jahr – das reicht nicht. Deswegen bat Kolb in der Sitzung vergangene Woche, die Mitglieder um langfristige weitere Spenden. »Wenn jedes Mitglied circa 5 Euro im Monat für einen gewissen Zeitraum spenden würde, dann wären das bereits 2250 Euro monatlich.

« Viele Mitglieder, erzählt Kolb, haben bereits ihre Bereitschaft signalisiert. Zudem habe sich eine Gruppe gebildet, die mit Spendendosen durch Butzbach gehen möchte und an Haustüren für den Tierschutz sammeln wird.

Doch mit der Erhöhung der Einnahmen alleine ist die Insolvenz noch nicht abgewendet. Deswegen müssten zusätzlich die Ausgaben reduziert werden, und das, sagt Kolb, ist nur durch die Verkleinerung des Tierheims möglich. Denn gerade die Nutztiere, die viele Jahre eine Bleibe im Himmrichsweg gefunden haben, seien ein enormer Kostenfaktor: Schafe, Schweine, Ziegen – die meisten von ihnen seien alt und chronisch krank, ihre Pflege beanspruche Zeit, hohe Kosten und Fachwissen. Zum Beispiel die Hufpflege oder die Schafschur. Unter diesen Umständen bezeichnet Kolb es als großes Glück, dass sich ein neues Heim für die rund 40 Nutztiere gefunden hat: Mit der Hilfe des Landestierschutzverbandes seien sie an den Tierhilfeverein Keller-Ranch in Weiterstadt vermittelt worden, ein Gnadenhof, der etwa 300 Tiere beherbergt.

Doch es sind nach wie vor viele Katzen, Hunde, Meerschweinchen oder Ratten im Tierheim untergebracht. Auch hier müsse der Bestand verringert werden, sagen Kolb und Kegel.

Aber nicht nur Tiere sind ein Kostenfaktor des Vereins, auch das Personal muss bezahlt werden. Da gibt es zum Beispiel die Tierheimleiterin Vanessa Jäger, die mit einer 30- Stunden-Woche eine Teilzeitstelle wahrnimmt (»Auch wenn sie 50 Stunden da ist.«). Zudem gibt es einige Mini-Jobber. Im Bereich Personal seien bereits einige Stellen gekürzt worden.

Der Tierschutzverein sei auf Ehrenamtliche angewiesen, solche, die sich langfristig bereit erklären, gewisse Aufgaben wahrzunehmen, etwa die Reinigung der Räume und des Geländes, aber auch Helfer, die handwerkliche Maßnahmen übernehmen.

»Wir tun wirklich alles, um das Ruder herumzureißen«, sagt Hanne Kolb. Dass das Tierheim geschlossen werden muss, mag sie sich gar nicht vorstellen. (Fotos: Archiv)

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