Amelie Polleichtner (l.) und Ela Samesreuther sorgen quasi im Team für die Frauenquote.
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Amelie Polleichtner (l.) und Ela Samesreuther sorgen quasi im Team für die Frauenquote.

Online-Versteigerung

Sechs Handwerker bauen sechs Unikate für den guten Zweck

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Treffen sich sechs handwerklich begabte Leute im Internet… Ein paar Monate später hat jeder ein Unikat gebaut - vom Kaufmannsladen bis zum Couchtisch. Auch die Butzbacherin Amelie Polleichtner gehört zum Team.

Im Sommer kam das Paket mit den Kupferrohren. Amelie Polleichtner überlegte. Kupferrohre also - was lässt sich damit bauen? Sie machte Pläne, zeichnete, und schließlich war er fertig: der Entwurf für ihren Kinderkaufmannsladen. Damit machte sich die gelernte Schreinerin an die Arbeit. Die Verkleidung und die Regale zimmerte sie aus Holz, die Rohre dienten als Halterung. Dass es ausgerechnet Kupferrohre waren, die sie verbauen musste, liegt an dem Projekt: Sie und fünf weitere Handwerker (sowohl hauptberufliche als auch Hobbytüftler) aus ganz Deutschland haben es für den guten Zweck auf die Beine gestellt hat. Das Ziel: Alle bauen ein Möbelstück, das schließlich versteigert werden soll. Die Herausforderung dabei: Jeder bekommt einen Werkstoff von einem der anderen zugeschickt.

Die Arbeiten an den Möbelstücken sind mittlerweile fertig. Tische sind dabei, Regale, eine Deckenlampe. Amelie Polleichtners Kaufmannsladen ist genau so geworden, wie sie es sich vorgestellt hatte.

Die 24-jährige Butzbacherin ist gelernte Schreinerin. Handwerkliches Arbeiten habe ihr schon immer Spaß gemacht. "Als kleines Kind habe ich mich auf Baustellen pudelwohl gefühlt." Daher war nach der Schule schnell klar, dass sie zuerst einmal ein Handwerk lernen möchte. Danach studierte sie, mittlerweile arbeitet sie als Bauingenieurin in einem Büro. Aber: "Handwerken ist mein Ausgleich."

Anfang des Jahres begann sie, einige ihrer Schreinerarbeiten auf der Online-Plattform Instagram zu posten. Und kam recht schnell mit anderen Handwerkern in Kontakt. Irgendwann, erzählt sie, bekam sie eine Nachricht: "Hey, wir planen ein Projekt, bist Du dabei?"

Zuerst war es eine Fünfergruppe, neben Amelie Polleichtner waren noch vier Männer im Team (aus Siegen, Dortmund, Hannover, Hamburg und Berlin). Dann sprach die Butzbacherin eine Handwerkerfreundin aus Lich an, Ela Samesreuther - "sie ist hauptberuflich quasi eine selbstständige Allrounderin."

"Wir sind sechs ganz unterschiedliche Leute", sagt Amelie Polleichtner. "Aber uns verbindet alle die Liebe zum Handwerk."

Erlös geht an Kinderhospiz

Mit der Planung rund um das Projekt nahm die Sache schnell Form an. Schon bald waren die Rahmenbedingungen geklärt: Die Versteigerung der Möbelstücke soll für einen guten Zweck sein. Die Gruppe einigte sich darauf, dass die Einnahmen zu 100 Prozent der Bärenherz-Stiftung zukommen sollen, die ein Kinderhospiz in Wiesbaden betreibt. Die Versteigerung beginnt am Freitag und endet am Sonntag. Dazu werden Bilder des jeweiligen Stücks gepostet, und wer mitbieten möchte, kann über die Kommentarfunktion seinen Betrag eingeben.

Einziger Nachteil: Mitmachen kann nur, wer einen Account bei Instagram hat. Aber, sagt Amelie Polleichtner: "Wir hoffen, dass die Leute kreativ werden" - also zum Beispiel Bekannte oder Verwandte fragen, die einen Account haben, ob sie stellvertretend bieten können. Einen Versuch sei es jedenfalls wert, und ausbaufähig sei die Aktion ohnehin. "Unser Ziel ist es, dass das keine einmalige Sache ist. Vielleicht wird unsere Gruppe ja beim nächsten Mal größer."

Spaß habe die ganze Aktion sowieso gemacht. Vor allem die Idee mit dem gegenseitigen Zuschicken der Materialien: Per Los hatten die Gruppenmitglieder entschieden, wer wem etwas schicken muss. Die Kupferrohre, die letztlich in Butzbach angekommen sind, kamen aus Berlin. Ein anderer Teilnehmer hat einen Fichtenbalken verschickt. Amelie Polleichtner hat per Los Freundin Ela Samesreuther gezogen: Sie hat Furnier bekommen, mit dem sie einen Tisch verziert hat.

Nun warten die sechs Erbauer gespannt, für wie viel Geld ihre Stücke verkauft werden. "Wir trauen uns alle nicht, es auszusprechen, damit wir nicht enttäuscht werden. Aber wir haben schon große Hoffnungen."

Die Versteigerung:

Am Freitag, 27. November, beginnt die Online-Versteigerung auf Instagram (www.instagram.com/makeitmyway_official). Fotos der Herstellung mit schweren Maschinen sind dort ebenfalls zu sehen. Die Versteigerung endet am Sonntag, 29. November, um 20 Uhr. Wer keines der Stücke haben möchte, die Aktion aber unterstützen will, findet auch einen Link zum Spendenkonto.

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