Seit 30 Jahren sind Jochen Mühl und seine Frau Birgit begeisterte Hundeschlittensportler. Ihre Huskys leben in einer großen Zwingeranlage mit Freigang und Zutritt zum Wohnhaus.
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Seit 30 Jahren sind Jochen Mühl und seine Frau Birgit begeisterte Hundeschlittensportler. Ihre Huskys leben in einer großen Zwingeranlage mit Freigang und Zutritt zum Wohnhaus.

Husky-Camp

Schlittenhundeführer in Butzbach vermitteln Faszination für Huskys

  • VonLarissa Wolf
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Jochen Mühl ist Schlittenhundeführer. Gemeinsam mit seiner Frau Birgit vermittelt er im Husky-Camp in Butzbach die Faszination für einen ganz besonderen Hund.

Butzbach – Das Schleusentor öffnet sich ganz ohne Quietschen. Auf der anderen Seite stehen Huskys mit aufmerksamen Augen, die aufgeregt mit dem Schwanz wedeln und den Besuch herzlich begrüßen. »Das sind alles Schmuser«, sagt Jochen Mühl. Der 52-Jährige und seine Frau Birgit betreiben seit 2012 das Husky-Camp Butzbach im Stadtteil Hausen-Oes. Ihr Team: neun Siberian Huskys.

Die Hunde fordern ihre Kuscheleinheit ein. Auch in der gemütlichen Stuga, einer schwedischen Holzhütte, lassen sie nicht von Mühl ab. Schnell wird klar: Die Huskys sind für Mühl eine Lebensaufgabe. »Birgit ist mit Schlittenhunden groß geworden. Wir machen den Sport beide seit über 30 Jahren«, sagt er. Mit seinen Huskys sei er bereits durch Finnland, Schweden und an der russischen Grenze entlang gefahren. »Das ist die Faszination daran. Mit Schlittenhunden kommt man hin, wo man sonst nie hinkommen würde.«

Butzbacher Husky-Camp: Gespannfahrten nur unter 12 Grad

Der Husky selbst sei verhältnismäßig pflegeleicht. »Der Dackel meiner Familie damals war anstrengender«, sagt Mühl und lacht. Wo andere mit ihren Hunden Gassi gehen, spannt er seine vor den Übungswagen und fährt eine Runde Richtung Hausbergturm. »Wir fahren bis 12 Grad. Sonst überhitzen die Hunde«, erklärt Mühl. Das Tierwohl stehe immer an erster Stelle.

Der Übungswagen wiegt etwa 100 Kilo. »Mit Gast und mir sind es ungefähr 250.« Mühl wählt zunächst sein Team aus, denn jeder Husky ist für eine andere Position ausgebildet. »Vorne haben wir zwei Leader, die Leithunde. Das sind meistens Weibchen, weil die Mädels schlauer sind«, sagt Mühl grinsend. Dabei komme es auf Wesensstärke, aber auch auf die Dominanz des Tieres an. Die Leader müssen nämlich später seine Kommandos für die Richtung einwandfrei ausführen können.

»In der Mitte haben wir die sogenannten Swing-Dogs. Die sind hauptsächlich für das Ziehen des Wagens zuständig«, erklärt Mühl. Und ganz hinten? »Die zwei hinteren Hunde sind genauso wichtig wie die Leader, die Wheel-Dogs. Die beiden sind die stärksten und kräftigsten im Team und sorgen dafür, dass man gut um die Kurve kommt.«

Butzbacher Husky-Camp: Von null auf 25 km/h in einer Sekunde

Zusammen mit seiner Frau Birgit zieht Mühl den Hunden bunte Geschirre an. Da passiert etwas, das man vom eigenen Hund kennt, wenn man die Leine in die Hand nimmt: Die Freude steigt. Und auch der Geräuschpegel. »Das ist noch viel besser, wenn du in Schweden zwei Teams mit 20 Hunden gleichzeitig fertig machst«, sagt Mühl. Das Bellen verstärkt sich immer mehr. Die Hunde jaulen, tänzeln, sind aufgeregt. Vor Beginn der Fahrt gibt es noch einen Helm und eine Schutzbrille. Wofür die ist? »Ein Husky zieht bis zu 200 Kilo aus dem Stand, ein ganzes Team also das Vielfache. Wenn ich das Kommando gebe, gibt es Tempo«, sagt Mühl. Dabei können Steine von den Pfoten aufgewirbelt werden, und die sollen nicht in den Augen landen.

Nach etwa fünf Minuten sind alle Huskys startklar, das Gespann ist jetzt etwa 25 Meter lang. Mühl stellt sich auf den Wagen, und seine Frau öffnet das Tor zum Wald. Plötzlich verstummt das Jaulen, das Bellen. Die Hunde werden ruhig und warten auf das Zauberwort. »Okay!«, ruft Jochen Mühl, und es geht ruckartig los. Die Hunde rennen in den Wald. Spätestens jetzt spürt man als Gast die Kraft der Tiere: Man wird in den Sitz gedrückt, hält sich fest, balanciert Unebenheiten im Boden aus. Der Wind pfeift, schlägt einem ins Gesicht, und auch das ein oder andere Steinchen kommt einem entgegen. Von null auf 25 km/h in einer Sekunde.

Butzbacher Husky-Camp: Wandertouren auf den Hausberg

Fokussiert folgen die Huskys Mühls Kommandos, die Ohren drehen sich nach seiner Stimme. Man merkt deutlich: Er ist im Rudel der Chef. Wenn der Wagen im vollen Tempo um eine scharfe Kurve driftet, wird der Griff um die Armlehne unweigerlich etwas fester. »Der Hund ist nicht geboren, um schnell zu laufen«, erzählt Mühl. »Er ist auf Ausdauer angelegt.« Mit den Huskys könne man Tagestouren bis 60 Kilometer zurücklegen. Bei den Wandertouren des Husky-Camps, wo der Gast am Bauch mit einem Gurt mit dem Hund verbunden ist und von ihm gezogen wird, könne man so in 20 Minuten auf dem Hausberg sein.

Zurück im Camp hecheln die Hunde. Das Paar spannt sie aus, und der erste Anlaufpunkt ist die Wasserstelle. »Je kälter es ist, desto schneller sind sie«, sagt Mühl. Für ihn sei eine Hundeschlittenfahrt vergleichbar mit Bungee-Jumping, Marathon laufen oder Harley fahren. »Einmal im Leben sollte das jeder mal machen.«

Butzbacher Husky-Camp: Freie Termine ab 2022

Jochen Mühl ist einer der Mitbegründer des Deutschen Schlittenhundesportclubs für Langstreckenrennen und Touren (DSLT), bei dem viele mit dem Sport beginnen. »So kann man sich ausprobieren und in die Szene reinwachsen«, sagt er. Um die Hunde aber erst einmal kennenzulernen und etwas über den Sport zu erfahren, ist das Camp die richtige Anlaufstelle.

Neben Gespannfahrten und Wandertouren stehen auch Kindergeburtstage und ein Midsommar-Fest auf dem Programm. Freie Termine gibt’s wieder ab 2022, weiter Infos auf der Internetseite unter www.husky-camp.de.

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