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Unwetterschäden

Schlammige Bäche zerstören Familienglück in Hoch-Weisel

  • vonMarion Müller
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Hoch-Weisel wurde in der Nacht zum Sonntag besonders vom Unwetter getroffen. Zwei junge Familien hatten sich hier erst vor Kurzem ihren Traum vom eigenen Haus erfüllt.

Überall an den Wänden sind braune Ränder zu sehen, etwa 20 Zentimeter vom Boden. So hoch hatte das Wasser in der Nacht von Samstag auf Sonntag im Keller der jungen Familie im Neubaugebiet in Hoch-Weisel gestanden. Die Folgen sind am Montag noch zu sehen - und zu spüren. Auf dem Weg hinunter in den Keller schlägt einem die Luftfeuchtigkeit bereits entgegen. Von der Decke tropft das Wasser. »Es ist wie in einer Tropfsteinhöhle«, sagt der junge Familienvater. Das Wasser habe so hoch an der Außenfassade gestanden, dass es sich zwischen Erdgeschoss und Keller gedrückt habe. »Ich hoffe, dass wir hier wohnen bleiben können mit den zwei Kindern.«

Unwetter Hoch-Weisel: Wasser strömt durch das Kellerfenster

Die Familie ist erst im vergangenen Oktober in das Haus eingezogen. Die Handwerker hatten ihre Arbeit in der vergangenen Woche beendet. Und nun das.

Ein Techniker schaut am Montag nach der Heizung, während der Vater die Schäden begutachtet. Die Elektronik hat was abbekommen, so das vorläufige Fazit.

Die junge Familie wurde von den Wassermassen im Schlaf überrascht. »Wir lagen im Bett und gegen 22.30 Uhr ist das Babyphone ausgegangen«, erzählt der junge Mann. Der Strom sei ausgefallen, bei den Nachbarn jedoch nicht. Also sei er in den Keller gegangen: »Da habe ich den Wasserfall schon gehört.«

Das Wasser strömte durch das Fenster im Heizungskeller, den einzigen Zugang. »Unser Haus steht in einer weißen Wanne«, erklärt der Familienvater. Der Beton ist wasserundurchlässig. Nicht nur der Heizungsraum stand unter Wasser, auch der Vorratskeller mit Tiefkühlschrank und das Büro des Vaters samt Computer, Akten, Fotoalben und Urkunden - das ist vermutlich alles Schrott. Der stapelt sich jetzt in der Garage.

Unwetter in Hoch-Weisel: Auch Fotoalben und persönliche Erinnerungsstücke sind dem Wasser zum Opfer gefallen 

Ähnlich sieht es bei Familie Deiß aus. Das Haus im Ortskern haben sie dreieinhalb Jahre renoviert und den Keller ausgebaut - alles in Eigenregie. Die letzten Innenarbeiten waren gerade erst fertiggestellt worden. Nun stauen sich in der Hofeinfahrt Sofa, Matratzen, Teppiche und mehr. Aber auch Spielsachen der Kinder, Fotoalben und Erinnerungsstücke aus der Jugend sind dem Wasser zum Opfer gefallen. »Wir haben es erst am nächsten Morgen gemerkt«, berichtet Franziska Deiß. Sie und ihr Mann seien durch die Rufe der Kinder wach geworden. Ihr Schlafzimmer befindet sich im ausgebauten Keller. Als sie aufgestanden sei, habe der Boden etwas nachgegeben. »Ich habe mir nichts dabei gedacht«, sagt die junge Mutter. Als ihr Mann aus der Dusche gekommen sei, habe er beklagt, dass es kein warmes Wasser gab. Daraufhin gingen sie in den Keller - und da kam das Wasser schon aus der Tür des Heizungskellers.

»Ich habe eigentlich nur geheult«, erzählt Franziska Deiß. Es sei niederschmetternd: »Wenn man immer spart und sich freut, mit einem gewissen Budget voranzukommen - und dann zerstört ein Abend mit Regen das alles.« Sie habe am Sonntag nichts tun können und unter Schock gestanden. »Man ist irgendwann an einem Punkt, wo man es selbst nicht mehr schafft.«

Unwetter Hoch-Weisel: Kostenlose Entsorgung des Sperrmülls beantragt 

Am Montag kann sie aber auch etwas Positives sehen: »Man sieht, wie viele tolle Freunde und Familie wir haben«, betont Deiß strahlend. Sofort seien über zehn Helfer angerückt und hätten am Sonntag mit angepackt.

Den Boden im Kellerflur haben sie bereits herausgerissen. Die Heizung ist vermutlich hinüber. Auch die Matratzen im Spielzimmer der Jungs sind unbrauchbar, die Rigipswände mit Wasser vollgesogen. Das Mauerwerk ist ebenfalls nass. »Das bereitet uns Sorgen«, sagt Deiß. Risse ziehen sich bereits durch eine Wand sowie die Mauer, die den Garten umschließt. So ist vermutlich auch das Wasser ins Haus gelangt: »Der Garten hat die Wassermassen nicht mehr aufnehmen können«, erklärt Deiß. Die Feuerwehr vermute, dass das Wasser durch die Schächte und den Schornstein hereingekommen sei.

Beide Familien hoffen nun, dass die Schäden nicht allzu groß sind und schnell beseitigt werden können. Ortsvorsteherin Sigrun Schneider habe bei der Stadt beantragt, dass die Familien ihren Sperrmüll kostenfrei entsorgen können.

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