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Der Kita-Betrieb in den städtischen Einrichtungen ist reduziert worden (Symbolbild).

Auswirkungen von Corona

„Schlichtweg existenzbedrohend“: Kita reduziert Betreuungszeiten und versetzt Mutter damit in Panik

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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In Butzbach kürzt eine Kita die Betreuungszeiten zusammen. Hintergrund: Personalmangel und Corona. Eine alleinerziehende Mutter hat nun Angst, im schlimmsten Fall ihren Job zu verlieren.

Butzbach – Es wird eine »organisatorische Herausforderung« - so steht es auf dem Zettel in der Butzbacher Kita. Sarah Bloemeke hingegen spricht von einer Existenzbedrohung. Der Kita-Betrieb in den städtischen Einrichtungen ist reduziert worden. Das Nachmittagsmodul (bis 17 Uhr) wird, so die Ankündigung, bis Ende November nicht angeboten. Die Betreuung endet um 15 Uhr.

In einem Aushang in der Kita Farbenfroh in Griedel, in der die vierjährigen Zwillinge von Bloemeke betreut werden, wird die Reduzierung erklärt: Der Grund dafür sei das Pandemiegeschehen; die personellen Kapazitäten erforderten eine Reduzierung der Betreuungszeit.

Kita in Butzbach schließt früher: Keine Notbetreuung möglich

»Ebenso kann dadurch sichergestellt werden, dass weiterhin Infektionsgemeinschaften innerhalb einer Einrichtung gebildet werden«, heißt es. Denn nur durch die Bildung von Gruppen, also den sogenannten Infektionsgemeinschaften, könne man im Falle einer Infektion das Betreuungsangebot aufrechterhalten.

Leider, heißt es abschließend, sei es nicht möglich, eine Notbetreuung anzubieten.

Als Reaktion auf die Nachricht hat Bloemeke nun einen Offenen Brief an Bürgermeister Michael Merle geschrieben. In dem Brief schildert die alleinerziehende Mutter von vierjährigen Zwillingen ihre Situation und erklärt, warum die Betreuungsreduzierung ihre Existenz bedrohe. »Ich bin berufstätig, parallel dazu absolviere ich ein Fernstudium, um die Existenz meiner kleinen Familie auch langfristig sichern zu können. Wir haben keine Familie im näheren Umfeld, und ich bin alleine für die Betreuung der Kinder verantwortlich«, schreibt Bloemeke.

Kita in Butzbach reduziert Betreuung: „Angst, alles zu verlieren“

Normalerweise gingen ihre Kinder von Montag bis Freitag von 7 bis 17 Uhr in die Kita. Durch die Reduzierung fehlten der Mutter nun täglich zwei Stunden - »20 Prozent der vereinbarten Betreuungszeit, die ich dringend benötige. In vielen Unternehmen gibt es gerade Entlassungen. Jemand, der sein Arbeitspensum nicht vollumfänglich erfüllt, ist wahrscheinlich der Nächste.«

Sie schreibt zudem: »Wenn unsere Kitas übernächste Woche gänzlich geschlossen werden, was ist dann? Herr Merle, ich habe Angst. Angst davor, dass meine Kinder und ich alles verlieren. Den Job, unser Zuhause.«

Sie fragt in dem Brief, wie sie in den kommenden Wochen vonseiten der Stadt unterstützt werde. Zwar passe die Stadt die Gebühr für die Betreuung an, konkret bedeute das aber nur, dass das Nachmittagsmodul von 56 Euro pro Kind und Monat wegfalle. »Das reicht aber nicht für einen Babysitter, für den 12 Euro netto pro Stunde fällig werden«, schreibt Bloemeke. »Für vier Wochen wären das Mehrkosten in Höhe von 424 Euro netto. Ein Zusammenschluss von mehreren betroffenen Familien ist denkbar. Für den Fall, dass jeden Tag eine Familie die Kinder der anderen mitbetreut, hieße das, es müssten sich fünf Haushalte gemeinsam in einer Privatwohnung aufhalten. Unmöglich.«

Appell: Einzelfällen Gehör aus Butzbach verschaffen

Auch das Argument zum Thema Infektionsgemeinschaften greift sie auf: In der Kita Farbenfroh sei räumlich bedingt ohnehin keine Bildung von solchen Gemeinschaften möglich. Dementsprechend bestehe zumindest in der Griedeler Kita auch kein erhöhter Personalbedarf durch die Trennung von Gruppen.

Abschließend schreibt Bloemeke: »Ich appelliere an Sie, verschaffen Sie den ›Einzelfällen‹ Gehör und finden Sie gemeinsam mit den Betroffenen - dem Personal der Einrichtungen, Erziehungsberechtigten und Elternbeiräten - eine praktikable Lösung, mit der alle gut und sicher während dieser besonderen Situation leben können.«

Bloemeke berichtet, sie habe sich nun mit anderen betroffenen Eltern sowie mit der Initiative »Familien in der Krise« zusammengeschlossen, um Lösungen für den Umgang mit der Situation zu finden. Das Problem des Personalmangels sei kein neues. Aber im vergangenen halben Jahr sei nichts geschehen: So sei zwar gemäß der Verordnung zur Bekämpfung des Virus gesetzlich die Regelung aufgehoben worden, dass nur Fachkräfte in Kitas eingestellt werden dürften. »Aber auch dahingehend ist hier nichts passiert.«

Vonseiten der Stadt gibt es bisher noch keine weiteren Auskünfte zu der Situation. Eine Stellungnahme zu dem Thema ist aber angekündigt.

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