Dr. Matthias Görlach (l.) und Hubert Meyer (r.) mit dem Referenten Ralf Eichelmann. FOTO: PV
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Dr. Matthias Görlach (l.) und Hubert Meyer (r.) mit dem Referenten Ralf Eichelmann. FOTO: PV

SPD nimmt Artenschutz in den Blick

  • vonred Redaktion
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Butzbach(pm). Zu einem Vortrag "Intensive Landwirtschaft und Artenschutz - wie verträgt sich das?" hatte die SPD Butzbach kürzlich eingeladen. Zahlreiche Gäste und Fachleute waren dazu ins Dorfgemeinschaftshaus Ostheim gekommen. Ziel des Vortrags war es, Möglichkeiten der Verbesserung des Artenschutzes in der Wetterau aufzuzeigen, wie die Partei mitteilt.

"Gibt es noch genügend Wohnraum für die ›wilden‹ Tiere in unserer Heimat?" Mit dieser Frage eröffnete Vizevorsitzender Hubert Meyer den Abend und skizzierte das Spannungsfeld, in dem sich das Thema bewegt. Die Wetterau sei eine städtebaulich, gewerblich und industriell sowie landwirtschaftlich intensiv genutzte Landschaft. All diese Nutzungsarten konkurrierten miteinander. "Was bleibt da noch für den Arten- bzw. den Wildlebensschutz?", fragte Meyer.

Hoher Konsum von Lebensmitteln

Ralf Eichelmann, Fachstellenleiter Agrarförderung und Agrarumwelt beim Wetteraukreis, eröffnete seinen Vortrag, indem er weitere Faktoren in diesem Spannungsfeld nannte. Durch den hohen Lebensmittelkonsum in Deutschland brauchen wir viel mehr Ackerland, Wiesen und Gewässer, als uns zur Verfügung stehen. Dies führt zu "verdecktem Hunger", da unsere Lebensmittelimporte zu einer Unterversorgung in den exportierenden Ländern führen. Die hiesigen Landwirte stehen unter Kosten- und Erfolgsdruck, weil sich ihre Herstellungspreise am Weltmarkt orientieren müssen. Die Europäische Agrarpolitik und geringe Gewinnmargen haben zu einer Erhöhung der Betriebsgrößen, der Produktivität und der Prozessoptimierung geführt. Wegen des hohen Hektarertrags sehen viele Landwirte in einer Umstellung auf den biologischen Landbau keine Lösung. Der durch die Monopolisierung im Handel herbeigeführte Preisdruck bei Lebensmitteln ist ein großes Hindernis für den Umweltschutz bzw. die extensive Landwirtschaft.

Es müsse dringend etwas für den Artenschutz im Ackerland getan werden, forderte Eichelmann. Denn die bisherigen "Greening"-Maßnahmen hätten den Staat Millionen gekostet, aber wenig gebracht. Denn die örtliche Festlegung der Flächen hänge weitgehend von der betrieblichen Entscheidung des Landwirts ab.

Dann führt Eichelmann die Zuhörer im Schnelldurchlauf von der letzten Eiszeit vor ca. 12 000 Jahren bis in die heutige Zeit. Noch vor etwa 200 Jahren warf die Ernte beim Ackerbau nur einen Bruchteil des heutigen Ertrags ab. Das hat laut Eichelmann vor allem hiermit zu tun: höherer Fruchtertrag durch Weiterentwicklung und Züchtung, bessere Bodenqualität durch richtige Düngung, Optimierung der Saat- und Erntetechniken, zweimalige Bestellung von Äckern, Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sowie Größe der Felder und Landmaschinen.

Die Größeneinheiten der Einzeläcker sehe er noch nicht als bedrohlich an. Vielmehr sei es die Durchrationalisierung der Landschaftsnutzung, die in ihrer Gesamtheit zu großem Artenschutzrückgang in den letzten Jahren geführt habe. Für die wild lebende Fauna blieben nur kleine Resträume und diese auch nur für begrenzte Zeit im Jahr. Hinzukomme das Problem der Raubtiere wie Füchse, Dachse und Elstern, die alle gesetzlich geschützt seien. Besonders die Waschbären machten den Bodenbrütern zu schaffen.

Was Kommunen tun können

Deshalb seien für ihn, so Eichelmann, drei Anforderungen an den kommunalen Artenschutz in der offenen Agrarlandschaft zentral: Der Naturschutz im Bereich des Wildtier- und Artenschutzes müsse einer langfristigen, systematischen Planung folgen. Als Vorbild nannte er die Stadt Reichelsheim. Außerdem sollten die Einzelmaßnahmen bestimmten Qualitätskriterien genügen, die den Schutzerfolg der Tierarten sicherstellen. Schließlich müsse jede Maßnahme für die betreffenden Tiere ganzjährig diese Eigenschaften sicherstellen: Futter, Schutz und Deckung, Brutmöglichkeit und Freillaufflächen. Es würde schon reichen, einen kleinen Prozentsatz an Acker- und Wiesenflächen für den Natur- und Artenschutz freizumachen, wenn diese hohe Qualitätskriterien erfüllten. Dadurch ließe sich ein Grundbestand an Arten sichern.

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