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Wie viel darf man noch ins Wohnmobil zuladen und was muss zu Hause bleiben? Die Waage im Hof der Butzbacher Polizeistation gibt Aufschluss.

Sicher unterwegs

Mit dem Wohnmobil in die Ferien: Das rät die Polizei

  • VonConstantin Hoppe
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Mit dem Start in die Ferien hatte der Regionale Verkehrsdienst der Polizei zum Check von Caravans und Wohnwagen nach Butzbach eingeladen. Für manche gab es Aha-Momente.

Langsam rollt ein Wohnmobil auf den Hof. Ein Beamter tritt an das Fahrzeug heran, wechselt ein paar Worte mit dem Fahrer. Kurz darauf rollt das Fahrzeug unter Anweisung auf eine bereitstehende Waage. Ist das Wohnmobil zu schwer beladen, müssen die Fahrzeugführer zumindest an diesem Freitag jedoch keine Strafe fürchten.

Mit dem Start in die Ferien hat der Regionale Verkehrsdienst der Polizei zu einem Check rund um Caravans und Wohnwagen auf den Hof der Butzbacher Polizeistation eingeladen. Gut ein Dutzend Teilnehmer hatte sich angemeldet. Ziel der Veranstaltung im Rahmen der bundesweiten Aktion »Safe Holiday«: Risiken erkennen, Fahrer sensibilisieren und damit letztlich für mehr Sicherheit auf der Straße sorgen. Das Service-Angebot der Polizei ist kostenlos.

Mittlerweile hat das Wohnmobil die Waage verlassen - jetzt wartet ein genauerer Blick der Polizisten auf die Ladung. Denn hier kann man viel falsch machen. Es gilt: Schwere Ladungsstücke nach unten, leichtere nach oben, um gefährliche Situationen zu vermeiden. Alles Gepäck muss zudem richtig gesichert sein, damit nichts verrutscht - eine Verlagerung des Schwerpunkts kann sonst schnell gefährlich werden. »Manche sitzen zum ersten Mal in einem Wohnmobil drin und machen sich gar keine Gedanken - aber Unwissenheit schützt vor Strafe oder Schaden nicht«, sagt Hauptkommissar Jürgen Sill vom Regionalverkehrsdienst.

Auch zusätzlich transportierte Fahrzeuge können ein Problem darstellen: »Viele nehmen E-Bikes mit und nutzen dafür die Aufhängung, die sie schon seit 20 Jahren haben - damals hat aber noch niemand an E-Bikes und deren höheres Gewicht gedacht.« Aber auch das reine Gewicht der Wohnmobile sei eine Herausforderung für unerfahrene Fahrer: Erfahrungsgemäß seien die mobilen Heime häufig überladen, weiß Sill. Denn meist bleibe weniger Spielraum für Ladung als man denke - und wenn man noch Essen, Getränke, weiteres Gepäck und Personen mit einrechne, bleibe meist kein Platz mehr für anderes.

Zu denjenigen die am Freitag den kostenlosen Service in Anspruch nehmen gehören Günther Findling und Kathrin Grezeschik-Findling aus Dorheim. Mit ihrem Wohnmobil planen sie dieses Jahr einen Urlaub an der Ostsee. Seit acht Jahren besitzen sie ihr Gefährt und waren unter anderem in Kroatien, Italien und den Niederlanden: »Normalerweise fahren wir ins Ausland - aber dieses Jahr geht das eben nicht«, erzählt Günther Findling.

Dass sich das Paar gut mit der Technik und den Anforderungen an ihr Gefährt auskennen, merken die Polizeibeamten am Freitag schnell: »Wie hoch ist denn das maximale Gewicht, das auf der Hinterachse sein darf?«, fragt Günther Findling, während sich die Polizisten das Vehikel genauer anschauen. Das müssen auch die Experten erst einmal nachschlagen.

Dass die Frage berechtigt ist, stellt sich nur wenige Minuten später heraus: Denn während das Gesamtgewicht des Wohnwagens noch einen Spielraum von 200 Kilo für Ladung aufweist, so ist die erlaubte Belastung auf der Hinterachse mittlerweile erreicht - die zusätzlich Ladung muss also im Frontbereich untergebracht werden.

Der Boom sorgt für Probleme

»Es macht schon Sinn, so ein Angebot anzunehmen«, meint Günther Findling im Gespräch. »Man kann sich so informieren, was noch alles in seinem Fahrzeug möglich ist und auch wichtige Tipps bekommen.« Gerade das Wiegen der einzelnen Fahrzeugachsen sei ihm besonders wichtig: »So kann man sich noch einmal genau anschauen, wie man das mit der Ladung auf dem Fahrzeug macht.« Für den Check haben seine Frau und er extra ihre Fahrräder auf das Wohnmobil geladen - im nächsten Urlaub wollen sie mit diesen unterwegs sein.

Ein paar Minuten später verlassen Findlings mit ihrem Wohnmobil den Hof der Polizeistation - ihrem Urlaub steht nun nichts mehr im Wege. »Camping erlebt seit einigen Jahren einen regelrechten Boom«, bemerkt Polizeipräsident Bernd Paul am Rande der Veranstaltung. »Immer mehr Menschen nehmen ihr Heim mit in den Urlaub. Die großen und häufig schweren Fahrzeuge und Anhänger erfordern ein anderes Fahrverhalten als mit dem Pkw und auch ein genaueres Augenmerk auf Ladung und Technik. »Weil wir wollen, dass die Bürgerinnen und Bürger sicher in den Urlaub starten und gesund und entspannt wieder zu Hause ankommen, machen wir dieses Angebot.«

Checkpoints

Reifen: Sie können durch das lange Stehen im Winter in Mitleidenschaft gezogen werden. Mehr als sieben Jahre alte Reifen gehören ersetzt.

Bremsen: Vor der ersten längeren Fahrt lohnt auch ein einfacher Bremstest auf der Straße. Greifen alle Bremsen noch gut? Wer nicht sicher ist, überlässt diesen Bereich des Fahrzeugs besser Fachleuten.

Beleuchtung und Batterien: Falls Teile der Elektrik oder Beleuchtung nicht funktionieren, kann das an einer defekten Sicherung oder Glühbirne liegen. Oder an oxidierten Kontakten. Hier hilft manchmal gutes Kontaktspray.

Schläuche: Der Tüv empfiehlt einen Blick auf die Komponenten der Gasanlage, insbesondere auf die Schläuche. Hier können Kälte und Alter Risse und Beschädigungen hervorrufen.

Anhänger: Wer einen hat, sollte einen Blick auf die Auflaufbremse werfen, rät der Tüv Süd. Tipp: Wohnwagen ankoppeln, Bremse anziehen, Kupplung kommen lassen und auf Funktion hin überprüfen. Die Schmiernippel der Auflaufbremse brauchen alle 1000 Kilometer etwas Schmierstoff. dpa

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