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Ziad Nweiser, seine Frau Teriz und Sohn Karam leben in Nieder-Weisel. Kürzlich ist Vater Ziad ins Hochwassergebiet gefahren, um zu helfen.

Schnelle Hilfe

In Ahrweiler angepackt: »Eine gute, aber auch bittere Erfahrung«

  • Sabrina Dämon
    VonSabrina Dämon
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In den Straßen liegen zerstörte Möbel. Die Fotos, die Ziad Nweiser aufgenommen hat, sind wenige Wochen alt und zeigen den Kreis Ahrweiler. Dort hat der gebürtige Syrer, der in Butzbach lebt, nach dem Hochwasser geholfen.

Schon beim Nachrichtenschauen wusste Ziad Nweiser, was zu tun ist. Die Bilder von den zerstörten Häusern in den Hochwassergebieten, von den vielen Menschen, die ihr Zuhause verloren hatten, überall Schlamm. »Ich habe das gesehen und gedacht: Ich muss helfen«, erzählt der 59-jährige Syrer.

Er sprach mit seiner Familie, mit seinen Freunden und den Nachbarn. »Alle fanden, es ist eine gute Idee.« Gemeinsam schauten sie im Internet, wo und wie er im Hochwassergebiet anpacken kann. Über die Initiative »Helfer-Shuttle«, die zwei Unternehmer aus der betroffenen Region schnell ins Leben gerufen hatten, meldete er sich als Helfer an.

Tags darauf, um vier Uhr morgens, startete Ziad Nweiser sein Auto zu Hause in Nieder-Weisel und machte sich auf den Weg Richtung Rheinland-Pfalz. »Ich war zum ersten Mal in diesem Bundesland.« Der Ort, an dem sich die Helfer getroffen haben, lag ein ganzes Stück vom Einsatzort entfernt - »damit wir dort unsere Autos parken konnten und nicht im Weg stehen.« Denn, und das habe ihn sehr beeindruckt, es waren nicht nur ein paar wenige Autos: »Viele, viele Leute waren gekommen, um zu helfen.«

Vor Ort werden Gruppen eingeteilt, jede bekommt einen Einsatzort zugewiesen. Mit seiner Gruppe, sie sind an die 15 Helfer, geht es um 7 Uhr mit dem Shuttle-Bus nach Bad Neuenahr-Ahrweiler. »Dort war alles zerstört. So etwas habe ich noch nie gesehen.«

Der erste Einsatzort ist eine Klinik. »Der komplette Keller und das Erdgeschoss - alles war zerstört. Medizinische Geräte, Dokumente.« Dazwischen überall Matsch. Gerät für Gerät muss hinausgeschleppt und in einen der Container geworfen werden, von denen unzählige in den Straßen der Stadt stehen.

Eine kraftaufwendige Arbeit, doch, sagt Ziad Nweiser: »Wir Helfer hatten Kraft und Motivation, weil wir die Zerstörung beseitigen wollten. Wir haben nicht gemerkt, wie schnell die Zeit vergeht. Wir wollten nur weiterkommen.«

Er hat ein paar Fotos von den Tagen im Hochwassergebiet gemacht. Auf einem ist seine Gruppe zu sehen. Männer und Frauen mit Handschuhen und Schuhen voller Matsch stehen nach getaner Arbeit vor dem Eingang der Klinik. Auf einem anderen Foto ist ein Schlammberg zu sehen, daneben ein Haufen zerstörter Möbel.

Als der Klinikkeller und das Erdgeschoss leer geräumt waren, ging es zu einem Privathaus. Ein älterer Mann und eine Frau lebten dort, auch ihr Keller, erzählt Ziad Nweiser, war komplett überflutet worden. Nichts, was dort gestanden hatte, mehr brauchbar.

Vier Wochen ist all das nun her. Er sagt, er ist einerseits glücklich, dass er unkompliziert helfen konnte. Auch, wie er sagt, weil er gerne etwas zurückgeben möchte: »Vor sechs Jahren, als ich aus Syrien nach Deutschland gekommen bin, haben mir die Menschen hier das Gefühl gegeben, dass ich willkommen bin, und mir geholfen.« Er erzählt von seinen deutschen Freunden, seinen Nachbarn, wie sie ihn auch jetzt, bei seinem Entschluss, ins Hochwassergebiet zu fahren, unterstützt haben. Und von seiner Arbeit bei der Firma Link in Ostheim. »Ich bin sehr froh, dort zu arbeiten.« Wegen all dieser guten Erfahrungen, sagt er, versucht er so gut es geht etwas zurückzugeben.

Seine Erfahrung als Helfer im Kreis Ahrweiler sei eine gute, zugleich aber eine bittere gewesen. Alle haben miteinander gearbeitet, angepackt, jeder hat sein Bestes gegeben; »doch um diese Erfahrung gemacht zu haben, ist vorher etwas Schlimmes passiert«.

Nächsten Sommer, sagt er, möchte er noch einmal dorthin fahren. »Ich will sehen, wie es sich wieder zum Guten entwickelt hat, und dann möchte ich das alte Bild von der Zerstörung aus meinem Kopf löschen.«

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