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Camper-Vans

Immer der Sonne hinterher

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Mit Urlaubsplanungen ist es zurzeit nicht so einfach. Buchen oder nicht? Die Unsicherheit ist groß. Philipp Jaenisch aus Butzbach glaubt deswegen, dass sich diesen Sommer viele für Camping entscheiden.

Einmal ist die ganze Familie zum Hotelurlaub aufgebrochen. Ungefähr 20 Jahre ist das her. Danach nie wieder, erzählt Philipp Jaenisch. »Das war nichts für uns.« Er und seine Familie sind typische Camper: Sechs Wochen in den Sommerferien mit dem Wohnmobil durch die USA, durch Australien oder durch Kanada. Mit solchen Urlauben verbindet der Butzbacher viele schöne Erinnerungen. Das schönste Camping-Erlebnis, erzählt er, ereignete sich aber später, als er alleine unterwegs gewesen ist. Bei einem Naturschutz-Projekt auf der griechischen Halbinsel Peloponnes - alle Teilnehmer haben drei Monate gecampt - hat er eine Frau aus der Türkei kennengelernt. Und sie geheiratet.

Heute leben die beiden in Butzbach, und er hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Im ehemaligen Bamag-Gebäude hat Philipp Jaenisch Geschäftsräume gemietet und bietet dort Dachzelte an, sowohl zum Verkauf als auch zur Vermietung. Vergangenes Jahr ist dann ein weiterer Geschäftszweig hinzugekommen: Vanberry. Philipp Jaenisch vermietet Camper-Vans, zum Beispiel VW-Busse. Und er glaubt: »2021 wird das Jahrhundertjahr des Campings.«

Wegen Corona, den Maßnahmen und der ständig wechselnden Situation haben schon vergangenen Sommer viele auf Fernreisen verzichtet und sind stattdessen mit Wohnmobil oder Wohnwagen in den Urlaub gefahren.

Die Branche verzeichnete deswegen schon vergangenes Jahr mehr Umsatz als sonst. »Viele, die sich vorher noch nie mit dem Thema Camping auseinandergesetzt haben, haben es ausprobiert.« Oft auch innerhalb Deutschlands - »es muss nicht immer das Ausland sein, in Deutschland gibt es auch viele schöne Ecken«.

Das Besondere am Urlaub mit dem Camper, wie der Butzbacher sagt: »Man kann immer der Sonne hinterherreisen; man fährt die Nacht durch und ist morgens in einem anderen Land.« Und, sagt er: Jeder kann seinen Urlaub gestalten, wie er ihm am besten gefällt. Wer gerne neue Leute kennenlernen möchte, finde auf dem Camping-Platz schnell Anschluss; wer es lieber ruhig mag, könne sein Kurzzeit-Zuhause dort abstellen, wo sonst niemand ist. So oder so: »Jemand, der vorher einen Plan gemacht hat, wird merken, dass der sich schnell ändert.« Philipp Jaenisch hat das selbst häufig gemacht: einfach losfahren und spontan entscheiden, wie und wo es weitergeht. »Und oft ganz anders als vorher geplant.«

Wie viele Kilometer er in seinem Leben schon in Wohnmobilen zurückgelegt hat? »Viele«, sagt er. »Bestimmt um die 80 000.«

Klar, sagt er: Camping bedeutet Einschränkungen. Die fahrbare Unterkunft ist klein, man muss sich auf das Nötigste beschränken und gerade bei Familienurlauben damit klarkommen, dass man auf engem Raum zusammen ist. Dazukommt die Selbstversorgung: Muss man auch mögen. »Das ist eben Geschmackssache.«

Mit einem Wagen begonnen

Dass Philipp Jaenisch sich nun in der Branche selbstständig gemacht hat, hat sich wegen seiner persönlichen Leidenschaft fürs Campen ergeben. Vor einigen Jahren hat er sich einen Wohnwagen gekauft, hat diesen aber, wenn er selbst nicht damit unterwegs gewesen ist, vermietet. »Ich hatte eine Web-Seite, und so kam eins zum anderen.« Zuerst spezialisierte er sich auf Dachzelte. Vergangenes Jahr im Februar kündigte er schließlich seinen Job - er war als stellvertretender Filialleiter in einem Baumarkt tätig - und gründete Vanberry.

Einziger Nachteil an der Selbstständigkeit: Philipp Jaenisch ist kein Wintercamper. Das hat er gemerkt, als er drei Wochen mit den Gebirgsjägern bei der Bundeswehr bei minus 25 Grad im Gebirge zelten musste. Nur kann er im Sommer nun nicht mehr selbst in den Urlaub fahren; diese Zeit ist für sein Geschäft die Hauptsaison.

Ob er deswegen Winter-Pauschalurlaub macht? Eher nicht. Camper kann man sich überall auf der Welt mieten - und immer der Sonne hinterherreisen. FOTOS: PV/SDA

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