Hortschließung nicht vor Ganztagsbetreuung

Butzbach (en). Dass ihr Protest kein Umdenken in den Köpfen der Kommunalpolitiker bringen würde, war den meisten der rund 50 Frauen und Männer klar, die am frühen Donnerstagabend lange vor Beginn der Parlamentssitzung zu einer zweiten Demo gegen geplante Kita- und Hortschließungen am Bürgerhaus Aufstellung nahmen.

Doch mit einem Zusatz zum Kita-Konzept kamen CDU, SPD und Bürgermeister Michael Merle zumindest den Kämpfern für die Kernstadt-Horte ein Stück entgegen. Gleichwohl wurde das umstrittene Konzept inclusive der Schließungen mit der Stimmenmehrheit der Großen Koalition verabschiedet.

Nachdem zunächst die Eltern der Fauerbacher, Ostheimer und Ebersgönser Kindergartenkinder auf die Barrikaden gegangen waren, hatten am Faselmarktsamstag die Eltern der 100 Butzbacher Kinder in den beiden Horten demonstriert: Alle fünf Einrichtungen waren und sind von der Schließung bedroht – die Kindergärten wegen niedriger Meldezahlen und Sanierungsbedarf, die Horte wegen der Kosten, die dem Kreis als Schulträger obliegen, aber noch von der Stadt gezahlt werden. Die freilich benötigt Geld für die ab 2013 vorgeschriebene, vom Land aber nicht im erhofften Umfang unterstützte U3-Betreuung (wir berichteten).

Noch am Mittwoch hatte ein Runder Tisch mit Elternbeiräten, Hort- und Schulleiterinnen, einem Vertreter des Staatlichen Schulamts, dem Bürgermeister und Kreisschuldezernent Helmut Betschel-Pflügel zur Hortfrage wenig Annäherung gebracht. Immerhin waren dabei Besuche der Kreisvertreter in den Kernstadt-Grundschulen, der Degerfeld- und der Stadtschule, vereinbart worden. Dorthin will der Kreis die Nachmittagsbetreuung der Grundschulkinder verlagern.

In der Parlamentssitzung am Donnerstagabend waren die Besucherreihen ungewöhnlich gut besetzt. Viele der Demonstranten vom Vorplatz verfolgten die gut einstündige Diskussion und atmeten erleichtert durch, als Bürgermeister Merle (SPD) seinen Zusatzantrag einbrachte, in dem er konkretisierte, was er meinte mit seiner kürzlich gemachten Äußerung, man lasse die Hortkinder und ihre Eltern "nicht im Regen stehen".

Beim Rückzug der Stadt bleibt’s

Merle bestätigte zwar den Plan, sich 2013 aus der Hortfinanzierung zurückzuziehen und die Betreuung der Grundschüler den Schulen und damit dem Kreis zu überlassen. Falls die Ganztagsbetreuung aber im Sommer 2013 noch nicht stehe, könnten die dann in den Horten betreuten Kinder bleiben bis zu einem Termin, den das Stadtparlament festlegen werde. Neuaufnahmen zum Schuljahr 2013/14 werde es freilich nicht mehr geben. Der Bürgermeister stützte sich mit dieser Einstellung auf den Hessischen Städtetag, dessen Ausschüsse schon im September 2010 empfohlen hatten, die Hortbetreuung schrittweise zurückzufahren, wenn Alternativen bestünden.

Debatte um Campus-Planung

Weitgehend sachlich wurde am Donnerstag diskutiert, auch in den Zuschauerreihen blieb es ruhig. Noch mehr als die Horte stand die für Hoch-Weisel geplante Campus-Lösung im Fokus. Dort sollen in den Neubau (nach dem Großbrand im Sommer) drei Ü3- und zwei U3-Gruppen einziehen, neben den einheimischen Kindern und denen aus den Taunusorten Münster, Wiesental, Maibach, Bodenrod, Hausen-Oes und Langgöns-Espa sollen dort dann auch die Fauerbacher Kinder betreut werden. Dieser "großen Lösung" hatten die Fauerbacher Eltern zusammen mit dem Ortsbeirat ein Ausbaukonzept entgegengesetzt, das 20 "großen" und 10 "kleinen" Kita-Kindern Platz bieten würde.

Es fand freilich keinen Eingang ins städtische Kinderbetreuungskonzept.

Kirch-Göns: Nicht größer als der alte

Die Ostheimer Kinder sollen künftig in Nieder-Weisel betreut werden, die Ebersgönser im Neubau an der Kirch-Gönser Schule, der freilich – so wurde mehrfach betont – kein größerer, sondern ein gleich großer Ersatz für den derzeitigen, nicht mehr sinnvoll sanierungsfähigen Kindergarten sein werde.

In der (von den Grünen geforderten namentlichen) Abstimmung votierten alle drei kleinen Fraktionen geschlossen gegen das Konzept, hinzu kamen je eine Gegenstimme aus CDU (Walter Fehr, Fauerbach) und SPD (Karlheinz Hümmer). Die 13 Stimmen reichten erwartungsgemäß nicht gegen die 19 Befürworter aus der Großen Koalition.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare