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Schokolade mit Mandeln, Erdbeeren, Himbeeren Bei »Hessen Schokolade« wird fleißig kreiert. Die Unternehmensgründer Bastian Schütz (l.) und Erik Lohsträter sagen: »Wir haben Ideen ohne Ende.«

Aus Vereinshilfe entstanden

„Hessen Schokolade“: Junge Firma aus Butzbach macht Furore auf Süßigkeitenmarkt

  • Sabrina Dämon
    VonSabrina Dämon
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Mit 100 Tafeln Schokolade fing es an. Inzwischen sind es mehrere zehntausend. Sie alle tragen das Logo von „Hessen Schokolade“ - der Firma von Bastian Schütz und Erik Lohsträter.

Butzbach – Die Idee kam spontan. Die zwei Freunde Bastian Schütz und Erik Lohsträter saßen im Restaurant und unterhielten sich über die schwierige Situation für den VfR Butzbach. Lohsträter ist dort Sportlicher Jugendleiter - und es gab ein coronabedingtes Problem: Dadurch, dass es keine Veranstaltungen mehr gab, gab es auch keine Einnahmen mehr, zum Beispiel durch Waffelverkauf oder durch das Altstadtfest in Butzbach. Das ist ungefähr ein Jahr her. Schütz und Lohsträter leiten jetzt ein gemeinsames Unternehmen und haben seither unzählige Tafeln Schokolade verkauft.

Denn das Gespräch über die Einnahmeprobleme des VfR endete mit einem Plan: Die beiden wollten Schokolade verkaufen - personalisiert durch eine Banderole mit dem VfR-Logo. Zumal das quasi Schütz’ Spezialgebiet ist - seit über 20 Jahren ist er der Chef einer Werbeagentur. Marketing und Produktentwicklung gehören zu seinen Hauptaufgaben. Und vor allem: Er hat Kontakte. »Ich habe mein Netzwerk aktiviert«, erzählt er. Schütz beauftragte einen befreundeten Delikatessen-Hersteller im Rhein-Main-Gebiet mit den ersten 100 Tafeln. In der Medienagentur wurde zur selben Zeit die Verpackung gestaltet. Schon wenig später waren die 100 Tafeln verkauft, und weitere 800 VfR-Tafeln wurden für den Förderverein der Schrenzerschule Butzbach produziert. »Nachdem die ersten 900 Tafeln gegessen waren, kam der Schneeballeffekt.« Und die Firmengründung.

Butzbacher verkaufen „Hessen Schokolade“: Von der Vereinshilfe zur Firma

Ihrem Unternehmen haben Schütz und Lohsträter den Namen »Hessen Schokolade« gegeben, die Räume sind in der ehemaligen Papierfabrik in Butzbach.

Dort wird vor allem beraten und gestaltet - Etiketten, Verpackungen - für Tafeln, aber auch für Pralinen oder Lollis-, die letztlich die personalisierten Produkte zieren. Der EC Bad Nauheim gehört zum Beispiel zu den Kunden. Schokolade mit dem Roten-Teufel-Logo wird ebenso wie der EC-Schokokuchen in der Dose (»der Schokoladen-Puck«) bei den Eishockey-Spielen verkauft. Auf anderen Tafeln ist das Logo der Telekom, das eines heimischen Handwerkers oder das einer Apotheke. Oder, einer der größten Kunden: das hessische Innenministerium.

Aber auch Privataufträge werden angenommen: die Hochzeits-Einladung auf der Pralinen-Verpackung, die Danksagung nach der Taufe, der Weihnachtsgruß an die Kollegen.

So sehen die „Hessen Schokolade“-Leckereien verpackt aus.

Was die Sorten angeht, ist die Auswahl ebenso bunt. Das hat auch etwas damit zu tun, dass der 41-jährige Schütz in der Branche Erfahrung hat: Früher hat er bei einem Catering-Unternehmen als Prokurist gearbeitet, essenstechnisch kennt er sich also aus. Und wenn er etwas Neues ausprobieren wolle, mache er das. Beispiel Gebrannte-Mandel-Schokolade (»unser Highlight«): »Als Kind war es etwas ganz Besonderes, auf dem Jahrmarkt gebrannte Mandeln zu essen«, erzählt er. »Deswegen habe ich jemanden gesucht, der die Mandeln genauso macht wie damals in den 80ern - und diese Emotion in die Schokolade packt.«

„Hessen Schokolade“: Ihre Äpfel bekommen die Butzbacher aus der Wetterauer Nachbarschaft

Für den Namen »Hessen Schokolade« haben sich Schütz und Lohsträter entscheiden, weil sie - soweit das bei Schokolade möglich ist - in Hessen produziert wird. Die Äpfel der Sorte »Wetterauer Apfel« kommen von einer Streuobstwiese in Friedberg, die Erdbeeren für eine andere Sorte aus Münzenberg.

Regional soll aber nicht nur das Produkt sein, sondern auch die Vermarktung, sagt Lohsträter. Als die beiden die Firma gegründet hatten und die ersten Aufträge bekamen, überlegten sie, wie sie mit dem Handel umgehen wollen. »Unsere Produkte sind nicht mit denen in Supermärkten vergleichbar«, sagt Schütz. »Weil es Manufaktur-Qualität ist« - das zeige sich beim Geschmack, aber eben auch beim Preis. Deswegen setzen sie auf regionale Vermarktung, bspw. Hofläden. Der erste, der die »Hessen Schokolade« ins Sortiment genommen hat, ist in Usingen. Mit der Zeit sind es mehr geworden.

„Hessen Schokolade“ aus Butzbach: 2021 zehntausende Tafeln verkauft

In den ersten drei Monaten - von Firmengründung im November 2020 bis Jahresende - haben sie 9000 Tafeln verkauft, sagt Schütz. »In diesem Jahr sind es zwischen 30 000 und 40 000.« Hinzukommen Pralinen und weitere Produkte (Gummibärchen, Marshmallows). Pläne gibt es jedenfalls noch einige, sagt Schütz. Sowohl was die Produkte als auch die Geschäftszweige angeht. Nun steht jedoch zuerst einmal das Weihnachtsgeschäft vor der Tür. »Und wir haben Ideen ohne Ende.«

Bastian Schütz hatte bei der Firmengründung einen Vorteil: Er hat gute Verbindungen in alle möglichen Branchen. Wenn deswegen eine neue Sorte für »Hessen Schokolade« entstehen soll, fährt er in die Schokoladenmanufaktur, um dort auszuprobieren und neue Sorten zu kreieren. Zudem wird dort verpackt - egal, ob 1000 oder 10 Tafeln. Soweit es möglich ist, sagt Schütz, wird die Schokolade in Hessen produziert. »Natürlich gibt es hier keine Kakaoplantagen«, aber er lege Wert darauf, so viele fair gehandelte Rohstoffe wie möglich zu verwenden. (Sabrina Dämon)

Was alles aus Schokolade entstehen kann, zeigt auch ein Konditormeister aus Bad Nauheim. Er hat einen riesigen Schoko-Elvis kreiert.

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