Schwerer sexueller Missbrauch eines Kleinkindes

Gutachter: Erinnerungslücken des Angeklagten nicht glaubhaft

  • VonConstantin Hoppe
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Wegen des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kleinkindes steht ein 31-Jähriger vor Gericht. Zwei Gutachter bescheinigen dem Mann: Er muss sich seiner Handlungen bewusst gewesen sein.

Keine Hinweise auf Einschränkungen der Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit: Am Dienstag hat Das Landgericht Gießen die Verhandlung wegen des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kleinkindes in Butzbach (wie diese Zeitung berichtete) fortgesetzt. Dieses Mal standen die Gutachten der verschiedenen an dem Prozess beteiligten Sachverständigen an.

Der 31-Jährige Angeklagte D. soll im Mai 2020 ein Kleinkind in Butzbach schwer sexuell missbraucht haben und gleichzeitig auch mehrere Videos der Tat mittels seines Smartphones angefertigt haben.

Keine Einschränkung der Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit

Auf die Spur kam man dem bis zu seiner Verhaftung in Reiskirchen wohnenden Mann erst durch einen Zufall: Er verlor sein Telefon bei einem Besuch in Grünberg, dort wurde es Monate später gefunden und mit ihm auch die Videos der Tat.

Der 31-Jährige räumte die Tat ein, gab jedoch an keine Erinnerungen mehr an den Tag zu haben, da er einen Medikamentencocktail geschluckt habe, um seinem Leben eine Ende zu setzen.

Genau dieser Teil seiner Geschichte war am Dienstag Gegenstand der Sachverständigen: Nach Einschätzung der beiden psychologischen Gutachter Sebastian Kötter und Dr. Rolf Lutz Wagner bestand zur Tatzeit vermutlich keine Einschränkung der Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit. »Bei den vom Angeklagten Dosen an eingenommenen Mitteln ist das nicht plausibel« erklärte Dr. Rolf Lutz Wagner.

Tat mit Handy gefilmt

Diplom-Psychologe Sebastian Kötter gab weitere Informationen, insbesondere auf die Funktionsfähigkeit des Angeklagten: »Er konnte gleichzeitig seine Tat begehen, ein Handy halten um diese auch zu filmen und auch noch den Bildausschnitt korrigieren - es ist aus psychologischer Sicht wenig plausibel, dass man so etwas Komplexes noch hinbekommt, aber gleichzeitig keinerlei Erinnerungen mehr daran hat.«

Auch die vom Angeklagten beschriebenen Nebenwirkungen passen nur teilweise auf die von ihm eingenommene Medikamentenkombination. »Einsichtsfähigkeit und Steuerungsfähigkeit war nach den vorliegenden Informationen zur Tatzeit vorhanden«, folgerten die beiden Sachverständigen.

Keine ausgeprägte Kernpädophilie

Daneben gab es vonseiten der Gutachter aber auch eine ganze Reihe von Diagnosen D. betreffend: Eine ausgeprägte Kernpädophilie ist nach derzeitigem Kenntnisstand nicht bei ihm vorhanden. »Es gibt den Verdacht auf die Störung einer Sexualitätspräferenz«, erklärte Kötter. Allerdings sei es schwer von einem Vorfall auf eine volle Pädophilie zu schließen.

Daneben gebe es bei dem Angeklagten den Hang zur Einnahme gesundheitsschädlicher Stoffe - jedoch keine Abhängigkeit. Und eine weitere Diagnose ist die einer »kombinierten Persönlichkeitsstörung«, die sich »wie ein roter Faden« durch das Leben von D. ziehe.

Diese äußere sich in der Impulsivität des Angeklagten und seiner emotionalen Instabilität. Durch diese sei es auch zu vielen Vorstrafen des 31-Jährigen gekommen, die oft im Zusammenhang mit Gewalt stehen.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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