Im Ruhestand will Dieter Wolf Bücher schreiben und Vorträge halten, zeichnen, malen, musizieren und mit seiner Frau verreisen.	FOTO: PV
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Im Ruhestand will Dieter Wolf Bücher schreiben und Vorträge halten, zeichnen, malen, musizieren und mit seiner Frau verreisen. FOTO: PV

Ganzes Arbeitsleben für die Stadtgeschichte

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Butzbach (bf). Fast 34 Jahre hat Dieter Wolf das Museum und das Archiv der Stadt Butzbach geleitet. Am 1. März geht der 63-Jährige in den Ruhestand.

Wolf ist in Nieder-Wöllstadt aufgewachsen und hat an der Augustinerschule in Friedberg sein Abitur abgelegt. Geschichtsbegeistert war er schon in frühen Jahren: Noch während der Schulzeit schrieb er ein Buch zur Geschichte seines Heimatdorfes. So wundert es nicht, dass Wolf danach Geschichte, Kunstgeschichte, Vor- und Frühgeschichte sowie klassische Archäologie studierte. 1999 promovierte er über »Melsungen: Eine Kleinstadt im Spätmittelalter«.

Wolfs Forschungsschwerpunkt ist die hessische Geschichte, besonders die Orts- und Regionalgeschichte der Wetterau. Seit 1972 erschienen zahlreiche Publikationen zur Erforschung der Wetterau, in denen Wolf häufig historische mit kunst- und baugeschichtlichen Aspekten verband.

1896 gegründet

Im April 1986 übernahm Wolf die hauptamtliche Leitung des Butzbacher Museums und Stadtarchivs, wo zahlreiche Aufgaben auf den jungen Wissenschaftler warteten. Hier wollte nämlich der Magistrat an einen bestehenden älteren Bau (dem historischen Solms-Braunfelser Amts- und Hofhaus) einen großen, modernen Museumskomplex einrichten, in dem auch die reichhaltigen Archivbestände der Stadt unterzubringen waren.

Das Butzbacher Museum ist das älteste Museum der Wetterau, es wurde 1896 als »Alterthümer- und Trachtenmuseum« gegründet. Trotz zweier mit Diebstählen verbundenen Einbrüche in den 1970er Jahren ist der Kernbestand der Sammlungen bis heute erhalten; er geht zu einem wichtigen Teil bis in die Gründungsphase des Museums zurück.

Das Museum wurde - nach langer Konzeptionsplanung - von 1990 bis 1994 neu errichtet. Zu besichtigen sind heute unter anderem diese Abteilungen: der Butzbacher Raum in der Römerzeit, Friedrich Ludwig Weidig und seine Zeit, Stadtgeschichte von den Anfängen bis zum Zeitalter der Industrialisierung, volkskundliche Abteilung, Handwerk und Gewerbe im alten Butzbach. Zudem sind zu sehen: ein Modell der gesamten Altstadt im Zustand Mai 1832, das Atelier des langjährigen Butzbacher Fotografen Bruno Adler sowie Richard Fenchels Miniaturschuhmuseum. Unter Wolfs Ägide fanden mehr als 125 Sonderausstellungen statt. Heute ist das »neue« Museum unverkennbar in die Jahre gekommen - daraus werden sich zwangsläufig viele Aufgaben für den Nachfolger ergeben.

Auch das Stadtarchiv hat Wolf betreut: Dort werden Urkunden, Chroniken, Amtsbücher und viele Akten aus der Zeit vom 14. Jahrhundert bis heute aufbewahrt.

Darüber hinaus war und ist Wolf in vielen Verbänden und Gremien tätig: von 1994 bis 2015 im Vorstand des Hessischen Museumsverbands, seit 1987 im Denkmalbeirat des Wetteraukreises sowie in verschiedenen Geschichts- und Museumsvereinen. Für seine Aktivitäten wurde er auch zum Mitglied mehrerer Historischer Kommissionen gewählt. »Nebenbei« hat er etwa 200 Publikationen zur Butzbacher und Wetterauer Geschichte verfasst oder mit herausgebracht, einige Hundert Vorträge gehalten und ungezählte Führungen angeboten.

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