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Viele Jahre Schaustellerei

Faselmarkt in Butzbach: Popcorn-Duft liegt in der Luft

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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In Butzbach startet am heutigen Samstag der Faselmarkt. Wie in jedem Jahr wird auch wieder die Familie Kalbfleisch dabei sein, die auf viele Jahre Schaustellerei zurückblickt.

Auf der Kirmes hat’s gefunkt. Damals, 1978 in Nieder-Weisel. Sie stand in der Popcorn-Bude, er war Kirmesgänger. »Dann bin ich auch mal ins Zelt gegangen, und so haben wir uns kennengelernt«, erzählt Ursula Kalbfleisch-Winter. Zwei Jahre später zieht das Paar zusammen, er, Norbert Winter, der eigentlich gelernter Koch und Metzger ist, gibt 1985 seinen Beruf auf und beginnt im selben Gewerbe wie seine Frau. Das Paar betreibt den Schausteller-Betrieb von da an gemeinsam. Und wie seit Jahren schon, werden sie auch heute wieder dabei sein, wenn der 527. Faselmarkt in der Butzbacher Altstadt beginnt. Sie am Popcorn-Stand, er nebenan, am Crêpes-Stand. Wenige Meter weiter steht das Kinderkarussell, auch das ist in Familienhand. Denn der Nachname Kalbfleisch gehört in Butzbach seit eh und je zum Jahrmarkt dazu.

Quer durchs Land mit dem Stand

1878 stieg der Ur-Ur-Großvater von Ursula Kalbfleisch-Winter in das Gewerbe ein. Seither gibt es keinen Jahrmarkt in Butzbach ohne Buden der Familie Kalbfleisch.

Dieses Jahr auch wieder dabei (v.l.): Norbert Winter, Ursula Kalbfleisch-Winter, Steven Zey und Karl Braubach.

Dabei, erzählt sie, war es gar nicht sicher, dass sie in die elterlichen Fußstapfen treten wird. Ursula Kalbfleisch-Winter war von klein auf dabei, wenn die Eltern mit den Buden von Markt zu Markt gereist sind. »Ich musste jede Woche die Schule wechseln«, erzählt sie. Schön sei das als Kind nicht gewesen, zumal es in einer Woche nicht möglich gewesen sei, Freundschaften zu knüpfen. Nach den ersten vier Schuljahren, erzählt sie, entschieden ihre Eltern dann, dass sie und ihr Bruder bei der Tante bleiben - »von da an bin ich in Butzbach in die Schule gegangen«.

Nach der Schule machte Ursula Kalbfleisch-Winter erst einmal eine Ausbildung. Letztlich ist sie aber doch im Schausteller-Gewerbe gelandet. »Ich war sowieso jedes Wochenende bei meinen Eltern.« Und als der Vater fragte, ob sie nicht ihren eigenen »Geschäftszweig« eröffnen will, entschied sie sich dafür. Sie verkaufte Popcorn und Mandeln - von 1977 an bis heute.

Höhere Kosten, weniger Märkte

Das Schausteller-Dasein hat sich in all den Jahren verändert, sagen die Eheleute Kalbfleisch-Winter. Es gebe immer weniger Veranstaltungen, weswegen die Einnahmen sinken würden. Zudem seien in den vergangenen Jahren verstärkte Sicherheitsmaßnahmen hinzugekommen, zum Beispiel was den Brandschutz angeht, sodass es immer schwieriger werde, eine Kirmes oder einen Jahrmarkt auf die Beine zu stellen.

Dennoch macht das Ehepaar weiter. Auch der Sohn, Steven Zey, ist im Team, hat die Schaustellerei nach seiner Ausbildung in der Versicherungsbranche zum Beruf gemacht.

Frühling ist Riesenrad-Zeit. Seit Jahren schon gehört das Fahrgeschäft zum Faselmarkt.

Von März bis Oktober ist die Familie in ganz Hessen bis nach Rheinland-Pfalz unterwegs, baut ihre Stände auf Festplätzen und in Innenstädten auf. Um die Weihnachtszeit bieten sie zudem Feuerzangenbowle auf Märkten an. Zweimal im Jahr jedoch steht das Heimspiel an: der Faselmarkt im Frühjahr und der Katharinenmarkt im Herbst. Wie Norbert Winter erzählt, organisiert das Paar die ganze Veranstaltung, die sich in der Stadt sowie auf dem Rathausparkplatz und auf dem ehemaligen Mälzereigelände (dort stehen die meisten Fahrgeschäfte) abspielt. »Wir mieten das Gelände von der Stadt.« Jahr für Jahr wählen Kalbfleisch-Winters die Schausteller und Fahrgeschäfte aus. »So, dass es nicht jedes Jahr die selben sind«, sagt der Marktpächter. Das Riesenrad allerdings steht jedes Frühjahr auf dem Marktplatz.

Ein wichtiger Faktor, mit dem der Erfolg einer Markt-Veranstaltung steht oder fällt, ist das Wetter - das zum Standaufbau noch nicht annähernd ideal gewesen ist. Aber, sagt die Butzbacherin: Es soll besser werden übers Wochenende.

Wenn der Markt heute beginnt - egal bei welchem Wetter-, werden die vielen Schausteller alle ihre Buden öffnen, ihre Waren anbieten, mit den Besuchern ins Gespräch kommen. Das, sagt Ursula Kalbfleisch-Winter, ist sowieso das Schönste am Schausteller-Dasein: »Wenn das Publikum gut drauf ist und alles passt.«

Der Faselmarkt beginnt am heutigen Samstag. Das Markttreiben in der Stadt startet um 12 Uhr. Am Sonntag öffnet zudem der Einzelhandel seine Türen. Am letzten Markttag, Dienstag, bieten die Fahrgeschäfte ermäßigte Preisen an.

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