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Vor dem Landgericht Gießen muss sich ein 34-Jähriger wegen Vergewaltigung seiner 21-Jährigen Ex-Freundin verantworten.

Prozess vor dem Landgericht Gießen

Ex-Freundin vergewaltigt: »Hole mir jetzt, was ich will«

  • vonConstantin Hoppe
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Ein 34-Jähriger soll betrunken seine Ex-Freundin an ihrem Geburtstag in Butzbach vergewaltigt haben. Eine Zeugin spricht auch von Stalking durch den Angeklagten. Der schweigt zu den Vorwürfen.

Gießen – Der Angeklagte sitzt in Jogginghose im Saal 227 des Gießener Landgerichts. Sein Kopf ist gesenkt, er blickt nur dann ein wenig auf, wenn er direkt angesprochen wird oder er sich an seinen Dolmetscher wendet. Zu den Vorwürfen, die gegen ihn erhoben werden schweigt der 34-jährige Afghane jedoch.

In der Nacht vom 26. auf den 27. Dezember 2020 soll er seine Ex-Freundin an ihrem Geburtstag in deren Wohnung in Butzbach besucht und später in der Nacht vergewaltigt haben. Am Mittwoch startete vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Gießen der Prozess um die Vergewaltigungsvorwürfe.

Prozess in Gießen: Überraschender Geburtstagsbesuch

Laut Anklage kam der 34-Jährige A. am 26. Dezember des vergangenen Jahres überraschend zu seiner Ex-Freundin zu Besuch um mit ihr auf ihren Geburtstag anzustoßen. Die Geschädigte soll seine Anwesenheit missbilligt haben - ließ ihn aber angesichts der geltenden Corona-Ausgangsbeschränkung bei ihr übernachten.

In der Wohnung soll sich A. betrunken haben und machte ihr laut Anklage Vorwürfe wegen des Scheiterns der gemeinsamen Beziehung. Nachdem sich die Frau in ihr Bett legte, sei ihr der Angeklagte gegen 3 Uhr Nachts in ihr Schlafzimmer gefolgt und hatte laut Anklage geäußert: »Ich hole mir jetzt was ich will!«

21-Jährige mit Messer bedroht

Danach zerriss er das T-Shirt der jungen Frau und versuchte auch ihre Hose herunterzuziehen. Da sich die Frau jedoch wehrte, soll er danach ein Küchenmesser geholt haben und bedrohte die Butzbacherin: »Ich bringe dich um und vergewaltigte deinen toten Körper«, woraufhin sie ihren Widerstand verängstigt einstellte.

Auch zum Oralverkehr soll er die junge Frau gezwungen haben - als sie dies versuchte zu verhindern, soll sich der Angeklagte mit dem Messer selbst verletzt haben und gesagt haben: »Wenn du es nicht tust, leben wir beide morgen früh nicht mehr.«

Nach der Vergewaltigung schloss sich die Geschädigte im Badezimmer ein und rief ein Taxi für den Angeklagten mit dem er nach Hause fahren konnte. Die junge Frau, die in dem Verfahren auch als Nebenklägerin auftritt, äußerte sich am Mittwoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit als Zeugin zu den Geschehnissen.

Verabredung mit Freundin verschoben

Als weitere Zeugin äußerte sich die 21-Jährige beste Freundin des Opfers während des ersten Verhandlungstages: »Wir waren am nächsten Tag verabredet, aber sie sagte mir, dass wir es lieber verschieben sollten«, berichtete die Zeugin aus ihrer Erinnerung.

»Als ich nachfragte warum, schrieb sie mir einfach nur: ›Er war da‹.« Danach eilte sie zur Wohnung ihrer Freundin und erfuhr was in der vorangehenden Nacht geschehen war.

Anrufe auf der Arbeitsstelle

Doch schon in den Wochen vor der Tat hatten sich aus Sicht der Zeugin erste Vorfälle ereignet: »Er hat sie gestalkt«, berichtete die 21-Jährige. »Er ist auch zu ihrem Pferd oder vor das Haus ihrer Eltern gefahren, hat dort Fotos gemacht und ihr Nachrichten geschrieben, dass er da sei und mit ihr sprechen wolle.«

Es kam nach Angaben der Zeugin auch zu Anrufen auf der Arbeitsstelle der Geschädigten. Warum sie ihre Freundin nicht schon früher zur Polizei gegangen sei, fragte der Vorsitzende Richter Dr. Lessing nach? Darauf antwortet die 21-Jährige: »Ich denke, sie wollte das aussitzen.« Der Prozess wird fortgesetzt. (Constantin Hoppe)

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